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Strommix in Deutschland

Strom kommt bekanntlich aus der Steckdose und da ist es ganz egal, ob es sich um Ökostrom oder Strom aus fossilen Brennstoffen handelt. Denn es gibt ein Stromnetz für die gesamte Menge an erzeugtem Strom. Daher kann ein einzelner Haushalt nicht bestimmen, welcher Strom physikalisch tatsächlich für den Betrieb der Geräte sorgt. Dennoch macht es Sinn, auf Ökostrom zu setzen. Erfahren Sie nachfolgend mehr über den Strommix in Deutschland und aus welchen Stromarten er sich zusammensetzt.

Der Energiemix

Der Strommix wird häufig auch als Energiemix bezeichnet. Stromanbieter sind gesetzlich dazu verpflichtet, den Energiemix ihrer Stromlieferungen Verbrauchern gegenüber zu kennzeichnen, damit der einzelne Stromkunde erkennen kann, aus welchen Quellen die Energie seines Anbieters stammt. Der Strommix zeigt also die Mischung der verschiedenen Quellen zur Energieerzeugung. 

Strommix in Deutschland 2018

Der Stromsee

Der "Stromsee" ist ein Modell, das häufig verwendet wird, um das Prinzip der Strombelieferung zu erklären. Das Stromnetz wird dabei als See oder Wasserbecken dargestellt, in das alle Erzeugungsanlagen die von ihnen produzierte Energie einfüllen. In dem virtuellen See sammelt sich demnach Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen, wie Solar- oder Windkraft, der Strom aus fossilen Brennstoffen, wie Stein- oder Braunkohle oder aber aus Kernkraftanlagen. Auf der gegenüberliegenden Seite entnehmen die Stromanbieter den Strom für ihre Kunden.

Da sich die Strommengen aus den verschiedenen Erzeugungsanlagen mischen, erhält jeder Verbraucher denselben Strommix. In der Praxis, in der es natürlich nicht um Wasser, sondern um Strom geht, kann ohnehin nicht festgestellt werden, in welchem Kraftwerk die Elektrizität erzeugt wurde. Jeder Stromanbieter muss aber dafür sorgen, dass er die Strommenge, die seine Kunden aus dem Stromsee entnommen haben, wieder nachfüllt - indem er selbst Erzeugungsanlagen betreibt oder indem er Strom kauft.

Die Stromkennzeichnung

Durch die gesetzliche Pflicht zur Stromkennzeichnung müssen die Stromanbieter jedes Jahr aufs Neue die Angaben zum Erzeugungsmix ihres Stroms veröffentlichen. Dabei müssen sie nicht nur für jede Erzeugungsart den prozentualen Anteil angeben, auch Angaben zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2-Emissionen) und zum Anteil des radioaktiven Abfalls, der durch die Nutzung von Atomstrom anfällt, müssen offengelegt werden.

Die Stromkennzeichnung beinhaltet folgende Bestandteile:

Kernkraft
​Als Kernkraft wird die Nutzung von kontrollierten atomaren Kettenreaktionen zur Erzeugung von Strom in einem Kernkraftwerk bezeichnet. In Kernkraftwerken zerfallen Atomkerne in kontrollierten Kettenreaktionen, die dabei freiwerdende Energie wird zum Erhitzen eines Mediums (Wasser) und zum Antrieb von Turbinen verwendet.

Wegen der mit ihrer Nutzung verbundenen Gefahren und der ungeklärten Entsorgung von Atommüll ist der Atomausstieg in Deutschland bereits beschlossen: Bis 2022 werden alle noch verbliebenen Atomkraftwerke abgeschaltet. Nicht mehr alle Stromanbieter haben Atomstrom aus Kernkraft in ihrem Strommix enthalten.
Kohle
Kohle ist ein brennbares Sedimentgestein, das im Laufe von Jahrmillionen aus Pflanzenresten entstanden ist. Als fossiler Brennstoff wird Kohle in Kraftwerken zur Stromerzeugung eingesetzt. Ihre Verbrennung setzt CO2 frei, das in der Vorzeit gebunden wurde, und erhöht somit den CO2-Gehalt in der Atmosphäre und trägt dadurch zum Klimawandel bei. Ihr Einsatz zur Stromerzeugung ist weit verbreitet, aber aus Klimaschutz-Erwägungen umstritten.

Bei der Angabe im Strommix wird in der Regel nicht zwischen Braunkohle und Steinkohle unterschieden. Die Anbieter zeigen den Kohle-Anteil in ihrem Strommix nur insgesamt an.
Erdgas
Erdgas ist ein Gasgemisch, das in der Regel hauptsächlich aus hochentzündlichem Methan besteht. Es wird hierzulande gerne zum Beheizen von Wohn- und Gewerbegebäuden genutzt, doch auch zur Stromerzeugung. Hierzu wird das Gas in Gaskraftwerken verbrannt. Bei der Verbrennung wird klimaschädliches CO2 freigesetzt. Dennoch gelten insbesondere moderne Gaskraftwerke als umweltfreundlicher als etwa Kohlekraftwerke. Deshalb ist Erdgas wichtig für die Energiewende: Falls die erneuerbaren Energien nicht ausreichen, können Gaskraftwerke aushelfen und den Strombedarf decken.
Sonstige fossile Energieträger
Zu den fossilen Energieträgern zählen die Primärenergieträger Kohle, Erdgas und Erdöl, also Materialien, die in geologischer Vorzeit aus Abbauprodukten von organischen Stoffen entstanden sind. Unter dem Begriff sonstige fossile Energieträger werden im Zusammenhang mit der Stromkennzeichnung alle Energieträger zusammengefasst, die nicht der Kohle, dem Erdgas oder dem Erdöl zugeordnet werden können. Die dabei entstehende Energie entstammt zumeist aus sog. Kombikraftwerken, Mischfeuerungsanlagen, Heizkraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen sowie ähnlichen technischen Anlagen.
Erneuerbare Energien, finanziert aus der EEG-Umlage
Erneuerbare Energien ist ein Sammelbegriff für Energieformen, deren Quellen nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich sind oder die sich innerhalb kurzer Zeit selbst erneuern. Dazu zählen vor allem die Sonnenenergie, die Windkraft, die Wasserkraft, die Erdwärme und die Biomasse. Mit Ausnahme der Biomasse entsteht bei der Nutzung kein CO2-Ausstoß. Und bei der Verbrennung von Biomasse wird nur die Menge an Kohlendioxid freigesetzt, die von den Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommen wurden. Erneuerbare Energien gelten daher als Lösung für das Problem endlicher fossiler Ressourcen sowie des Klimawandels. Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen wird in Deutschland durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG gefördert.

Im Strommix wird unterschieden zwischen den Erneuerbaren Energien, die durch das EEG gefördert werden, und den sonstigen erneuerbaren Energien. 

 
Sonstige erneuerbare Energien
Unter sonstige erneuerbare Energie fällt Ökostrom, der nicht durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert wird. Dabei kann es sich um Windenergie, Solarstrom, Strom aus Biomasse und alle anderen erneuerbaren Energien handeln. Aus der EEG-Umlage wird immer eine festgelegte Strommenge finanziert. Alles darüber fällt unter sonstige erneuerbare Energien. 
Radioaktiver Abfall
Radioaktiver Abfall entsteht unter anderem bei der Stromerzeugung in Kernkraftwerken, aber auch in Forschung, Medizin und Industrie. Er muss wegen seiner Strahlung sicher gelagert werden. Sie werden nach ihrem physikalischen Zustand (flüssig, fest, gasförmig) und nach der Intensität der abgegebenen Strahlung unterschieden. Ein geeignetes Endlager für hochradioaktive Abfälle wird aktuell noch gesucht. Derzeit lagern die abgebrannten Brennelemente in Zwischenlagern am Standort der aktiven und abgeschalteten Atomkraftwerke. Vor ihrer Endlagerung müssen die Brennelemente kontrolliert abklingen und gekühlt werden. Auch weltweit ist die Entsorgung von radioaktivem Abfall problematisch und ungeklärt. Teilweise lagert er unter freiem Himmel oder wird unkontrolliert entsorgt. Nach wie vor zulässig ist die direkte Einleitung von radioaktiven Abfällen durch Rohre ins Meer, dies wird in den Wiederaufbereitungsanlagen La Hague und Sellafield praktiziert.
CO2-Emissionen
CO2 ist ein Gas, das unter anderem bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern entsteht. Die zunehmende Konzentration in der Atmosphäre wird für den Klimawandel verantwortlich gemacht. Es kommt mit einem Anteil von rund 0,039 Prozent ohnehin in der Erdatmosphäre vor und ist das Endprodukt einer vollständigen Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Substanzen unter ausreichender Luftzufuhr. CO2 gilt als Treibhausgas, weil es die von der Erde abgegebene Wärmestrahlung absorbiert und dadurch die unteren Schichten der Atmosphäre erwärmt. Der natürliche Ausstoß von CO2 wird von Organismen und Pflanzen kompensiert (Kohlenstoffkreislauf).

Seit der Industrialisierung steigt der Anteil von CO2 in der Atmosphäre kontinuierlich an, was auf die Verbrennung fossiler Energieträger zurückzuführen ist. CO2 gilt daher als ein wesentlicher Grund für die Erderwärmung und den Klimawandel.

Das Basisjahr

Da die statistische Auswertung der Angaben eines jeden Stromanbieters einige Zeit in Anspruch nimmt, wird der Strommix für ein Jahr immer erst im November des Folgejahres veröffentlicht. Das ist erkennbar am sogenannten Basisjahr. So zeigt der Strommix 2017 eigentlich die Daten aus dem gesamten Jahr 2016 an. Aus diesem Grund verwenden einige Stromanbieter direkt das Basisjahr als Angabe.

Was passiert bei einem Wechsel in einen Ökostromtarif? 

Bei einem Stromanbieterwechsel muss beim Kunden nichts geändert werden. Was sich ändert, ist das Unternehmen, das auf der anderen Seite des Sees Strom nachfüllen muss und die Energielieferungen abrechnet. Tarife, die dem Kunden eine Belieferung mit Strom aus bestimmten Erzeugungsarten versprechen (zum Beispiel "Ökostrom" oder "frei von Atomkraft"), ändern deshalb auch nicht den Strommix, der beim Kunden ankommt – das wäre allein rein physikalisch gar nicht möglich. Stattdessen verpflichtet sich der Anbieter, nur Strom aus diesen Quellen in den Stromsee nachzufüllen. Dadurch erreicht der Kunde, dass eine Strommenge, die seinem Verbrauch entspricht, gemäß den versprochenen Kriterien produziert wird und herkömmlichen Graustrom ersetzt.

Info
Da der Kunde selbst nicht erkennen kann, aus welchen Energiequellen er mit Strom versorgt wird, sind bei Ökostromtarifen Gütesiegel und Qualitätsnachweise von großer Bedeutung. Die ausgebenden Stellen überwachen, dass der Stromanbieter seine Versprechen auch einhält.
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