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Pflegeversicherung: Kinderlose sollen 0,1 Prozentpunkte mehr zahlen

München, 11.11.2020 | 12:29 | mst

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Pflegeversicherung in 2021 erneut reformieren. Kinderlose sollen künftig mehr zahlen, der Eigenanteil soll begrenzt und Pflegekräfte mindestens nach Tarif entlohnt werden.
 

Pflegerin mit älterer Frau in ihrer WohnungAuch die Leistungen für die häusliche Pflege sollen angehoben werden.
Kinderlose sollen künftig 0,1 Prozentpunkte mehr für die gesetzliche Pflegeversicherung zahlen. Das geht aus einem Eckpunktepapier zur geplanten Pflegereform des Bundesgesundheitsministeriums hervor, das dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.
 
Die zusätzlichen Beiträge sollen demnach in einen Pflegevorsorgefonds fließen, der für die Versorgung der Pflegebedürftigen ab dem Jahr 2035 bestimmt ist. Ab dann kommen die Jahrgänge der Babyboomer in ein Alter, in dem eine Pflegebedürftigkeit wahrscheinlich wird.
 
Aktuell zahlen Kinderlose ab 23 Jahren bereits einen Beitragszuschlag von 0,25 Prozentpunkten. Versicherte mit Kindern zahlen für die Pflegeversicherung 3,05 Prozent, Kinderlose 3,3 Prozent.
 
In den Pflegevorsorgefonds soll laut dem Bericht des RND mindestens bis zum Jahr 2050 Geld fließen. Zudem sollen die Zuschüsse für einen staatlich geförderten Pflege-Bahr-Vertrag von fünf auf 15 Euro pro Monat steigen.

Eigenanteil soll auf 700 Euro pro Monat gedeckelt werden

Der Eigenanteil für pflegebedürftige Menschen, die in einem Heim leben, soll auf maximal 700 Euro monatlich für längstens 36 Monate begrenzt werden. Ausgenommen von dieser Deckelung sollen die Kosten für Wohnen und Mahlzeiten sein. Die Bundesländer sollen darüber hinaus einen Zuschuss für Investitionskosten von 100 Euro pro Bewohner und Monat leisten.
 
Nach den Plänen soll ein neues Internetportal die Suche nach einem Heimplatz erleichtern. Wer Angehörige pflegt, soll staatliche Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung erhalten. Auch die Zahlungen für die häusliche Pflege sollen angehoben werden.

Reha-Maßnahmen für über 70-Jährige

Um eine Pflegebedürftigkeit möglichst zu verhindern, will Bundesgesundheitsminister Spahn die Reha-Maßnahmen für über 70-Jährige ausweiten. Die Pflegekassen sollen künftig die Hälfte der Kosten einer Reha übernehmen.

Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen sollen in Zukunft nur noch eine Zulassung erhalten, wenn sie ihre Pflegekräfte nach Tarif entlohnen. Das soll eine ordentliche Bezahlung sichern und gleichzeitig der Personalknappheit in der Pflege entgegenwirken.

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