Sie sind hier:

PwC-Studie: Vertrauen in das Gesundheitssystem sinkt

München, 25.2.2019 | 13:07 | msc

Die Zufriedenheit der Deutschen mit ihrem Gesundheitssystem nimmt spürbar ab. Dies zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft PwC. Gründe dafür sind Zeitmangel und Versäumnisse im Bereich E-Health. Die Zufriedenheit mit den Krankenkassen hingegen ist leicht gestiegen.

Mann gestikuliert vor Arzt.Viele Deutsche kritisieren den zunehmenden Zeitmangel im Gesundheitssystem.
Nur noch 55 Prozent der Deutschen zählen ihr Gesundheitswesen im Jahr 2018 zu den drei besten Systemen der Welt – neun Prozentpunkte weniger als noch 2016. Bei der Altersgruppe der über 55-Jährigen sank der Zustimmungswert gar auf 53 Prozent. Zu diesem Ergebnis gelangt die Studie „Healthcare-Barometers 2019“ der Beratungsgesellschaft PwC, für die rund 1.000 Bundesbürger befragt wurden.
 
Grund für das sinkende Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem sind vor allem Versäumnisse im Bereich E-Health, wie der Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC, Michael Burkhart, erklärte: „In anderen Ländern ist die elektronische Patientenakte, die zeitlich flexible Wertemessung per App oder die ortsunabhängige Behandlung per Video-Chat längst Wirklichkeit, in Deutschland kommen digitale Technologien erst langsam beim Patienten an.“
 

Kritik an Ärzten, Lob für die Krankenkassen

Diese Versäumnisse zeigen sich auch in der Kritik an Medizinern. Rund ein Viertel der Befragten bemängeln die unflexiblen Öffnungszeiten der Praxen, 22 Prozent fühlen sich vom Arzt und seinen Angestellten nicht ernst genommen. Vier von zehn Deutsche kritisieren, dass sich ihr Arzt zu wenig Zeit für die Behandlung nimmt. Probleme, die dem zunehmenden Zeitmangel im Gesundheitssystem geschuldet sind und durch E-Health-Anwendungen verhindert werden könnten.
 
Der Zustimmungswert der gesetzlich versicherten Deutschen mit ihren Krankenkassen ist im Vergleich zum Vorjahr hingegen leicht gestiegen. 86 Prozent der Befragten waren mit den Leistungen ihrer Krankenkasse einverstanden – acht von zehn sind überzeugt, eine gute medizinische Versorgung zu bekommen.
 

Hohe Erwartungen an Pharmaindustrie und E-Health

Die Erwartungen an die Pharmaindustrie und die Möglichkeiten von E-Health-Anwendungen sind hoch. So verlangen 65 Prozent der Deutschen, Pharmaunternehmen sollten Medikamente entwickeln, die neue Heilungschancen bieten. Die Entwicklung günstiger Generika fordern hingegen nur 29 Prozent der Befragten. „Technologien wie Big Data und Künstliche Intelligenz können die Pharmaforschung in den kommenden Jahren enorm vorantreiben“, bilanzierte Burkhart. Insofern sei die Hoffnung der Bürger gerechtfertigt.
 
Zwei Drittel der Befragten bestellen ihre Medikamente mittlerweile im Internet. Als entscheidendes Kriterium für die Auswahl einer Online-Apotheke gaben drei Viertel den Preis an. Allerdings hat jeder Zweite bei Bestellungen aus dem EU-Ausland Angst vor gefälschten Medikamenten.

Weitere Nachrichten zum Thema Gesetzliche Krankenversicherung