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Check24 Expertengespräch Steigen die Zinsen für Immobilienkredite 2022?

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Ist die Zeit der historisch niedrigen Zinsen für Baufinanzierungen bald vorbei und steht eine Zinswende am Immobilienmarkt bevor? Welche Rolle spielt dabei die Inflation, auf was müssen Immobilienkäufer und Häuslebauer jetzt achten? Führende Baufinanzierungsexperten der Deutschen Bank, der ING und von CHECK24, haben darüber mit uns diskutiert und geben Tipps, was jetzt zu tun ist.

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Die Zinsentwicklung ist ein Aspekt, der den Immobilienmarkt 2022 bewegt. Foto: Getty Images / Chalongrat Chuvaree

Dank der Niedrigzins-Phase in den vergangenen Jahren haben sich viele Menschen ihren Traum von der eigenen Immobilie erfüllt – trotz steigender Preise gerade in den Ballungsräumen. Laut den Wirtschaftsprüfern von PwC lag das Neugeschäft der deutschen Banken für Baufinanzierungen mit einem Volumen von 235 Milliarden Euro von Januar bis Oktober vergangenen Jahres auf Rekordkurs. Noch im November 2021 profitierten Verbraucher von einem effektiven Zinssatz für Baudarlehen, die deutsche Banken mit fünf bis zehn Jahren Zinsbindung an Privathaushalte vergeben haben, von 1,15 Prozent, so die Deutsche Bundesbank. Kommt jetzt die Kehrtwende? Angeheizt von hohen Energiepreisen lag die Inflation im vergangenen Jahr in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei 3,1 Prozent – der höchste Stand seit 1993. Die Folge: Die Europäische Zentralbank steht unter Druck, ihre lockere Geldpolitik mit historisch niedrigen Leitzinsen aufzugeben und auf die geldpolitische Bremse zu treten.

Im CHECK24 Gespräch geben die Baufinanzierungsexperten Robert Annabrunner, Leiter des Drittvertriebs bei der Privatkundenbank der Deutschen Bank, Thomas Hein, Leiter Vertrieb Immobilienfinanzierung bei der ING und Ingo Foitzik, Geschäftsführer Baufinanzierung bei CHECK24, Antworten auf aktuelle Fragen:

Herr Annabrunner, Herr Hein, Herr Foitzik, herzlich willkommen zu unserer Expertenrunde zum Thema Baufinanzierung. Von welchen Trends gehen Sie am Immobilienmarkt 2022 aus?

Robert Annabrunner: Grundsätzlich wird sich an der hohen Nachfrage nach Immobilien zur Eigennutzung und als Kapitalanlage auch im neuen Jahr nichts ändern. Das gilt leider auch für die Preisentwicklung: Bauland ist – und bleibt – vielerorts knapp und das Angebot deckt die Nachfrage nicht. Dieser Aufwärtstrend wird durch die Verteuerung von Rohstoffen und schärfere Anforderungen an die Energieeffizienz weiter verstärkt.

Thomas Hein: Die neue Bundesregierung wird zudem einige Maßnahmen auf den Weg bringen, die den Immobilienmarkt beeinflussen – das zeigt allein schon die Tatsache, dass es wieder ein eigenes Ministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen gibt. Aber auch die Regulatorik fordert speziell von uns Banken – Stichwort „Mehr Eigenkapital für Wohnimmobilienkredite“ – genaue Analysen und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen.

Ingo Foitzik: Ein weiterer Punkt ist, dass auch nach Corona Arbeitgeber Homeoffice ermöglichen. Dadurch sind viele Menschen nicht mehr an ihren Arbeitsort gebunden und schauen sich auch in eher ländlichen Regionen um und kurbeln dort die Nachfrage an. Zusätzlich ist noch die Inflationsentwicklung und deren Auswirkungen auf den Geldmarkt zu nennen.

Robert Annabrunner: Die niedrigen Bauzinsen werden aber auch weiter vielen Haushalten den Erwerb eines Eigenheims ermöglichen. Zudem haben viele Bauwillige und Anleger erkannt, dass sich Immobilien hervorragend als langfristige Kapitalanlage mit hohem Inflationsschutz eignen. Darum werden die Preise für Häuser und Wohnungen auch 2022 weiter steigen.

Die Inflation ist ein gutes Stichwort. Welche Faktoren sollten Verbraucher im Blick behalten und wohin werden sich letztendlich die Bauzinsen 2022 entwickeln?

Thomas Hein: Neben den regulatorischen Anforderungen sind das zum Beispiel die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und natürlich die Entwicklung der Nachfrage. Wir gehen davon aus, dass die Zinsen für
Hypothekendarlehen sowohl kurzfristig wie auch mittelfristig moderat steigen.
Die EZB hat den langsamen Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik angekündigt und wird damit die Kapitalmarktzinsen im Laufe des Jahres leicht nach oben drücken. Ob und welchen Einfluss die aktuelle Inflation auf die Nachfrage hat, bleibt abzuwarten. Alles in allem werden die Veränderungen in gemäßigtem Umfang stattfinden, sodass wir insgesamt das Niedrigzinsniveau 2022 nicht verlassen.

Robert Annabrunner: Angesichts anhaltend hoher Inflationsraten wächst der Druck auf die Notenbanken, die geldpolitischen Zügel anzuziehen. Dies dürfte zwar nicht gänzlich ohne Folgen für die Kapitalmarktrenditen bleiben, mit einer Zinswende rechne ich aber nicht. Baugeld könnte sich im Verlauf des neuen Jahres zwar verteuern, im langfristigen historischen Vergleich wird es aber immer noch relativ günstig bleiben.

Ingo Foitzik: Aktuell sehen wir bei CHECK24 einen Anstieg der Zinsen auf eher niedrigem Niveau. Vergangenen November haben unsere Kunden im Schnitt für 1,07 Prozent Zinsen eine Finanzierung mit zehn Jahren Zinsbindung angeboten bekommen – zehn Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Wir erwarten aber, dass diese im Laufe des Jahres weiter steigen werden. Ich persönlich gehe von 20 bis 30 Basispunkten aus. Das sind zwar deutlich höhere Zinsen als noch vor ein bis zwei Jahren, aber historisch gesehen immer noch sehr niedrige Zinssätze. Eine genaue Prognose hängt natürlich auch von der konkreten Geldmarktpolitik der Europäischen Zentralbank ab und an welchem Zeitpunkt diese eingreift. Klar ist: Dreht diese an der Zinsschraube, werden in der Folge auch die Bauzinsen steigen.

Wie sollen Kreditnehmer mit einer laufenden Finanzierung darauf reagieren?

Thomas Hein: Das hängt einmal mehr von den individuellen Gegebenheiten der Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer ab. Wann werden Gelder frei? Gibt es Rückzahlungsmöglichkeiten über die normale Tilgung hinaus und wann wird das möglich sein? Grundsätzlich gilt es, sich entsprechend der eigenen Zinserwartung frühzeitig über eine Verlängerung des Kredites Gedanken zu machen und die Entwicklung am Zinsmarkt weiter zu beobachten. Bei der Verlängerung eines Darlehens sollte man heute sicher auch darüber nachdenken, sich die aktuellen Niedrigzinsen langfristig zu sichern. Wie lange, ist wiederum abhängig von der individuellen Situation.

Robert Annabrunner: Da durchaus mit einer moderaten Erhöhung der Zinsen zu rechnen ist, raten wir unseren Kundinnen und Kunden, die eine laufende Baufinanzierung mit variablem Zins haben, jetzt auf ein Festzinsdarlehen umzusteigen. Kunden sollten auch prüfen, ob sie Sondertilgungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen können. So reduziert sich die restliche Darlehenssumme nach Auslauf der Zinsfestschreibung. Je nach verbleibender Zinsbindung kann es sich lohnen, parallel einen Bausparvertrag anzusparen, um am Ende der Zinsfestschreibung den Restbetrag ganz oder teilweise umzuschulden. Auch damit ist man bei einer Zinserhöhung auf der sicheren Seite. Wer in absehbarer Zeit eine Anschlussfinanzierung benötigt, sollte über den Abschluss eines Forward-Darlehens als Alternative zum traditionellen Anschlusskredit nachdenken. So lassen sich die aktuellen günstigen Konditionen bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung festschreiben.
 
Vielen Dank für das Gespräch!

Hier geben die Experten Tipps, vor allem für junge Familien & Paare. 
 

Unsere Experten im Kurzporträt

Robert Annabrunner, Leiter Drittvertrieb bei der Privatkundenbank der Deutschen Bank


Robert Annabrunner ist seit 2021 Leiter des Drittvertriebs bei der Privatkundenbank der Deutschen Bank. In dieser Funktion verantwortet er das Kooperationsgeschäft für die Marken Deutsche Bank, Postbank, DSL Bank und BHW Bausparkasse. Der erfahrene Betriebswirt und Bankkaufmann ist seit Jahrzehnten in der Branche tätig und Experte für Kredite und Baufinanzierungen.

 

Thomas Hein, Leiter Vertrieb Immobilienfinanzierung bei der ING


Thomas Hein ist seit 2019 Leiter des Vertriebs Immobilienfinanzierung bei der ING und ist für das Vermittler- und Direktgeschäft von Deutschlands größter Direktbank verantwortlich. Der Bankkaufmann und diplomierte Betriebswirt verfügt über jahrelange Erfahrung und ist ausgewiesener Fachmann für alle Fragen rund um Baufinanzierungen.  

 

Ingo Foitzik, Geschäftsführer Baufinanzierung bei CHECK24


Ingo Foitzik ist seit 2014 Geschäftsführer Baufinanzierung bei CHECK24 und seit 22 Jahren bei Deutschlands größtem Vergleichsportal tätig. Dabei ist er verantwortlich für die Angebote im CHECK24 Baufinanzierungsvergleich und Spezialist für Baufinanzierungen sowie für die digitale Vermittlung von Finanzprodukten.

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