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CHECK24-Rückblick aufs Finanzjahr 2016 (5/6) Wie die Kreditkarte 2016 einfacher, beliebter und teurer wurde

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Viele Kreditkarten warten seit diesem Jahr mit neuen Funktionen und Leistungen auf. Das Bezahlen mit der Karte ist damit einfacher und komfortabler geworden. Zugleich haben viele Banken beim Plastikgeld an der Kostenschraube gedreht. Die erfreulichsten und die weniger erfreulichen Trends bei Kreditkarten in diesem Jahr.
Jahresrückblick Finanzen - Bild: Sabrina Fraas

Viele Kreditkarten warten 2016 mit praktischen neuen Funktionen auf. Bei den Preisen hört der Komfort aber auf.

Sowohl an der Ladentheke als auch im Internet bezahlen die Deutschen immer häufiger mit der Kreditkarte. Laut dem Handelsinstitut EHI deutet sich sogar ein Favoritenwechsel beim bargeldlosen Bezahlen an: Weg von der EC-, hin zur Kreditkarte. Zwar werden demzufolge immer noch deutlich größere Umsätze mit EC-Karten und ganz besonders mit Bargeld erwirtschaftet. Allerdings spricht viel dafür, dass sich der Trend zur Kreditkarte auch künftig fortsetzt.

Der „Durchbruch bei der Akzeptanz“ ist geschafft

Eine wichtige Grundlage dafür hat die EU mit ihrer Richtlinie zur Begrenzung der sogenannten Interbankenentgelte geschaffen. Diese Entgelte müssen Händler an ihre Bank und diese wiederum an die Bank des Kunden bezahlen – und zwar jedes Mal, wenn ein Kunde an der Kasse seine Karte zückt. So entstehen den Händlern oft erhebliche Kosten: Bis Dezember 2015 verlangten Banken von ihnen oft mehr als ein Prozent des mit Kreditkarte bezahlten Umsatzes. Dank der EU-Richtlinie kostet der Karteneinsatz den Händlern nun höchstens noch 0,3 Prozent.

Diese Ersparnis macht das Plastikgeld als Zahlungsmittel für Händler noch attraktiver. Wie der Kreditkarten-Anbieter Visa mitteilte, hat es hier einen „Durchbruch bei der Akzeptanz gegeben“. EHI zufolge ist die Zahl der Akzeptanzstellen für Karten von Mastercard, Visa, American Express und Diners Club zuletzt jeweils deutlich gestiegen. Bei etwa 240.000 deutschen Einzelhändlern konnten sowohl Visa- als auch Mastercard-Kunden demnach zu Jahresbeginn mit ihrer Karte zahlen.   

Bequemer bezahlen, auch ohne Apple Pay

Viele Apple-Fans hatten sich dieses Jahr die Bekanntgabe eines Startdatums für den hauseigenen Bezahldienst Apple Pay in Deutschland erhofft. Bei der App, die eine der praktischsten Funktionen des iPhones darstellt, können die Nutzer an der Kasse direkt via Smartphone bezahlen. Abgewickelt wird die Zahlung über die Kreditkarte des Nutzers, die er dafür in der App hinterlegt hat. Doch obwohl Apple entgegen der Erwartungen auch 2016 hierzulande noch keinen Starttermin für seinen Dienst verkündet hat, ist das Bezahlen mit Kreditkarte zuletzt deutlich komfortabler geworden.

So können Besitzer einer mit NFC-Chip ausgestatteten Kreditkarte heute bereits vielerorts kontaktlos bezahlen. Seit diesem Jahr ist das unter anderem auch in den deutschlandweit rund 3.000 Rewe-Filialen möglich. Für kleinere Beträge bis 25 Euro entfällt dabei die Eingabe von PIN oder Unterschrift: einfach die Karte über das Lesegerät halten, fertig. Auch via Smartphone sind kontaktlose Kreditkarten-Zahlungen bereits seit einiger Zeit möglich. Hierzulande sind dabei allerdings nicht die großen IT-Unternehmen wie Apple oder Google vorangegangen, dafür aber Telekommunikationsanbieter wie Vodafone oder O2.

Solche Angebote genießen bislang jedoch nur wenig Vertrauen bei den Verbrauchern. Besonders die Deutschen haben nach wie vor große Sicherheitsbedenken beim mobilen Bezahlen. Auch habe sich der Markt in Deutschland deutlich langsamer entwickelt als erwartet – das teilte jedenfalls die Telekom ihren Kunden im November mit. Sie will aus diesem Grund ihren Bezahlservice Mywallet bereits zum Jahresende bereits wieder einzustellen. Schon im Oktober hatte Telefonica ihren Dienst mpass zurückgezogen. Dafür haben Payback und Coca Cola ihre Rabatt-Apps jeweils um eine mobile Bezahlfunktion erweitert. Welches dieser Systeme sich in den kommenden Jahren wirklich durchsetzen wird, bleibt also abzuwarten.

Blinzeln statt tippen – so wird die PIN überflüssig

Es stellt sich also weniger die Frage, ob wir künftig häufiger mit Kreditkarte bezahlen, als vielmehr, wie wir die Karten in Zukunft nutzen. Ein gutes Bezahlverfahren sollte stets Sicherheit und Komfort verbinden. Besonders vielversprechend sind hierbei Verfahren, die biometrische Merkmale nutzen, um Zahlungen freizugeben – vom Check des Fingerabdrucks über die Vermessung des Herzschlags bis zum Iris-Scan. Laut einer Studie des Instituts für Handelsforschung sind die Verbraucher in Deutschland mittlerweile durchaus bereit, mit ihren Körpermerkmalen zu bezahlen. Die Mehrheit von ihnen würde es schätzen, wenn sie sich auf diese Weise keine Passwörter mehr merken müsste. Die meisten halten biometrische Verfahren zudem für sicherer und glauben, dass die Merkmale nicht so einfach gestohlen werden können wie die PIN.

Mit den biometrischen Verfahren ergeben sich auch neue Möglichkeiten, um mit am Körper tragbaren Mobilgeräten, den sogenannten Wearables, zu zahlen. Eine besonders einfache Methode der Kartenzahlung mit Wearable, die auch ohne biometrische Merkmale auskommt, hat Visa bei den Olympischen Spielen in Rio erprobt. Ausgewählte Sportler erhielten dabei einen sogenannten Payment-Ring, mit dem sie kontaktlos und ohne PIN bezahlen konnten.

Übersichtliche Vergleiche werden wichtiger

Neben den neuen Bezahlfunktionen gewähren Kreditkarten ihren Nutzern heute oft zahlreiche Zusatzleistungen wie Rabattprogramme oder Versicherungen. Gerade bei den Reiseversicherungen ist das Angebot umfassend und vielseitig. Wie eine Forsa-Umfrage in diesem Jahr zeigte, legen viele Kunden allerdings überhaupt keinen Wert auf die umfangreichen Versicherungspakete und Einkaufsvorteile. Was den Kartennutzern hingegen in vielen Fällen fehlt, ist demnach eine nachvollziehbare Übersicht über die Kosten und Leistungen der einzelnen Karten.

Einen solchen Überblick zu gewinnen, dürfte vielen Kartennutzern seit diesem Jahr sogar noch schwerer fallen. Viele Banken haben nämlich in den vergangenen Monaten einzelne Gebühren erhöht oder gar neue eingeführt. Wie zum Beispiel im Falle von Zinserhöhungen, Auslandseinsatz- oder Fremdwährungsgebühren fallen diese Kosten nicht immer an der offensichtlichsten Stelle an. Es lohnt sich daher heute umso mehr, die Leistungen der einzelnen Karten durch einen Kreditkartenvergleich gegenüberzustellen und auch versteckte Kosten im Blick zu behalten.
 

CHECK24-Rückblick aufs Finanzjahr 2016: Weitere Artikel der Serie

In unserer Serie fassen wir das Jahr 2016 aus finanzieller Perspektive zusammen. Zum Überblicksartikel unserer Serie gelangen Sie hier. In den bisher erschienenen Artikeln lesen Sie, was das vergangene Jahr für Tagesgeld-Sparer, Kreditnehmer und Baufinanzierer brachte. Welche wichtigen Entwicklungen sich 2016 bei Girokonten ergeben haben, erfahren Sie in diesem Artikel unserer Rückblicksserie.


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