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Deutsche zwischen Digitalskepsis und dem selbstzahlenden Auto Smartphone wird "Kontrollturm über alle Zahlungsströme"

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Digitale Bezahlverfahren sind hierzulande noch immer eine Randerscheinung. Ob sich das bald ändert und welche Rolle das Smartphone künftig bei unseren Geldgeschäften spielt, darüber haben wir mit Andreas Pratz, leitendem Finanzexperten bei A.T. Kearney, gesprochen.
Smartphone Banking

Dem Smartphone könnte bei unseren Geldgeschäften bald große Bedeutung zukommen.

Beim bargeldlosen Zahlungsverkehr hat sich zuletzt viel getan. So ist beispielsweise das kontaktlose Bezahlen mit der Kreditkarte an immer mehr Supermarktkassen möglich. Auch neue digitale Bezahlverfahren setzen heute vielfach auf die Kreditkarte. So hat zum Beispiel Mastercard einen eigenen Online-Bezahldienst an den Start gebracht, der mittlerweile eine interessante Alternative zu Paypal darstellt.

Für Zahlungen zwischen Privatpersonen haben die Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihren Apps kürzlich eine neue Funktion hinzugefügt, mit der das Geldversenden so einfach funktionieren soll wie das Verschicken einer SMS.

Selbst Jüngere zahlen am liebsten in bar

Doch während in anderen Ländern bereits am liebsten bargeldlos bezahlt wird, sei es an der Ladentheke oder unter Freunden, bleiben die Deutschen dem Bargeld treu. Beim Bezahlen via Mobilgerät gelten sie im internationalen Vergleich sogar als Schlusslicht. Selbst die junge Generation bezahlt hierzulande immer noch mit Scheinen und Münzen. Ein Anbieter, der hieran womöglich etwas ändern könnte, ist Apple. Dessen hauseigenes Bezahlsystem Apple Pay funktioniert über eine digitale Kreditkarte. iPhone-Nutzer können damit direkt über ihr Mobilgerät an der Supermarktkasse bezahlen. Allerdings hat Apple entgegen vieler Erwartungen auch 2016 noch kein Startdatum für seinen Bezahldienst in Deutschland bekannt gegeben.

Warten die Deutschen also nur noch auf die passenden digitalen Angebote – und wie könnten diese künftig aussehen? Darüber haben wir mit Andreas Pratz von der Beratungsfirma A.T. Kearney gesprochen. Pratz ist leitender Finanzexperte für Deutschland und beschäftigt sich insbesondere mit alltäglichen Bankprodukten wie Girokonten und Kreditkarten.

"Immer mehr vernetzte Geräte werden Zahlungen auslösen können"

Andreas

Andreas Pratz von A.T. Kearney

CHECK24: Gerade die Deutschen gelten als skeptisch und zurückhaltend gegenüber digitalen Bezahlmethoden. In anderen Ländern ist man da schon wesentlich weiter. Woran liegt das?

Andreas Pratz: Das Zahlungsverhalten ändert sich nur langsam und insbesondere bei Kartenzahlungen haben wir viel aufzuholen. In anderen Staaten, zum Beispiel in den nordischen Ländern, wurden immer wieder gezielte Kampagnen pro Karte oder sogar gegen Bargeld gefahren. Dagegen wurden die Vorteile von Kartenzahlungen hierzulande nur zurückhaltend kommuniziert. Das fehlt uns jetzt, wenn es um den nächsten Schritt geht: komfortables, sicheres Bezahlen auf Mobiltelefonen oder im Onlinehandel.

Sie raten Banken dazu, Schnittstellen für Drittanbieter wie Finanztechnologiefirmen (Fintechs) einzurichten. Was können solche Unternehmen für Bankkunden besser machen?

Schnittstellen zum Konto werden schlicht verpflichtend für alle Banken. Wir empfehlen aber, dies offensiv anzugehen und insbesondere nicht nur an Fintechs zu denken, sondern auch an die schnell wachsende Zahl vernetzter Geräte in jedem Haushalt.

Was haben diese Geräte mit meinem Bankkonto zu tun?

Immer mehr vernetzte Geräte werden Zahlungen auslösen können, von der Heizungssteuerung über die Kaffeemaschine bis zum Auto. Deren Hersteller werden leistungsfähige Konto- oder Kartenzahlverfahren wählen – bei dem Anbieter, der ihnen die beste Schnittstelle auf ein Konto bietet.

Kommt das digitale Bezahlen also mit dem Smart Home?

Mobilität und Smart Home werden klare Anwendungsfelder für von Geräten ausgelöste Bestellungen und Bezahlungen.

Vielen dürfte das Bezahlen via Smartphone derzeit noch wesentlich greifbarer scheinen als das selbstzahlende Auto. Was müsste passieren, damit wir beim Bezahlen an der Ladentheke oder im privaten Bereich auf das Smartphone setzen?

Mobiles Bezahlen hat überall dort Fuß gefasst, wo Banken ihren Kunden eine überzeugende Lösung angeboten haben. Hier ist Deutschland später dran, aber es passieren aktuell mehrere Initiativen. Leider lassen die zuständigen Behörden keine umfassende Zusammenarbeit aller Banken zu – zumindest noch nicht, was aus Kundensicht wünschenswert wäre.

Was sind die spannendsten Neuerungen, die Sie in den kommenden Jahren bei gewöhnlichen Bankprodukten wie Girokonten und Kreditkarten erwarten?

Für alle, die Kunden, den Handel, die Banken und Fintechs, ist die volle Digitalisierung noch eine andauernde Herausforderung. Hier passiert aber gerade sehr schnell sehr viel. Insbesondere mobilen Geräten kommt hier noch stärkere Bedeutung zu: für jede Art papierloser Finanzgeschäfte, aber auch als Kontrollturm über alle Zahlungsströme – damit bei allen neuen Bezahl- und Finanzangeboten der Überblick nicht verloren geht.

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