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Demenz: Demenz-Kranke werden oft falsch behandelt

München, 24.10.2018 | 17:22 | mst

Ein aktueller Report der Techniker Krankenkasse zeigt: Alzheimer-Patienten werden oft nur ruhiggestellt und erhalten keine wirksamen Medikamente. Ein Heilmittel gegen Alzheimer ist nicht in Sicht.
 

Pflegerin hilft Seniorin im Rollstuhl beim Essen.Eine pflegebedürftige Frau erhält Unterstützung beim Essen: Mit dem Alter steigt das Risiko, an Alzheimer zu erkranken.
Menschen mit einer Demenz werden in Deutschland oft falsch behandelt. Das zeigt der Innovationsreport 2018, den die Techniker Krankenkasse (TK) am Mittwoch vorgestellt hat. Demnach werden Patienten mit Alzheimer-Demenz vorrangig mit Beruhigungsmitteln wie Neuroleptika und Benzodiazepinen versorgt.
 
Nur gut ein Zehntel (14 Prozent) der Patienten erhält ein sogenanntes Antidementivum, welches das Fortschreiten der Demenz zumindest verlangsamen kann. Neun Prozent werden zusätzlich mit einem Beruhigungsmittel behandelt. Rund ein Viertel (26 Prozent) erhält ausschließlich ein Antipsychotikum. Rund die Hälfte der Patienten wird überhaupt nicht behandelt.
 
 Insgesamt geht bei der TK jedes siebte Beruhigungsmittel an einen Menschen mit Demenz.
 

TK: Demenz-Kranke sollen ruhiggestellt werden

Laut der Krankenkasse liegt der Verdacht nahe, dass Demenz-Kranke ruhiggestellt werden anstatt sie richtig zu behandeln. „Die Zahlen zeigen, dass wir die Versorgung von Menschen mit Demenz dringend verbessern müssen. Die Therapie sollte überwiegend leitliniengerecht erfolgen und die Entwicklung neuer Wirkstoffe muss vorangebracht werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der TK Jens Baas.
 

Kein neues Alzheimer-Medikament in Sicht

Auf neue Medikamente gegen Alzheimer dürften Betroffene noch lange warten müssen. Laut TK hat sich die Pharma-Industrie derzeit fast vollständig aus diesem Bereich zurückgezogen. Seit Jahren gebe es keine neuen Zulassungen auf dem Gebiet, die Unternehmen hätten die Forschung nahezu vollständig eingestellt.
 
In Deutschland leider derzeit rund 1,7 Millionen Menschen an Alzheimer. Zwei Drittel davon haben Alzheimer – die häufigste Form einer Demenz.

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