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Private Krankenversicherung: Was tun, wenn die Beiträge steigen?

München, 4.10.2016 | 14:44 | are

Laut verschiedener Medienberichte sind rund zwei Drittel der fast neun Millionen privat Krankenversicherten von Beitragserhöhungen zum Jahreswechsel betroffen. Demnach sind Tarifsteigerungen von bis zu elf Prozent möglich. 

Laut Medienberichten steigen die PKV-Beiträge 2017 um bis zu elf Prozent.Laut Medienberichten sind rund sechs Millionen privat Krankenversicherte von Beitragserhöhungen betroffen.
Privatversicherte sollten jedoch nicht gleich in Panik ausbrechen. Eine genauere Betrachtung der Fakten und eine überlegte Entscheidung über die weiteren Schritte helfen in dieser Situation mehr als jede Panikmache. Denn der Blick auf die Beitragsentwicklungen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung zeigt: Auch die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden jährlich leicht erhöht.

Demnach steigt der individuelle Zusatzbeitrag, den die Krankenkassen verlangen und für den der Versicherte ohne Unterstützung des Arbeitgebers aufkommen muss, immer weiter an. Auch die Beitragsbemessungsgrenze, die festlegt, bis zu welcher Einkommensobergrenze Versicherungsbeiträge zu bezahlen sind, wird jährlich von der Bundesregierung angehoben.

Demgegenüber sind die Beträge der privaten Krankenversicherung (PKV) in den letzten Jahren relativ konstant geblieben. Stattdessen kommt es in der PKV zu seltenen, dann aber größeren Beitragssprüngen. Wir erklären, warum das so ist und geben Tipps, worauf man jetzt achten sollte.
 

Warum gibt es überhaupt Beitragserhöhungen?

Es gibt mehrere Gründe für die Beitragserhöhungen. Zum einen steigen die Kosten allgemein aufgrund der Inflation. Zum anderen hat der medizinische Fortschritt zur Folge, dass sich die Kosten für die Gesundheitsversorgung immer weiter erhöhen. Beispielsweise wird eine Kernspintomographie, die mehrere 100 Euro kosten kann, heute standardmäßig bei vielen Krankheiten und Verdachtsfällen eingesetzt.

Der medizinische Fortschritt ist mitunter auch der Grund für unsere immer älter werdende Bevölkerung. Und mit zunehmendem Alter steigen wiederum die Gesundheitskosten.

Hinzu kommt, dass es aufgrund der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank derzeit praktisch keine Zinsen für sichere Anlagen mehr gibt. Da Alterungsrückstellungen der PKV-Versicherten in Milliardenhöhe angelegt sind, sind die Zinsen jedoch ein wichtiger Faktor für die Versicherungsgesellschaften. Denn in den Tarifen ist ein gewisser Prozentsatz an Zinserträgen einkalkuliert. Wenn dieser am Markt nicht mehr erzielt wird, müssen die Beiträge angepasst werden.
 

Gibt es nur in der privaten Krankenversicherung Beitragserhöhungen?

Nicht nur die privaten Krankenversicherer erhöhen ihre Beiträge. Auch die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung werden kontinuierlich angehoben. Sowohl PKV als auch GKV stehen gleichermaßen vor der Aufgabe, steigende Kosten durch den demografischen Wandel und den medizinischen Fortschritt auszugleichen. In den letzten Jahren waren die Steigerungsraten praktisch gleich.

Zudem muss man berücksichtigen, dass die vereinbarten Leistungen der privaten Krankenversicherung unveränderbar sind. Im Gegensatz dazu geht der Leistungsumfang der GKV seit Jahren immer weiter zurück. Viele gesetzlich Versicherte haben daher bereits private Zusatzversicherungen, wie etwa eine Zahnzusatzversicherung, abgeschlossen. Privatversicherte benötigen solche Zusatzversicherungen dagegen nicht.
 

Warum sind die Beitragssteigerungen so hoch?

In der PKV gilt die Systematik, dass viele Beiträge erst dann erhöht werden dürfen, wenn die tatsächlichen Kosten um fünf oder zehn Prozent – je nach Tarifgeneration – höher liegen als die geplanten Kosten. Da dies nicht jedes Jahr der Fall ist, kommt es alle paar Jahre zu einem Nachholeffekt.

In einem solchen Fall werden auch andere Planungsabweichungen, wie die aktuell niedrigen Zinseinnahmen, mit ausgeglichen. Dadurch ist die jeweilige Erhöhung relativ hoch. Betrachtet man die Anpassungen über einen längeren Zeitraum hinweg, zeigen sich auf jedes Jahr umgerechnet nur relativ moderate Erhöhungen.
 

Wie kann ich hohe Beitragssteigerungen verhindern?

Beitragssteigerungen lassen sich nie ganz vermeiden. Bei der Auswahl des richtigen Tarifs sollten Sie sich jedoch über die jeweilige Versicherungsgesellschaft und deren Kennzahlen informieren.

So ist es etwa wichtig zu wissen, wie gut der Versicherer für die Zukunft gerüstet ist. Sie sollten daher überprüfen, wie wirtschaftlich die Gesellschaft arbeitet und welchen Anteil der Beiträge sie für Alterungsrückstellungen nutzt. Auch die Größe und damit der Marktanteil der Versicherungsgesellschaft kann ein essentieller Aspekt bei der Wahl des richtigen Versicherers sein.

Diese Merkmale sind daher auch ein wichtiger Teil unserer CHECK24-Tarifnote.

Wer sich im Alter besonders stabile Beiträge sichern möchte, kann zudem spezielle Bausteine wählen, bei denen zusätzliche Reserven für das Alter angespart werden.
 

Sollte ich nach einer Beitragserhöhung meine private Krankenversicherung wechseln?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Viele Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle. Ist man jung, gesund und noch nicht so lange Mitglied einer privaten Krankenversicherung, kann sich ein Wechsel durchaus lohnen.

Da bei einem Wechsel des Versicherers erneut Gesundheitsfragen beantwortet werden müssen, lohnt es sich bei älteren Versicherten meist nicht mehr, den Versicherer zu wechseln. Auch weil bereits Alterungsrückstellungen gebildet wurden, die nur zum Teil an eine andere Versicherung übertragen werden können, lohnt sich der Wechsel zu einem späteren Zeitpunkt meistens nicht. Dennoch kann man in einem solchen Fall prüfen, ob der gleiche Versicherer einen passenderen und preiswerteren Tarif anbietet. 

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