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MDK-Statistik: Behandlungsfehler in jedem vierten Fall bestätigt

München, 5.6.2018 | 11:27 | mst

Die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) haben ihre Statistik über Behandlungsfehler im Jahr 2017 vorgestellt: Die Zahlen sinken leicht, in jedem vierten Fall bestätigt sich die Beschwerde eines Patienten.
 

Ein Neurorchirurg operiert an einem KopfFehler passieren auch bei medizinischen Behandlungen. Verlässliche Zahlen dazu gibt es nicht.
Die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) haben im vergangenen Jahr 3.337 Behandlungsfehler festgestellt, durch die Patienten geschädigt wurden. Damit sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr (3.564 Fälle) erneut leicht.

Der Anteil der bestätigten Fehler bleibt indes unverändert: In jedem vierten Fall (24,7 Prozent) erhärtete sich der Vorwurf eines Behandlungsfehlers. In jedem fünften Fall (19,9 Prozent) stellten die Gutachter fest, dass eine Schädigung des Patienten durch den Fehler verursacht wurde.
 
Viele der insgesamt 13.519 Patientenbeschwerden beziehen sich auf chirurgische Eingriffe. Laut dem MDK können Patienten Fehler hier leichter anhand der Folgen erkennen. Zwei Drittel der Vorwürfe betreffen Behandlungen im Krankenhaus, ein Drittel Therapien bei niedergelassenen Ärzten.
 

In Orthopädie und Unfallchirurgie gibt es die meisten Beschwerden

Die meisten Patientenbeschwerden gab es im Jahr 2017 in der Orthopädie und Unfallchirurgie (insgesamt 31 Prozent). Dahinter folgen die Fachgebiete Innere Medizin und Allgemeinmedizin (13 Prozent), Allgemeinchirurgie (9 Prozent) sowie Zahnmedizin und Frauenheilkunde (jeweils acht Prozent). Nur fünf Prozent entfielen auf die Pflege. Auf die sonstigen Fachgebiete bezogen sich 26 Prozent der Vorwürfe.
 
Die Zahl der Beschwerden sagt allerdings nichts über die Anzahl der tatsächlichen Behandlungsfehler in einem Fachgebiet aus. Die häufigsten von Gutachtern bestätigten Fehler gab es in der Pflege (49,8 Prozent), der Zahnmedizin (35,2 Prozent) sowie der Frauenheilkunde (27 Prozent).
 

MDK: Keine repräsentativen Daten vorhanden

Der Medizinische Dienst kritisiert, dass es in Deutschland keine repräsentativen Daten zu Behandlungsfehlern gibt. Man müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. „Unsere Bilanz fällt ernüchternd aus: Wir sehen immer wieder die gleichen Fehler und zwar auch solche, die nie passieren dürften, weil sie gut zu vermeiden wären – vom im Körper vergessenen Tupfer bis hin zu Verwechslungen von Patienten und falschen Eingriffen“, sagte Stefan Gronemeyer, der stellvertretende Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS).
 
Die Krankenkassen fordern, Behandlungsfehler ähnlich wie Arbeitsunfälle zu erfassen und für die Entwicklung von Schutzmaßnahmen zu nutzen. Die Ärzte hatten vor kurzem ihre eigene Statistik vorgestellt. Danach wurde in rund 2.200 von 7.300 gemeldeten Fällen ein Behandlungsfehler gefunden.

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