Strommix in Deutschland – Wie wird Strom in Deutschland erzeugt?

Der Strommix kennzeichnet, welchen Anteil die verschiedenen Energiequellen an der Stromerzeugung in Deutschland haben. Die wichtigsten Anteile am deutschen Strommix haben Kohle, erneuerbare Energien, Kernenergie und Erdgas. Der Anteil von Ökostrom wächst dabei stetig. Auch Energieanbieter sind dazu verpflichtet zu kennzeichnen, woher ihr Strom stammt. Wer einen Stromtarif abschließt, hat so die Möglichkeit, den Strommix seines Anbieters mit dem Strommix in Deutschland zu vergleichen. 

Wie wird Strom in Deutschland erzeugt?

Kernkraft

Als Kernkraft wird die Nutzung von kontrollierten atomaren Kettenreaktionen zur Erzeugung von Strom in einem Kernkraftwerk bezeichnet. In Kernkraftwerken zerfallen Atomkerne in kontrollierten Kettenreaktionen, die dabei freiwerdende Energie wird zum Erhitzen eines Mediums (Wasser) und zum Antrieb von Turbinen verwendet.

Wegen der mit ihrer Nutzung verbundenen Gefahren und der ungeklärten Entsorgung von Atommüll ist der Atomausstieg in Deutschland bereits beschlossen: Bis 2022 werden alle noch verbliebenen Atomkraftwerke abgeschaltet. Nicht mehr alle Stromanbieter haben Atomstrom aus Kernkraft in ihrem Strommix enthalten.

Kohle

Kohle ist ein brennbares Sedimentgestein, das im Laufe von Jahrmillionen aus Pflanzenresten entstanden ist. Als fossiler Brennstoff wird Kohle in Kraftwerken zur Stromerzeugung eingesetzt. Ihre Verbrennung setzt CO2 frei, das in der Vorzeit gebunden wurde, und erhöht somit den CO2-Gehalt in der Atmosphäre und trägt dadurch zum Klimawandel bei. Ihr Einsatz zur Stromerzeugung ist weit verbreitet, aber aus Klimaschutz-Erwägungen umstritten.

Bei der Angabe im Strommix wird in der Regel nicht zwischen Braunkohle und Steinkohle unterschieden. Die Anbieter zeigen den Kohle-Anteil in ihrem Strommix nur insgesamt an.

Erdgas

Erdgas ist ein Gasgemisch, das in der Regel hauptsächlich aus hochentzündlichem Methan besteht. Es wird hierzulande gerne zum Beheizen von Wohn- und Gewerbegebäuden genutzt, doch auch zur Stromerzeugung. Hierzu wird das Gas in Gaskraftwerken verbrannt. Bei der Verbrennung wird klimaschädliches CO2 freigesetzt. Dennoch gelten insbesondere moderne Gaskraftwerke als umweltfreundlicher als etwa Kohlekraftwerke. Deshalb ist Erdgas wichtig für die Energiewende: Falls die erneuerbaren Energien nicht ausreichen, können Gaskraftwerke aushelfen und den Strombedarf decken.

Sonstige fossile Energieträger

Zu den fossilen Energieträgern zählen die Primärenergieträger Kohle, Erdgas und Erdöl, also Materialien, die in geologischer Vorzeit aus Abbauprodukten von organischen Stoffen entstanden sind. Unter dem Begriff sonstige fossile Energieträger werden im Zusammenhang mit der Stromkennzeichnung alle Energieträger zusammengefasst, die nicht der Kohle, dem Erdgas oder dem Erdöl zugeordnet werden können. Die dabei entstehende Energie entstammt zumeist aus sogenannten Kombikraftwerken, Mischfeuerungsanlagen, Heizkraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen sowie ähnlichen technischen Anlagen.

Erneuerbare Energien, finanziert aus der EEG-Umlage

Erneuerbare Energien ist ein Sammelbegriff für Energieformen, deren Quellen nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich sind oder die sich innerhalb kurzer Zeit selbst erneuern. Dazu zählen vor allem die Sonnenenergie, die Windkraft, die Wasserkraft, die Erdwärme und die Biomasse. Mit Ausnahme der Biomasse entsteht bei der Nutzung kein CO2-Ausstoß. Und bei der Verbrennung von Biomasse wird nur die Menge an Kohlendioxid freigesetzt, die von den Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommen wurden. Erneuerbare Energien gelten daher als Lösung für das Problem endlicher fossiler Ressourcen sowie des Klimawandels. Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen wird in Deutschland durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG gefördert.

Im Strommix wird unterschieden zwischen den Erneuerbaren Energien, die durch das EEG gefördert werden, und den sonstigen erneuerbaren Energien. 

Sonstige erneuerbare Energien

Unter sonstige erneuerbare Energie fällt Ökostrom, der nicht durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert wird. Dabei kann es sich um Windenergie, Solarstrom, Strom aus Biomasse und alle anderen erneuerbaren Energien handeln. Aus der EEG-Umlage wird immer eine festgelegte Strommenge finanziert. Alles darüber fällt unter sonstige erneuerbare Energien. 

Wieviel erneuerbare Energie in Deutschland?

2018 wurden 18,8 Prozent unseres Stroms aus Windkraft erzeugt. Photovoltaik hatte einen Anteil von sieben Prozent am Strommix, Biomasse 8,7 Prozent. Aus Wasserkraftwerken stammten 3,9 Prozent unseres Stroms. Somit hatten die erneuerbaren Energien insgesamt einen Anteil von 38,4 Prozent am deutschen Strommix.

Strommix in Deutschland 2018

Energieträger in Deutschland

- Braunkohle (24,3 %)
- Windkraft (18,8 %)
- Steinkohle (15,2 %)
 - Kernenergie (13,2 %)
- Biomasse (8,7 %)
- Erdgas (8,4 %)
- Solarenergie (7,0 %)
- Wasserkraft (3,9 %)
- Erdöl (0,3 %)

Weitere Informationen zum Strommix

Die Stromkennzeichnung

Der Strommix wird häufig auch als Energiemix bezeichnet. Stromanbieter sind gesetzlich dazu verpflichtet, jedes Jahr den Energiemix ihrer Stromlieferungen Verbrauchern gegenüber zu kennzeichnen, damit der einzelne Stromkunde erkennen kann, aus welchen Quellen die Energie seines Anbieters stammt. Dabei müssen sie nicht nur für jede Erzeugungsart den prozentualen Anteil angeben, auch Angaben zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2-Emissionen) und zum Anteil des radioaktiven Abfalls, der durch die Nutzung von Atomstrom anfällt, müssen offengelegt werden. 

Das Basisjahr

Da die statistische Auswertung der Angaben eines jeden Stromanbieters einige Zeit in Anspruch nimmt, wird der Strommix für ein Jahr immer erst im November des Folgejahres veröffentlicht. Das ist erkennbar am sogenannten Basisjahr. So zeigt der Strommix 2017 eigentlich die Daten aus dem gesamten Jahr 2016 an. Aus diesem Grund verwenden einige Stromanbieter direkt das Basisjahr als Angabe.

Der Stromsee

Der "Stromsee" ist ein Modell, das häufig verwendet wird, um das Prinzip der Strombelieferung zu erklären. Das Stromnetz wird dabei als See oder Wasserbecken dargestellt, in das alle Erzeugungsanlagen die von ihnen produzierte Energie einfüllen. In dem virtuellen See sammelt sich demnach Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen, wie Solar- oder Windkraft, der Strom aus fossilen Brennstoffen, wie Stein- oder Braunkohle oder aber aus Kernkraftanlagen. Auf der gegenüberliegenden Seite entnehmen die Stromanbieter den Strom für ihre Kunden.

Da sich die Strommengen aus den verschiedenen Erzeugungsanlagen mischen, erhält jeder Verbraucher denselben Strommix. In der Praxis, in der es natürlich nicht um Wasser, sondern um Strom geht, kann ohnehin nicht festgestellt werden, in welchem Kraftwerk die Elektrizität erzeugt wurde. Jeder Stromanbieter muss aber dafür sorgen, dass er die Strommenge, die seine Kunden aus dem Stromsee entnommen haben, wieder nachfüllt - indem er selbst Erzeugungsanlagen betreibt oder indem er Strom kauft.

Was passiert bei einem Wechsel in einen Ökostromtarif? 

Bei einem Stromanbieterwechsel muss beim Kunden nichts geändert werden. Was sich ändert, ist das Unternehmen, das auf der anderen Seite des Sees Strom nachfüllen muss und die Energielieferungen abrechnet. Tarife, die dem Kunden eine Belieferung mit Strom aus bestimmten Erzeugungsarten versprechen (zum Beispiel "Ökostrom" oder "frei von Atomkraft"), ändern deshalb auch nicht den Strommix, der beim Kunden ankommt – das wäre allein rein physikalisch gar nicht möglich. Stattdessen verpflichtet sich der Anbieter, nur Strom aus diesen Quellen in den Stromsee nachzufüllen. Dadurch erreicht der Kunde, dass eine Strommenge, die seinem Verbrauch entspricht, gemäß den versprochenen Kriterien produziert wird und herkömmlichen Graustrom ersetzt.

Kundenbewertungen
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