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Biometrische Bezahlverfahren Kreditkartenzahlung per Selfie freigeben

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Ab heute können Verbraucher in Deutschland eine Kreditkartenzahlung mit einem Blinzeln in die Kamera ihres Smartphones bestätigen. In Zukunft sollen weitere innovative Methoden das Zahlen bequemer machen. Aber sind biometrische Verfahren auch sicherer?
Fingerabdruck bei Girokonto-Überweisung

In Zukunft werden Kreditkartenzahlungen mit biometrischen Merkmalen freigeben. Passwörter werden damit überflüssig.

Per Fingerabdruck, mit dem eigenen Herzschlag oder mit einem Ring – wenn es darum geht, wie wir künftig unsere Einkäufe bezahlen, klingt vieles noch nach Science Fiction. Dabei schreitet die Entwicklung von innovativen Bezahlverfahren bei Kreditkartenfirmen und Start-ups schnell voran. Mastercard bietet Verbrauchern ab heute mit Selfie Pay die Möglichkeit, Online-Einkäufe mit einem Selfie zu bezahlen. Dazu muss ein Verbraucher zunächst die Identity-Check-App herunterladen. Anschließend kann er sich beim Kauf eines Produkts im Online-Shop für die Option entscheiden, mit einer Mastercard Kreditkarte zu bezahlen. Daraufhin erhält er eine Push-Nachricht auf sein Smartphone. Darin wird der Käufer über eine ausstehende Transaktion informiert und gebeten, seine Identität zu bestätigen. Als nächstes muss er den Einkauf bestätigen. Dazu öffnet sich in der App ein Selfie-Fenster. Der Käufer wird gebeten, in die Kamera zu blinzeln – fertig. Mit einem Lidschlag hat er die Zahlung per Selfie bestätigt.

Um eine Zahlung abzuweisen – etwa, weil er im Onlineshop versehentlich auf „zur Kasse“ geklickt hat, muss der Verbraucher nur für einen kurzen Moment auf den Button in der App drücken, der ihn über die Zahlung informiert hat. Ajay Bhalla, President von MasterCards Enterprise Security Solutions verspricht, dass die App vor die Kamera gehaltene Videos und Fotos nicht erkennt und nicht als Freigabe-Selfie akzeptiert. Daher sei diese Methode besonders sicher. Neben der Bestätigung per Selfie bietet die App als zusätzliche Option auch die Bestätigung per Fingerabdruck an.

Großteil der Verbraucher zeigt sich offen

Mit Selfie Pay möchte Mastercard Zahlungsvorgänge bequemer und schneller machen. Passwörter werden überflüssig. Viele Verbraucher in Deutschland zeigen sich aufgeschlossen gegenüber neuen Zahlungsmethoden. Millionen Nutzer entsperren ihr Smartphone schon heute per Fingerabdruck. In einer Studie des Instituts für Handelsforschung gaben 75 Prozent der Befragten an, dass sie sich auch vorstellen können, ihren Fingerabdruck zum Authentifizieren einer Zahlung zu nutzen. Ebenso hätten 60 Prozent der Umfrage-Teilnehmer kein Problem damit, ihre Iris fürs Bezahlen scannen zu lassen.

Die Gründe für die hohe Akzeptanz von biometrischen Zahlverfahren liegen auf der Hand:  71 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich so keine Passwörter mehr merken müssen. Ebenso glauben 70 Prozent der Verbraucher, dass biometrische Daten nicht so leicht zu stehlen sind. Eine Studie, die der Kreditkartenanbieter Visa in Auftrag gegeben hat, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Hier gaben 75 Prozent der Befragten an, dass sie die Authentifizierung per Fingerabdruck als sicherste Form der Bezahlung ansehen.

Einen Fingerabdruck an der Kasse zurücklassen

In den USA ist dank Apple Pay das Bestätigen einer Zahlung per Fingerabdruck schon üblich. Im Sommer letzten Jahres wurde das Zahlungssystem auch in Großbritannien eingeführt. Seit diesem Juli ist Apple Pay auch in Frankreich und der Schweiz nutzbar. Dabei hält ein Kunde sein Smartphone einfach vor einen Bezahl-Terminal und legt seinen Finger auf den Touch-ID-Fingerabdrucksensor auf seinem Smartphone. Das iPhone und das Terminal kommunizieren dabei per Near Field Communication miteinander, einer Technologie zur Datenübertragung zwischen zwei Geräten in einer Entfernung von wenigen Zentimetern, die mittels einem im Smartphone verbauten Chip funktioniert. Mit seinem Fingerabdruck bestätigt der Nutzer, dass er die Zahlung wirklich in Auftrag gegeben hat. Wann Apple Pay in Deutschland eingeführt wird,  ist allerdings noch offen.

Der deutsche Lebensmittel-Discounter Netto bietet bereits seit 2014 Kunden das Zahlen per Touch-ID an. Nach einer einmaligen Registrierung können Smartphone-Besitzer ihren Einkauf per App bezahlen. Sie hinterlegen dafür eine Bankverbindung. Bei einer Zahlung erzeugt die App eine Zahlenfolge, die der Käufer nennen muss. Damit bestätigt er die Zahlung und Netto kann den Betrag vom Konto abbuchen. Um die bei jedem Einkauf erzeugte, nur für wenige Minuten gültige Zahlenabfolge zu erzeugen, musste der Kunde zuvor immer eine PIN eingeben. Diesen Schritt erspart er sich durch das Identifizieren per Fingerabdruck. 

So wird der Einkauf zur Herzensangelegenheit

In Kooperation mit Mastercard hat das kanadische Biometrie-Unternehmen NYMI ein Wearable entwickelt, mit dem Konsumenten Kreditkarten-Transaktionen mit dem Herzschlag authentifizieren können. Das Armband erkennt den Herzrhythmus des Trägers, der ähnlich individuell ist wie ein Fingerabdruck und sich als biometrisches Erkennungsmerkmal eignet. Wird das Armband abgelegt oder von einer anderen Person getragen, deaktiviert es sich. Zum Bezahlen im Laden muss der Kunde nur noch sein Armband an das Terminal halten und mittels NFC-Technologie wird die Zahlung bestätigt. Nach Angaben von NYMI soll sich das Armband künftig für eine ganze Reihe von Authentifizierungen eignen, von der Windows-Anmeldung bis hin zum Öffnen der Haustür. Erhältlich ist das Armband noch nicht.

Ein Ring, alles zu bezahlen

Einen ähnlich einfachen Bezahlvorgang möchte auch der Kreditkartenanbieter Visa für seine Kunden erreichen. Anstatt eines Armbands könnten Konsumenten künftig mit einem Ring kontaktlos bezahlen. Der Ring arbeitet mit Visas Token-Technologie. Diese Technik wandelt sensible Daten wie beispielsweise Kontonummern in einen einzigartigen digitalen Identifikator um. Beim Zahlungsvorgang werden somit keine Kontoinformationen übermittelt. Im Notfall ließe sich ein gestohlener oder verloren gegangener Ring über eine entsprechende App deaktivieren. Während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro hat Visa bereits 45 Athleten mit einem Ring dieser Art ausgestattet und stellte rund um die Wettkampfstätten eigens 4000 NFC-fähige Terminals dafür auf.

Wie sicher sind biometrische Verfahren?

Der Vorteil von biometrischen Bezahlmethoden oder von kontaktlosem Bezahlen liegt darin, dass die Verbraucher beim Bezahlvorgang keine PINs mehr eingeben müssen und der Einkauf schnell und bequem abgewickelt werden kann. Doch sind biometrische Daten auch zwangsläufig sicherer als PINs? Bei biometrischen Merkmalen handelt es sich um sogenannte unveränderliche Merkmale. Sind diese einmal entwendet worden, lassen sie sich im Gegensatz zu Passwörtern auch nicht mehr im Nachhinein ändern.

Das auf Sicherheitssoftware spezialisierte Unternehmen Kaspersky Lab gibt zudem zu bedenken, dass auch digitale Fingerabdrücke gestohlen werden können. Die eigenen biometrischen Daten lassen sich dann nie mehr zum Authentifizieren von Zahlungen nutzen. Zusätzlich besteht auch die Gefahr, dass der Bestohlene auf dem Schaden sitzen bleibt. Denn im Schadensfall gilt der Anscheinsbeweis. Die Bank könnte sich dann darauf berufen, dass biometrische Merkmale nicht fälschbar sind und der Kunde demnach die Zahlung selbst durchgeführt haben muss, so Christoph Schäfer, Datenschutzexperte bei der Secorvo Security Consulting.

Ob sich biometrische Bezahlverfahren in Zukunft gegenüber mobilen Zahlungsmethoden durchsetzen, ist noch nicht abzusehen. Es scheint vielmehr so, als würden den Kunden künftig verschiedene Methoden zur Verfügung stehen, die den Zahlvorgang beschleunigen. In Zukunft wird es ausreichen, das Smartphone anstelle des Portemonnaies mitzuführen. Bezahlen wird bequemer. Aber ob es auch zwangsläufig sicherer wird als herkömmliche Methoden, bleibt abzuwarten. 
 

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