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Fracking

Bei Umfragen zum Thema Fracking in Deutschland spricht sich stets eine große Mehrheit der Befragten dagegen aus. Doch ist die Fördermethode wirklich so problematisch? In diesem Ratgeber klären wir die wichtigsten Fragen rund um das Thema.

Was ist Fracking?

So funktioniert FrackingMithilfe des Hydraulic Fracturing, kurz Fracking, kann Gas und Öl gefördert werden, das in tiefen Gesteinsschichten gebunden ist. Da es sich bei dem Gestein oft um Tongesteine handelt, spricht man auch von Schiefergas. Beim Fracking wird ein Wasser-Sand-Gemisch, dem Chemikalien beigefügt sind, mit hohem Druck in die Gesteinsschichten gepumpt. So wird dieses aufgesprengt und das Gas kann durch das Gestein fließen. Durch den Sand bleiben die Gesteinsrisse geöffnet. Das Gas fließt dem Bohrloch zu und kann gefördert werden.

Eingesetzt wurde die Methode erstmals im Jahr 1949 in den USA. Zunächst wurde gefrackt, um sogenannte konventionelle Gas- und Ölvorkommen, bei denen der Rohstoff weitgehend selbstständig aus den Gesteinsporen entweichen kann, besser ausbeuten zu können. Um das Jahr 2005 begann man, mithilfe des Hydraulic Fracturing verstärkt auch Gas und Öl aus undurchlässigen Gesteinsschichten, sogenannte unkonventionelle Vorkommen, zu fördern. Die Fördermethode wird vor allem in den USA angewendet, insbesondere an der Ostküste, im Mittleren Westen sowie in Texas.

Info
Wird allgemein von „Fracking“ gesprochen, bezieht man sich in der Regel auf die Ausbeutung unkonventioneller Gas- und Ölvorkommen.

Wie gefährlich ist Fracking für die Umwelt?

Beim Hydraulic Fracturing werden verschiedene Chemikalien ins Erdreich gepumpt, die als umweltbelastend gelten und zudem in dem Ruf stehen, krebserregend zu sein. Nur ein Teil der Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien kann als sogenannter Flow-Back zurück an die Oberfläche gelangen, der Rest verbleibt in der Tiefe. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Chemikalien ins Grundwasser gelangen. Beim Flow-Back bleibt das Problem der Entsorgung der giftigen Chemikalien.

Problematisch ist auch der hohe Wasserbedarf beim Fracking. Pro Bohrloch werden bis zu 20.000 Kubikmeter Wasser benötigt, das sind 20 Millionen Liter. Paradoxerweise wird in den USA gerade in Gegenden gefrackt, die von Wasserknappheit betroffen sind.

Oftmals wird auch befürchtet, dass das Aufbrechen tiefliegender Gesteinsschichten die Erdbebengefahr erhöht. Ein Zusammenhang zwischen Fracking und Erdbeben ist einer Studie des Bundesamtes für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) jedoch nicht bewiesen.

Bremst Fracking die Energiewende aus?

In seinem Grundlagenwerkt „Fracking – Energiewunder oder Umweltsünde?“ führt Werner Zittel einen wichtigen Punkt an: Fracking verlängert das Zeitalter fossiler Brennstoffe künstlich und suggeriert, dass der Vorrat an Öl- und Gasvorkommen unerschöpflich ist.

Dabei sind auch die Vorkommnisse in tiefen Gesteinsschichten endlich und somit keine zukunftsträchtigen Energielieferanten. In den USA ist die Förderung von Öl und Gas innerhalb kürzester Zeit gestiegen. Wird weiterhin auf Öl und Gas gesetzt, bremst das die Energiewende aus. Die Tatsache, dass fossile Rohstoffe endlich sind, wird ausgeblendet und die Lösung dieses Problems aufgeschoben. In der Zwischenzeit steigt der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase weiter an.

Fracking weltweit

Fracking in den USA und Kanada

In den USA entstanden in kurzer Zeit viele Fracking-Unternehmen, es wurde von einem regelrechten Fracking-Boom gesprochen. Dank der unkonventionellen Fracking-Methode konnte man das Schwarze Gold auch in großer Tiefe vergleichsweise kostengünstig fördern. So wurden die USA zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für traditionelle Ölförderländer wie Saudi-Arabien oder Russland. Allerdings kam es so zu einem großen Überangebot auf dem internationalen Ölmarkt. Mit der Folge, dass die Preise für Öl und Gas regelrecht abstürzten. Darunter leiden alle Förderländer – also auch die Fracking-Unternehmen selbst. Immer mehr Investoren ziehen sich zurück. So wird die Fördermethode immer unrentabler, meinen Experten wie Werner Zittel.

In Kanada wird bereits seit den 1960er Jahren gefrackt, besonders in der Provinz Alberta, aber auch in British Columbia. Hier wurde der Förderfirma Talisman Energy 2011 sogar eine zwanzigjährige Lizenz zur Wasserentnahme erteilt, um das Wasser aus dem Williston-See für das Fracking einzusetzen. Doch immer mehr Stimmen werden in Kanada laut, die einen Zusammenhang mit Erdbeben und der umstrittenen Förderung von Schiefergasvorkommen vermuten. In der Provinz Québec gibt es daher bereits seit 2014 ein Moratorium, bis die Gefahren eindeutig geklärt sind.

Fracking in China und Südafrika

Auch in Asien und Afrika gibt es vereinzelte Versuche, Gasvorkommen aus Gesteinsschichten zu lösen und zu fördern. In China gab es erst 2011 die ersten Fracking-Bohrungen. Experten erwarten hier jedoch auf lange Sicht einen Anstieg, da hier die weltweit größten Schiefergasreseren vermutet werden. Eine Studie der amerikanischen Energy Information Administration (EIA) zeigte bereits 2013, dass sie die Schiefergasmengen der USA um die Hälfte übertreffen könnten. Weitere asiatische Länder könnten nachziehen.

In Südafrika hingegen wird schon seit Jahrzehnten angewendet, um die Erträge aus Bohrlöchern und Trinkwasserbrunnen zu steigern. Zwar gab es 2011 und 2012 ein Moratorium für Fracking von Schiefergas, doch aus wirtschaftlichen Erwägungen wird seither weiter gebohrt. Drei Firmen haben sich die Lizenzen gesichert, um auf etwa 20 Prozent der Gesamtfläche des Landes die versteckten Gesteinsgase zu fördern.

Fracking in Deutschland und Europa

In Deutschland war die Lage lange unklar. Anträge der Industrie lagen lange Zeit auf Eis, doch offiziell verboten war Fracking nicht, da sich die Politik lange nicht auf ein entsprechendes Gesetz einigen konnte. Dies ist nun anders: Seit Februar 2017 ist unkonventionelles Fracking per Bundesgesetz verboten. Nur in wenigen Ausnahmefällen wird Fracking zu Forschungszwecken zugelassen. Bislang plant jedoch keines der Bundesländer derartige Forschungsbohrungen.

Im Rest Europas gehen die Meinungen zum Fracking ebenfalls auseinander. Zwar hat sich das Europäische Parlament bereits 2013 dafür ausgesprochen, dass vor der Schiefergasförderung in jedem Mitgliedsland eine Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgen muss. Doch die Umsetzung bleibt den Mitgliedern selbst überlassen. In Österreich wurden erste Probebohrungen im Jahre 2012 zu wissenschaftlichen Zwecken bereits nach kurzer Zeit wegen Unwirtschaftlichkeit wieder eingestellt. In der Schweiz wird noch eingehend geprüft – vor allem, weil die gesetzlichen Grundlagen noch aus dem 19. Jahrhundert stammen und erst an die Voraussetzungen für Fracking angepasst werden müssen. Frankreich ist hier schon weiter: derzeit gibt es hier keine Konzession für Firmen, die Schiefergas per Fracking fördern wollen. Die französischen Firmen, die an Fracking interessiert sind, weichen daher zum Teil auf andere europäische Länder aus. Unter anderem gibt es in Dänemark und Polen Genehmigungen für Fracking.

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