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Versandhandel: Apotheker streiten über Versandhandelsverbot

München, 18.5.2017 | 12:02 | mst

Der Bundestag berät über ein mögliches Verbot des Versandhandels für rezeptpflichtige Medikamente. Eine Anhörung des Gesundheitsausschusses zeigte: Die Präsenzapotheker unterstützen das Verbot vehement, die Versandhandelsapotheken fürchten um ihr Geschäft.
 

Apotheker an der Kasse mit Medikamenten im HintergrundDie deutschen Versandapotheken lehnen ein Versandhandelsverbot ab.
Die deutschen Apotheken streiten sich über ein geplantes Verbot des Versandhandels für rezeptpflichtige Medikamente. Die Präsenzapotheken unterstützten bei einer Anhörung des Gesundheitsausschusses am Mittwoch den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), den Versandhandel zu verbieten.
 

Versandapotheken lehnen ein Verbot ab

Die deutschen Versandapotheken, die von einem Verbot jedoch ebenfalls betroffen wären, wendeten sich dagegen. Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) verweist auf die Vorteile für Patienten, die nur noch eingeschränkt mobil sind. Die Versandapotheken würden eine barrierefreie Versorgung mit Arzneimitteln garantieren. Lange Wege bei der Bestellung von Arzneien würden entfallen.
 
Zudem seien bereits viele Webseiten der deutschen Anbieter barrierefrei. So lasse sich meist die Schriftgröße anpassen oder Blinde könnten sich Texte vorlesen lassen. Darüber hinaus gehe in Deutschland die Zahl der Präsenzapotheken struktur- und altersbedingt zurück. Der Verband forderte daher, den Versandhandel auch künftig zu erlauben.
 

Apotheker fürchten Verluste von bis zu 50 Prozent

Die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA) setzte sich hingegen vehement für das Verbot ein. Die Apotheker warnen vor einem Preiswettbewerb für Medikamente. Das aktuelle System würde Patienten vor Übervorteilung und Apotheker vor einem ruinösen Wettbewerb schützen. Der Verband befürchtet, dass der Gewinn der Apotheker ansonsten um rund 20 bis 50 Prozent einbrechen könne.
 
Bei der Anhörung haben sich auch die Linken für ein Verbot ausgesprochen. Die deutschen Apotheken müssten vor der Billigkonkurrenz aus dem Ausland geschützt werden, heißt es in einem Antrag.
 
Die Grünen lehnen hingegen ein Verbot ab. Stattdessen fordern sie, die Festpreisbindung bei Medikamenten in eine Höchstpreisbindung umzuwandeln. Apotheker könnten dann von dieser Bindung nur nach unten abweichen.
 
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen lehnt ein pauschales Verbot ebenfalls ab. Im Zeitalter der Digitalisierung und angesichts der Förderung von E-Health-Projekten im Gesundheitswesen sei dies nicht zeitgemäß. Das Höchstpreismodell der Grünen ist für die Krankenkassen ein möglicher Kompromiss.

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