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Gesetzliche Pflegeleistungen: Jeder fünfte Antragsteller geht leer aus

München, 1.8.2017 | 11:50 | are

Wer Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung beziehen möchte, muss einen Antrag bei seiner Versicherung stellen. Dabei wird rund jeder fünfte Antrag abgelehnt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor.

Senior unterzeichnet ein Dokument.Seit Inkrafttreten der Pflegereform werden weniger Anträge auf Pflegeleistungen abgelehnt.
Demnach hat der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) in den ersten fünf Monaten dieses Jahres knapp 350.000 Erstgutachten erstellt. Dabei wurde bei mehr als 70.000 Antragstellern (rund 20 Prozent) kein Pflegegrad festgestellt – sie gingen leer aus.

Fast 90.000 Antragsteller wurden dagegen im selben Zeitraum in den Pflegegrad 1 eingestuft. Damit haben sie Anspruch auf einen Entlastungsbetrag von bis zu 125 Euro pro Monat.

Wie aus der Antwort der Bundesregierung weiter hervorgeht, ist die Zahl der Ablehnungen im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Demnach wurden im letzten Jahr mehr als 30 Prozent der Anträge abgelehnt.
 

Medicproof lehnt zehn Prozent ab

Während der MDK gesetzlich Krankenversicherte begutachtet, ist das Unternehmen Medicproof für Privatversicherte zuständig. Im ersten Halbjahr 2017 wurden laut Angaben der Bundesregierung knapp 32.000 Erstgutachten von Medicproof erstellt. Dabei wurden nur rund zehn Prozent der Antragsteller abgelehnt.
 

Die Linke kritisiert aktuelle Lage in der Pflege

Fast die Hälfte der Erstantragsteller würden aktuell keine oder nur sehr wenige Leistungen erhalten, kritisierte die Vizefraktionschefin der Linken, Sabine Zimmermann, die aktuelle Lage. Mit Bedarfsdeckung habe das nichts zu tun.
 
Sie forderte daher eine solidarische Pflegeversicherung, in die alle einzahlen. Die Pflegereform habe die Pflege aus ihrer Sicht nicht entscheidend gestärkt.

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