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Finanzwissen Folge 4 Was machen eigentlich Zentralbanken?

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Gerade erst waren die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank wieder in den Schlagzeilen: Ihre Entscheidungen haben enorme Auswirkungen auf das Leben der Bürger. Doch warum ist das so und welche Aufgaben erfüllen Zentralbanken?
Finanzwissen_4_Zentralbanken

Die Entscheidungen von Zentralbanken haben erheblichen Einfluss auf das Leben der Bürger.

Seit vor fast genau 20 Jahren die Europäische Zentralbank (EZB) gegründet wurde, hat sich für die Einwohner der Eurozone viel verändert: Sparer erhalten so gut wie keine Zinsen mehr, für Kreditnehmer hingegen ist Geldleihen immer billiger geworden. Auf der einen Seite können sich die Bürger den Traum vom Eigenheim so günstig wie nie zuvor erfüllen, auf der anderen Seite sind Häuser und Wohnungen so teuer wie selten zuvor geworden. Das wirkt sich wiederum auch auf die Mieten aus, die in vielen Großstädten einen immer größeren Posten in den Nettohaushaltseinkommen einnehmen. Die Zinsentscheide der EZB haben zu diesen Entwicklungen wesentlich beigetragen.

Auch darauf, wie wir bezahlen, haben die Währungshüter Einfluss: Im Mai 2016 haben sie beschlossen, die Ausgabe von 500-Euro-Scheinen gegen Ende dieses Jahres einzustellen, offiziell um Geldwäsche, Kriminalität und Terrorismus zu erschweren. Bei einigen ließ diese Entscheidung Ängste aufkommen, die EZB werde das Bargeld irgendwann ganz abschaffen.

Diese Beispiele zeigen, wie sehr sich Entscheidungen der europäischen Notenbanker auf das Leben jedes einzelnen Einwohners der Eurozone auswirken. Warum haben die Zentralbanken so viel Einfluss? Was machen Zentralbanken eigentlich?
 

Warum gibt es Zentralbanken?

Fast jeder Staat hat eine Zentralbank, die für die Geld- und Währungspolitik dieses Staates verantwortlich ist. Im Euroraum ist das die Europäische Zentralbank, die ihren Sitz in Frankfurt am Main hat. Zusammen mit den nationalen Notenbanken der Mitgliedstaaten des Eurowährungssystems bildet sie das Europäische System der Zentralbanken. Im Rat der EZB sind neben Präsident Mario Draghi und dem Direktorium die Notenbankpräsidenten der nationalen Zentralbanken jedes Staates der Eurozone vertreten. Für Deutschland sitzt der Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann, als Mitglied im Rat der EZB. Die US-Notenbank FED (Federal Reserve System) ist die Zentralbank der USA, bei der, anders als bei der EZB, auch private Geschäftsbanken Mitglieder sind. Die FED hat ihren Hauptsitz in Washington D.C., gegründet wurde sie 1913. Die Bank of England ist die Zentralbank des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Sie wurde 1694 gegründet. Als älteste Zentralbank der Welt gilt die Schwedische Reichsbank (Sveriges Riksbank) die bereits 1668 gegründet wurde.

Welche Aufgaben haben Zentralbanken?

Eine Zentralbank wird auch als Bank der Banken bezeichnet. Ihre Kunden sind nicht Privatpersonen, sondern Geschäftsbanken oder Staaten. Zu den Aufgaben einer Zentralbank gehören:

Geldpolitik: Die wichtigste Aufgabe einer Zentralbank ist, die Preisstabilität zu sichern: Der Wert einer Währung soll stabil bleiben und es soll weder zu einem starken Anstieg (Inflation) noch zu einem Verfall (Deflation) der Preise kommen. Der Rat der EZB hat eine Inflationsrate von unter, aber nahe 2,0 Prozent als Inflationsziel ausgegeben. Dieser Wert entspricht auch dem Inflationsziel der FED und der Bank of England. Eine stabile Währung soll die Sparer vor Vermögenseinbußen schützen und das Wirtschaftswachstum fördern.

Ausgabe von Banknoten: Zentralbanken haben ein Monopol auf die Ausgabe von Banknoten. Im Euroraum sind nur die EZB und die nationalen Notenbanken dazu berechtigt, Banknoten und Münzen auszugeben. Diese verteilen sie nicht direkt an die Verbraucher, sondern über die Geschäftsbanken. Dies geschieht auf zwei Wegen.
Benötigt eine Geschäftsbank Bargeld, beispielsweise damit ihre Kunden über ihr Geldautomatennetz an das Geld auf ihren Konten gelangen können, nimmt die Geschäftsbank einen Kredit bei der Zentralbank auf. Diesen Kredit zahlt die Zentralbank in Zentralbankgeld (Euro-Banknoten und Euro-Münzen) aus. Dafür zahlt die Geschäftsbank Zinsen an die Zentralbank. Zahlt die Geschäftsbank den Kredit in Banknoten zurück, werden diese dem Wirtschaftskreislauf wieder entzogen, das durch den Kredit geschaffene Zentralbankgeld wird also wieder vernichtet.

Sicherung der Finanzstabilität: Zentralbanken haben auch die Aufgabe, die Finanz- und Währungsstabilität zu gewährleisten. Dazu beobachten und analysieren sie mögliche Risiken im Finanzsystem. Die Bundesbank beispielsweise weist in ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht auf das Risiko hin, dass ein schneller Anstieg der Zinsen die Geschäftsbanken in Bedrängnis bringen könnte, da Verbraucher möglicherweise ihre Kredite bei steigenden Zinsen nicht zurückzahlen könnten. Außerdem arbeitet sie in nationalen und europäischen Institutionen mit, um Finanzrisiken durch Regulierung vorzubeugen. Aktuell diskutieren viele Notenbanken beispielsweise, ob Kryptowährungen wie der Bitcoin reguliert werden sollen oder nicht.

Das Halten von Währungsreserven: Als für die Geld- und Währungspolitik verantwortliche Institution obliegt es der Zentralbank eines Staates, die Währungsreserven zu hüten. Dabei handelt es sich um Mittel, mit denen die Zentralbank in den Devisenmarkt eingreifen und bei Bedarf so die eigene Währung auf- oder abwerten kann. Währungsreserven bestehen in der Regel aus Gold, US-Dollar und chinesischen Renminbi. Im Euroraum haben die nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten Währungsreserven im Wert von 40 Milliarden Euro an die EZB übertragen, über die diese frei verfügen darf. Trotzdem werden die Währungsreserven eines Mitgliedstaates bei der nationalen Notenbank verwahrt. Die Bundesbank hat bis Mitte letzten Jahres die Hälfte ihrer Goldreserven aus dem Ausland zurückgeholt. Zur Sicherheit waren die Goldreserven während des Kalten Krieges nach London und New York verschifft worden. Die Hälfte der deutschen Goldreserven, rund 1.700 Tonnen Gold, lagert jetzt in den Tresoren der Bundesbank in Frankfurt, die andere Hälfte wird weiterhin im Ausland verwahrt.
 

Unabhängig von politischen Weisungen

Die Mehrheit der Zentralbanken ist unabhängig von der Politik, um politische Einflussnahme zu verhindern. Wäre dies nicht so, könnten Politiker eventuell versucht sein, die Zinssätze zu ihren Gunsten zu verändern, oder ihre Politik durch das Anwerfen der Notenpresse zu finanzieren. Dadurch würde die Gefahr einer Inflation erheblich steigen. Die EZB ist ein von der Politik unabhängiges EU-Organ, ähnlich wie die Bundesbank eine von der Politik unabhängige Institution ist. Beide Zentralbanken verfügen über einen eigenen Haushalt. Mitglieder des EZB-Rats werden von den Finanzministern der Mitgliedstaaten vorgeschlagen und vom Europäischen Rat gewählt, wodurch die Unabhängigkeit von der Politik zumindest etwas eingeschränkt wird.

So können Zentralbanken Einfluss auf die Preisstabilität nehmen

Um die vorrangige Aufgabe der Preisstabilität zu erfüllen, haben Zentralbanken verschiedene Instrumente, mit denen sie die Geldmenge steuern und so das Preisniveau beeinflussen können, beispielsweise um die Inflation zu steuern und eine Deflation zu verhindern. Mit einer Änderung der Leitzinsen können Zentralbanken die Bedingungen verändern, zu denen sich Geschäftsbanken bei ihnen Geld leihen. Seit der Finanzkrise von 2008 hat die EZB die Leitzinsen kontinuierlich gesenkt, um so die Inflation und damit auch das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Aktuell liegt der Hauptrefinanzierungszins bei 0,0 Prozent. Banken können sich dadurch günstiger bei der EZB Geld leihen, wodurch sie wiederum günstiger Kredite vergeben können. Das wirkt als Anreiz auf die Verbraucher, mehr zu konsumieren, wodurch das Wirtschaftswachstum angetrieben wird und sich die Preise nach und nach erhöhen. Durch das billige Geld der Zentralbank erhöht sich die Geldmenge.

Seit dem Frühjahr 2015 nutzt die EZB noch einen weiteren Mechanismus um die Inflation in Gang zu bringen. Sie kauft massiv Staats- und Unternehmensanleihen von Geschäftsbanken auf, wodurch diese mit Zentralbankgeld versorgt werden. Da der Einlagezinssatz, den Geschäftsbanken für bei der EZB geparktes Geld bezahlen müssen, -0,4 Prozent beträgt, sehen sich die Banken dazu gezwungen, das Geld mittels Kreditvergabe unter die Leute zu bringen.
 

EZB mausert sich zum größten Gläubiger der Euro-Staaten

Bis Ende 2017 hat die EZB Staats- und Unternehmensanleihen in Höhe von 60 Milliarden Euro pro Monat gekauft. Zu Beginn des Jahres hat der Rat der EZB das monatliche Ankaufvolumen auf 30 Milliarden Euro gedrosselt. Offiziell ist geplant, das Anleihekaufprogramm im September auslaufen zu lassen. In Stein gemeißelt ist das aber nicht. Bislang hat die EZB Anleihen im Wert von fast zwei Billionen Euro erworben. Seit Beginn des Kaufprogramms ist die Bilanzsumme der EZB laut Handelsblatt auf 40 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der gesamten Eurozone angewachsen.

Alle bisherigen Teile der Serie Finanzwissen

✓ Folge 1: Was ist Geld?
✓ Folge 2: Wie ensteht Geld?
✓ Folge 3: Warum wird mein Geld weniger wert?

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