Sie sind hier:

Sparda-Studie zum Immobilienmarkt So krass sind die Preisunterschiede zwischen Stadt und Land

|

A A A
41 Quadratmeter Eigentum in München kosten so viel wie 299 in Stendal – klingt unglaublich, ist aber so. Auch was die Preissteigerungen der letzten Jahre angeht, sind die regionalen Unterschiede immens.
Immobilienkauf in Deutschland

Für den gleichen Betrag erhalten Immobilienkäufer unterschiedlich viel Wohneigentum

Eine Viertelmillionen Euro – so viel mussten Käufer im letzten Jahr durchschnittlich für eine Immobilie in Deutschland bezahlen. Genauer gesagt: 242.000 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Wohnen in Deutschland 2017“, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH (IW Consult) und das Allensbacher Institut für Demoskopie (IfD) Anfang des Jahres im Auftrag der Sparda Bank durchgeführt haben. Die Forscher untersuchten die Immobilienmarktlage aller 402 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland und ergänzten die Untersuchung um eine repräsentative Befragung zum Thema Wohnsituation und Eigentumserwerb an der 1.441 Personen teilnahmen. Besonders bei den Immobilienpreisen in Metropolen und auf dem Land fanden die Autoren sehr deutliche Unterschiede.

Sechs Jahresnettoeinkommen für den Immobilienkauf

Für den durchschnittlichen Kaufpreis von 242.000 Euro erhielten Käufer bundesweit im Schnitt 126 Quadratmeter  Wohneigentum. Allerdings variiert die Quadratmeter-Anzahl beträchtlich, denn in allen Metropolen (die sieben größten Städte Deutschlands: München, Berlin, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Köln und Düsseldorf) war eine Immobilie für den durchschnittlichen Kaufpreis im Schnitt kleiner als 100 Quadratmeter. Die Unterschiede im Preis-Leistungs-Verhältnis zwischen Stadt und Land sind enorm. In ländlichen Gebieten gab es deutlich mehr Wohnraum zu diesem Preis. Mit 41 Quadratmetern erhielten Käufer im Landkreis München für den bundesweit durchschnittlichen Kaufpreis am wenigsten und Käufer in Stendal mit 299 Quadratmetern am meisten Wohnraum.

Bundesweit müssen Käufer im Schnitt das Sechsfache ihres Jahresnettoeinkommens für den Immobilienkauf aufwenden. Auch hier gibt es starke Unterschiede zwischen Stadt und Land. Immobilienkäufer im Landkreis Vulkaneifel mussten nur das 2,7-fache ihres Jahresnettoeinkommens investieren, Käufer in München dagegen das 12,9-fache. Die ebenfalls in diesen Tagen erschienene  Postbank-Studie Wohnatlas 2017 hat ergeben, dass ein Immobilienkauf einen Münchner sogar das 21-fache seines Jahresnettoeinkommens kostet.

Trotz der gestiegenen Immobilienpreise ist laut der Sparda-Untersuchung in allen deutschen Städten und Landkreisen der Kauf einer Immobilie auf lange Sicht günstiger als ein Mietverhältnis.

Ein Quadratmeter Wohneigentum kostete im letzten Jahr durchschnittlich fast 2.000 Euro. Für Eigentumswohnungen lag der Quadratmeterpreis in Metropolen im Durchschnitt mit 3.247 Euro fast um 1.000 Euro höher als der Bundesdurchschnitt. Selbst zwischen den Metropolen gibt es noch große Preisunterschiede. Während Käufer für einen Quadratmeter Eigentumswohnung in Berlin 2.430 Euro bezahlen mussten, fielen für Käufer in München 5.466 Euro pro Quadratmeter an. Auch hier hat die Postbank-Studie für München mit 6.149 Euro pro Quadratmeter einen noch höheren Preis angegeben.

Für Eigenheime variieren die Quadratmeterpreise zwischen 771 Euro im Landkreis Gera und 5.862 Euro im Landkreis München. Sieben der zehn Regionen Deutschlands mit den teuersten Quadratmeterpreisen von Wohneigentum liegen im Großraum München. Bei den Quadratmeterpreisen von Eigentumswohnungen liegen sogar alle zehn teuersten Landkreise im Münchner Umland.

München: Mehr als 80 Prozent Preisanstieg in zwölf Jahren

Auch was die Steigerung der Quadratmeterpreise angeht, ist München einsamer Spitzenreiter. Seit 2005 sind die Preise in der bayerischen Landeshauptstadt um 81,5 Prozent gestiegen. Der bundesweite Durchschnitt betrug dagegen nur 21,5 Prozent. Damit ist die Preissteigerung in München vier Mal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Dagegen sind die Preise in Gera mit 19,9 Prozent am stärksten gefallen. Insgesamt sind in drei Vierteln der Städte und Landkreise die Preise seit 2005 gestiegen. Zusätzlich beobachteten die Forscher, dass sich Ausstrahlungseffekte deutscher Metropolen auch preisteigernd auf die Immobilien im Umland auswirkten. Aufgrund der hohen Quadratmeterpreise in den Metropolen stiegen auch die Preise im Umland. So liegen auch die zehn Landkreise, in denen die Quadratmeterpreise seit 2005 am stärksten gestiegen sind, alle im Großraum München. Nach Angaben der Studienautoren beträgt der Wirkungskreis der Münchner Preise aktuell etwa 100 Kilometer.

Zinslast seit 2007 mehr als halbiert

Die Studie gibt auch an, wie die Deutschen Wohneigentum bezahlen. Im Schnitt finanzieren die sie eine Immobilie zu 77,8 Prozent über ein Darlehen. Käufer brachten also im letzten Jahr durchschnittlich rund 22 Prozent  des Preises als Eigenkapital mit. Die durchschnittliche Darlehenshöhe betrug 188.200 Euro, der durchschnittliche Eigenkapitalanteil lag bei 53.800 Euro. Aufgrund des anhaltenden Zinstiefs ist die Finanzierung einer Immobilie zu dem durchschnittlichen Kaufpreis von 242.000 Euro günstiger als vor zehn Jahren. 2007 zahlten Kreditnehmer für einen Darlehensbetrag von 188.200 Euro bei einem Zinssatz von durchschnittlich 4,39 Prozent und einer Laufzeit von 20 Jahren 94.880 Euro an Zinsen. Zehn Jahre später ergab sich für Kreditnehmer für den gleichen Darlehensbetrag und für die gleiche Laufzeit ein durchschnittlicher Zinssatz von 1,82 Prozent und damit eine durchschnittliche Zinsbelastung von 36.466,92 Euro.

Umso überraschender ist es, dass das Motiv der niedrigen Zinsen für Immobilienkäufer langsam an Bedeutung verliert. Im letzten Jahr sahen laut den Studienautoren noch 48 Prozent der Deutschen im Alter zwischen 16 und 50 Jahren die Niedrigzinsphase als Möglichkeit an, um günstig eine Immobilie zu erwerben. Nach der aktuellen Befragung sind es nur noch 39 Prozent. 
 

Weitere Nachrichten über Baufinanzierung

Weitere Nachrichten über Baufinanzierung