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Interview zur Versteuerung von Kapitalerträgen

Dr. Christian Baretti, Steuerberater bei der Kanzlei Falch & Partner in München, erklärt im Interview mit CHECK24, was sich mit der Abgeltungssteuer geändert hat und welche Ausnahmen der Gesetzgeber bei der Versteuerung von Kapitalerträge vorsieht. Zudem gibt der Experte Tipps für Geringverdiener, Ehepartner und alle, die vom bevorstehenden elektronischen Kirchensteuerabzug betroffen sind. | fre

Alle Jahre wieder: Die Abgabefrist für die Steuererklärung steht vor der Tür. Das gilt zumindest für alle Steuerzahler, die zur Abgabe verpflichtet sind. Sie müssen ihre Unterlagen bis zum 31. Mai beim zuständigen Finanzamt einreichen. Auch Kapitalerträge sind in Deutschland steuerpflichtig. Zwar gestaltet sich die korrekte Versteuerung seit der Einführung der Abgeltungssteuer relativ unkompliziert. Dennoch gibt es einige Punkte, die Sparer unbedingt beachten sollten.

CHECK24: Herr Dr. Baretti, seit 2009 werden alle Einkünfte aus Kapitalvermögen einheitlich mit der Abgeltungssteuer versteuert. Was hat sich im Vergleich zum alten System geändert?

Dr. Christian Baretti: Früher mussten die Kapitalerträge in der Einkommensteuererklärung angegeben werden. Die von der Bank einbehaltene Kapitalertragsteuer war nur eine „Vorauszahlung“ auf die spätere Steuerschuld. Seit 2009 werden die Kapitalerträge pauschal mit 25 Prozent (plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer) versteuert.

Die von der Bank einbehaltene Kapitalertragsteuer wirkt dabei „abgeltend“. Eine Angabe der Erträge in der Steuererklärung ist nur noch nötig, wenn es sich um Erträge bei ausländischen Banken oder ausländischen thesaurierenden Fonds sowie um Privatdarlehen handelt. Die Steuerbelastung auf Kapitalerträge ist dabei in der Regel gesunken, zumindest was Zinserträge betrifft und zwar immer dann, wenn der persönliche Steuersatz 25 Prozent übersteigt.

Wessen persönlicher Steuersatz darunter liegt, kann auf Antrag auch zu diesem niedrigeren Satz versteuern lassen – muss dafür aber weiterhin eine Steuererklärung abgeben. Im Gegenzug zur Steuersenkung wurde aber der Werbungskostenabzug für Kapitalerträge abgeschafft und Veräußerungsgewinne bei Wertpapieren wie Aktien wurden der Steuerpflicht unterworfen – Früher waren diese Geschäfte nach Ablauf einer einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei.

Steuerberater Dr. Christian Baretti

Dr. Christian Baretti

Gibt es Kapitalanlagen, die von der Steuerpflicht ausgenommen sind?

Erträge aus Wertpapieren (inklusive realisierter Kurssteigerungen) und Zinserträge sind voll steuerpflichtig. Steuerfrei sind beispielsweise Wertsteigerungen bei physischem Gold, wenn die einjährige Spekulationsfrist abgelaufen ist.

Können Verbraucher, die die Abgabefrist ihres Freistellungsauftrages für Kapitalerträge verpasst haben, den Freibetrag nachträglich über die Steuererklärung geltend machen. Wenn ja, wie?

Der Sparerpauschbetrag pro Steuerpflichtigem beträgt 801 EUR. Dieser Betrag kann maximal für Freistellungsaufträge verwendet werden. Soweit der Betrag von 801 EUR nicht überschritten wird, behält die Bank dann keine Steuer ein. Ehegatten können auch einen gemeinsamen Freistellungsauftrag bis zu 1.602 EUR erteilen. Wurden diese Freistellungsaufträge nicht oder nicht vollständig an die Banken erteilt, besteht die Möglichkeit, sich zu viel einbehaltene Steuern beim Fiskus über eine Steuererklärung zurückzuholen.

Hierfür benötigen Sie eine Steuerbescheinigung von der Bank, die zwar kostenlos ist aber gegebenenfalls angefordert werden muss. Nicht benötigt wird in der Regel eine Erträgnisaufstellung, die viele Banken nur gegen Entgelt anbieten. Wichtig ist, dass dann alle Kapitalerträge erklärt werden müssen. Auch wenn bei Mietkautionskonten oder den Rücklagenkonten von Wohneigentumsgemeinschaften Kapitalertragsteuer abgeführt worden ist, kann – bei noch vorhandenem Freibetrag – eine Erstattung zu viel gezahlter Steuern erreicht werden.

Müssen auch Geringverdiener – beispielsweise Hausfrauen, Studenten oder Minijobber – ihre Kapitalerträge versteuern?

Jede natürliche Person mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland ist unbeschränkt einkommensteuerpflichtig – Und zwar grundsätzlich mit allen Einkünften, die sie weltweit erzielt. Das heißt, die Steuerpflicht beginnt in der Wiege und endet im Sarg. Dies gilt auch für Kapitalerträge. Allerdings gibt es den bereits erwähnten Sparerpauschbetrag von 801 EUR. Bis zu diesem Betrag wird keine Steuer einbehalten. Wenn die Kapitalerträge über dieser Grenze liegen, gibt es noch die Möglichkeit, auf den sog. Grundfreibetrag zurückzugreifen:

Bei jedem unbeschränkt Einkommensteuerpflichtigen sind die ersten 8.354 EUR an Einkünften steuerfrei. Liegen alle Einkünfte inkl. der den Sparerpauschbetrag übersteigenden Kapitalerträge unterhalb dieser Grenze, so ist keine Steuer zu bezahlen. Der Steuerpflichtige kann dann beim Finanzamt eine sogenannte „Nichtveranlagungsbescheinigung“ beantragen und bei der Bank vorlegen. In diesem Fall behält die Bank auch dann keine Steuer ein, wenn der Freistellungsauftrag überschritten wird. Lag eine solche Nichtveranlagungsbescheinigung nicht vor und die Bank hat daher Steuern abgeführt, können diese über die Steuererklärung zurückgeholt werden.

Bei Minijobbern ist überdies zu berücksichtigen, dass diese Jobs immer dann nicht steuerpflichtig sind, wenn der Arbeitgeber die Pauschsteuer von zwei Prozent abführt. In diesem Fall wird durch die Einnahmen aus dem Minijob der Grundfreibetrag von 8.354 EUR nicht verbraucht.

Wie ist die Abgeltungssteuer für Gemeinschaftskonten geregelt?

Bei Gemeinschaftskonten von Eheleuten können die Ehepartner einen gemeinsamen Freistellungsauftrag stellen. Der maximale Betrag liegt hier bei 1.602 EUR

Ab 2015 erfolgt der Kirchensteuerabzug für Kapitalerträge über ein elektronisches Abrufverfahren. Müssen Sparer, die ihre Religionszugehörigkeit bisher nicht angegeben haben, rückwirkend mit Konsequenzen rechnen?

Das Abrufverfahren gilt für die Zukunft und nicht für vergangene Jahre. Wer seine Religionszugehörigkeit nicht angegeben hat, war allerdings schon bisher dazu verpflichtet, die Kirchensteuer im Rahmen der Einkommensteuererklärung nachzuerklären. Hat er das bisher nicht getan, sollte er dies nachholen. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass die Bank das Finanzamt von sich aus informiert, dass bisher keine Kirchensteuer abgeführt wurde. Allerdings kann es zu Prüfungen seitens der Finanzverwaltung bei den Banken kommen und über sogenannte Kontrollmitteilungen an das Wohnsitzfinanzamt abgeprüft werden, ob die Kirchensteuer erklärt wurde oder nicht.

Kann ich als Sparer nach wie vor verhindern, dass die Bank meine Religionszugehörigkeit erfährt?

Ja. Durch einen Widerspruch gegen den automatisierten Datenabruf der Religionszugehörigkeit. Dieser ist beim Bundeszentralamt für Steuern (www.bzst.de) unter Angabe der Steueridentifikationsnummer schriftlich zu stellen.

Hinweis: Trotz gewissenhafter Recherche kann die Richtigkeit und Aktualität der Angaben nicht garantiert werden.