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Studie: So viel kostet die ambulante Pflege

München, 19.6.2017 | 16:40 | are

Pflegebedürftige Menschen werden in Deutschland meist zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt. Doch auch in der ambulanten Pflege entstehen Kosten von durchschnittlich 362 Euro im Monat. Hinzu kommen die finanziellen Belastungen für die Pflegepersonen. Das geht aus einer Studie hervor, welche die Hans-Böckler-Stiftung vor kurzem veröffentlichte. 

Seniorin geht mit einer Pflegeperson und mit Hilfe eines Rollators spazieren.Die Pflege eines Angehörigen ist oft mehr als ein Vollzeitjob.
Demnach steigen die monatlichen Kosten mit zunehmender Pflegebedürftigkeit an. Selbst für Menschen, die im Jahr 2016 noch keine Pflegestufe hatten, traten Pflegekosten von insgesamt 122 Euro pro Monat auf. In der Pflegestufe drei beliefen sich die Kosten auf 682 Euro pro Monat.

Für die Studie wurden mehr als 1.000 Haushalte befragt, in denen eine pflegebedürftige Person ab 65 Jahren lebt. Da die Befragung letztes Jahr – vor dem Inkrafttreten der neuesten Pflegereform – stattgefunden hat, ist in der Studie noch von den Pflegestufen 0 bis drei die Rede. Seit der Reform gelten Pflegegrade zur Feststellung der Schwere einer Pflegebedürftigkeit.

Stundenlohn von 20 Cent

Laut der Studie übernehmen die Angehörigen die Pflege der hilfsbedürftigen Person größtenteils alleine. Eine Hauptpflegeperson wendet dafür rund 50 Stunden pro Woche auf – und erhält im Schnitt gut 42 Euro pro Monat als Aufwandsentschädigung. Rechnet man das auf 200 Stunden pro Monat hoch, ergibt dies einen Stundenlohn von rund 20 Cent.

Selbst wenn den hilfsbedürftigen älteren Angehörigen noch gar keine Pflegestufe zuerkannt wurde, fallen laut den Angaben der Befragten bereits vier Stunden am Tag für deren Betreuung an.

Hinzu kommt, dass drei Viertel der Hauptpflegepersonen überhaupt nicht oder nur in Teilzeit beschäftigt sind. Die pflegenden Angehörigen riskieren so, im Alter selbst wenig Geld zur Verfügung zu haben. Da die meisten Pflegepersonen weiblich sind, betrifft das vor allem Frauen.

Fünf Prozent der Haushalte haben weniger als 900 Euro pro Monat

Das monatliche Haushalts-Nettoeinkommen der Pflegehaushalte beträgt laut der Studie im Schnitt 2.392 Euro im Monat. Allerdings haben fünf Prozent der Haushalte nur weniger als 900 Euro monatlich zur Verfügung, weitere fünf Prozent hingegen mehr als 5.000 Euro.

Insgesamt fließt rund ein Fünftel des monatlichen Einkommens in die häusliche Pflege. 

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