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IGES-Studie: Auch künftig können Kassen schummeln

München, 24.4.2017 | 12:54 | mst

Auch künftig können Krankenkassen Diagnosen manipulieren und Patienten auf dem Papier kränker machen. Das zeigt eine aktuelle Studie des IGES-Instituts.
 

Arzt am Schreibtisch mit LaptopIn der Vergangenheit sollen Kassen Diagnosen manipuliert haben. Auch künftig ist dies nicht ausgeschlossen.
Die Krankenkassen können auch zukünftig Diagnosen ihrer Versicherten manipulieren, um mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds zu erhalten. Das zeigt eine aktuelle Studie des IGES-Instituts, das einige Krankenkassen in Auftrag gegeben hatten.
 
Demnach reichen die vor kurzem beschlossenen Regelungen im Heil- und Hilfsmittelversorgungs­gesetz nicht aus, um Manipulationen zu verhindern.
 
Das Institut hat die Verträge zwischen den Krankenkassen und Ärzten untersucht. Dabei zeigte sich, dass sogenannte Betreuungsstrukturverträge sowie Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung fast ausschließlich solche Diagnosen vergüteten, die den Kassen Geld einbringen.
 

Für sämtliche Diagnosen fast 300 Millionen Euro im Jahr

Nach einer Hochrechnung des Instituts zahlen die Kassen den Ärzten für Diagnosen nach diesen Verträgen bundesweit insgesamt 291 Millionen Euro pro Jahr – 258 Millionen für Betreuungsstrukturverträge sowie 33 Millionen Euro für die hausarztzentrierte Versorgung.
 
Je nach Größe und Marktmacht hätten die Krankenkassen unterschiedlich gute Chancen, Verträge mit den Ärzten erfolgreich durchzusetzen.
 
Da Betreuungsstrukturverträge mittlerweile verboten sind, gehen die IGES-Experten davon aus, dass die Kassen Diagnosen künftig über die hausarztzentrierte Versorgung beeinflussen könnten. Eine Lücke sieht das Institut vor allem bei der Praxissoftware der Ärzte. Manipulationen mithilfe der Software seien schwierig zu kontrollieren. Die Aufsichtsbehörden sollten zudem Gesetzesverstöße schneller finden und sanktionieren können, fordert das IGES.
 
Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, hatte letztes Jahr öffentlich eingeräumt, dass die meisten Kassen bei den Diagnosen schummeln würden, um mehr Geld aus dem Risikostrukturausgleich zu erhalten.

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