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Gesetzliche Unfallversicherung: Wegen Corona weniger Arbeitsunfälle

München, 6.10.2020 | 17:55 | mst

Kurzarbeit und Lockdown: Die Corona-Krise führt zu weniger Arbeitsunfällen. Auch Unfälle auf dem Arbeitsweg und Schulunfälle gingen im ersten Halbjahr 2020 zurück. Jedoch stiegen die Verdachtsanzeigen auf eine Berufskrankheit.
 

Frau macht Homeoffice im Esszimmer.Wer im Homeoffice arbeitet, muss nicht zur Arbeit pendeln. Die Zahl der Wegeunfälle ist daher deutlich gesunken.
Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Unfallstatistik. Das zeigen vorläufige Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) für die ersten sechs Monate in diesem Jahr. Demnach ist die Zahl der Arbeits- und Wegeunfälle deutlich gesunken, während es bei den Berufskrankheiten einen kräftigen Anstieg gab.
 
Nach der Statistik der DGUV sank die Zahl der Arbeitsunfälle im ersten Halbjahr von 432.684 im Jahr 2019 auf jetzt 367.016. Das ist ein Rückgang um 15,2 Prozent. Die Zahl der Wegeunfälle nahm sogar um 20 Prozent ab.
 
Die Zahl der tödlichen Unfälle auf dem Weg zur oder von der Arbeit ging um rund 20 Prozent auf 106 zurück. Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle betrug 171 und verringerte sich damit um fast ein Drittel. Der starke Rückgang bei den tödlichen Arbeitsunfällen liegt laut DGUV jedoch nur zum Teil an der Corona-Pandemie. Im letzten Jahr sei die Zahl außergewöhnlich hoch gewesen, da frühere Todesfälle erst nachträglich in die Statistik aufgenommen wurden.

Schulunfälle und Schulwegeunfälle gehen um die Hälfte zurück

Schulunfälle gingen beinahe um 50 Prozent zurück: Von 584.763 im ersten Halbjahr 2019 auf 301.543 in diesem Jahr. Auch die Unfälle auf dem Schulweg halbierten sich fast: von 50.479 auf 26.881.
 
„Die Corona-Pandemie hat mittelbar deutliche Spuren im Unfallgeschehen hinterlassen", sagte Stefan Hussy, Hauptgeschäftsführer der DGUV. „Der Grund hierfür dürfte zum einen die große Zahl der Beschäftigten sein, die in Kurzarbeit gegangen sind. Zum anderen sind Millionen Beschäftigte ins Homeoffice gewechselt, was ihr Wegeunfallrisiko praktisch ausgeschaltet hat. Die Zahlen überraschen daher eigentlich nicht“, erklärte Hussy.
 
Bei der Schüler-Unfallversicherung habe die vorübergehend fast vollständige Schließung von Kitas, Schulen und Hochschulen zu einem historisch einmaligen Rückgang der Unfallzahlen geführt.

Berufskrankheiten durch Corona

Gleichzeitig sind aufgrund von Corona die Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit deutlich angestiegen. Denn Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen oder Laboratorien können unter bestimmten Voraussetzungen eine Infektion mit Covid-19 als Berufskrankheit anerkennen lassen.
 
Im ersten Halbjahr 2020 gab es bei den Trägern der Unfallversicherung 13.601 Verdachtsanzeigen auf eine Berufskrankheit in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Dadurch stiegen die Verdachtsanzeigen insgesamt um knapp ein Viertel auf 51.789.

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