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Barmer Krankenhausreport 2020: Erfahrene Chirurgen reduzieren das Risiko

München, 24.9.2020 | 13:11 | mst

Je mehr Erfahrung ein Krankenhaus mit einer Operation hat, desto geringer ist das Risiko für Todesfälle und Komplikationen. Das zeigt der aktuelle Krankenhausreport der Barmer.
 

Chirurgin in einem OP-Saal im KrankenhausChirurgin im OP-Saal: Erfahrene Spezialisten können das Risiko bei Operationen deutlich senken.
Viele Todesfälle und Komplikationen bei Operationen könnten verhindert werden, wenn Eingriffe nur in Kliniken mit entsprechender Erfahrung vorgenommen würden. Diesen Schluss legt der Barmer Krankenhausreport 2020 nahe.
 
In Deutschland sterben demnach jedes Jahr rund 100.000 Menschen nach einer Operation im Krankenhaus. Allein bei Eingriffen in Fällen von Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs könnten laut der Barmer in zehn Jahren knapp 3.800 Todesfälle verhindert werden. Dafür müssten diese Operationen nur in Kliniken mit doppelt so hoher Fallzahl durchgeführt werden.
 
Die Barmer kritisiert, dass immer noch zu viele chirurgische Eingriffe in Häusern erfolgen würden, die darin vergleichsweise wenig Erfahrung hätten. Dabei ist laut der Krankenkasse eine geeignete Klinik meist nicht allzu weit entfernt. Die große Mehrheit der Bevölkerung erreiche eine solche Klinik innerhalb von 60 Minuten.

Barmer: Längerer Anfahrtsweg lohnt sich bei schwierigen Eingriffen

„Um bessere Qualität bei planbaren Operationen zu erzielen, lohnt sich ein etwas längerer Anfahrtsweg. Vor allem bei komplizierten Eingriffen sollten hohe Fallzahlen und Spezialistenteams bei der Auswahl gewichtiger sein als die unmittelbare Wohnortnähe“, empfiehlt der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Christoph Straub.
 
Erfahrene Chirurgen zahlen sich laut dem Report vor allem bei Krebs- und Adipositas-Eingriffen aus. So verringere bei örtlichen Darmtumor-Entfernungen eine verdoppelte Fallzahl die Sterblichkeit von 4,4 auf 3,6 Prozent. Das Risiko von Komplikationen sinke zudem um zwei Prozentpunkte, sagte Studienautor Boris Augurzky vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

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