Sie sind hier:

Barmer Pflegereport: Betreutes Wohnen und Pflege-WGs liegen im Trend

München, 28.11.2019 | 12:51 | mst

Betreutes Wohnen oder Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige werden immer häufiger angeboten. Die Barmer fordert einen Pflege-TÜV für diese Wohnformen.
 

Seniorinnen mit Mädchen und Pflegerin im PflegeheimSeniorinnen im Pflegeheim: Alternative Wohnformen wie betreutes Wohnen oder Wohngemeinschaften sind auf dem Vormarsch.
Pflegebedürftige Menschen werden in Deutschland immer häufiger im betreuten Wohnen oder in Wohngemeinschaften betreut. Das zeigt der Barmer Pflegereport 2019, den die Krankenkasse am Donnerstag vorgestellt hat.
 
Die Barmer bemängelt, dass diese Wohnformen im Jahr 2018 fast 400 Millionen Euro teurer waren als eine Unterbringung im Pflegeheim, ohne dass es gesicherte Nachweise für die Pflegequalität geben würde.
 
Derzeit werden 181.000 Pflegebedürftige in diesen Formen betreut, 150.000 davon im betreuten Wohnen. Laut der Barmer gibt es hierzulande 8.000 betreute Wohnanlagen sowie 4.000 Pflege-Wohngemeinschaften. Jede dritte dieser Anlagen ist in den letzten zehn Jahren entstanden. Allein im letzten Jahr waren weitere 340 Einrichtungen für betreutes Wohnen mit 10.000 Pflegeplätzen im Bau oder in der Planung.

Barmer: Pflegequalität ist nicht gesichert

Die Barmer sieht Anzeichen dafür, dass die Pflegequalität bei den neuen Formen teils schlechter ist als bei herkömmlichen Heimen. So sehen knapp 87 Prozent der Heimbewohner mindestens einmal im Monat ihren Hausarzt. Im betreuten Wohnen und in Wohngemeinschaften trifft dies nur auf 80 Prozent zu. Zudem seien neue Fälle von Wundliegen – einem Dekubitus – im betreuten Wohnen zu 66 Prozent wahrscheinlicher als im Heim.
 
„Wir fordern eine Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen zwischen den Bundesländern und einen Pflege-TÜV für die neuen Wohn- und Pflegeformen“, sagte Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.

Gesetzliche Pflegeversicherung mit Minus von 3,5 Milliarden Euro

Der Barmer-Report beinhaltet darüber hinaus aktuelle Zahlen zur gesetzlichen Pflegeversicherung. Ihre Leistungsausgaben sind im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2017 um 2,71 Milliarden Euro auf 38,25 Milliarden Euro gestiegen. Zusammen mit weiteren Kosten, etwa für die Verwaltung oder Zahlungen an den Pflegevorsorgefonds, lagen die gesamten Ausgaben bei 41,27 Milliarden Euro.
 
Die Einnahmen betrugen dagegen lediglich 37,72 Milliarden Euro. Die Pflegeversicherung fuhr damit ein Defizit in Höhe von 3,55 Milliarden Euro ein.
 
Insgesamt erhielten im Jahr 2017 rund 3,41 Millionen Menschen Leistungen von der gesetzlichen Pflegeversicherung.
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflegeversicherung