Sie sind hier:

Notaufnahme: Notaufnahme: SPD und AWO lehnen Notaufnahme-Gebühr ab

München, 18.7.2018 | 11:40 | mst

Die Kassenärzte hatten eine Gebühr für Patienten vorgeschlagen, die mit Bagatellbeschwerden eine Notaufnahme aufsuchen. SPD und Arbeiterwohlfahrt lehnen den Vorschlag entschieden ab.
 

Schild an einer NotaufnahmeEingang zur Notaufnahme: Die Kassenärzte hatten eine Gebühr ins Gespräch gebracht.
Der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, hat den Vorschlag einer Gebühr für die Notaufnahme zurückgewiesen. In einem Interview mit der Passauer Neuen Presse nennt er die Idee abwegig. „Das Problem ist, dass man bei Fachärzten viel zu lange auf eine akute Behandlung warten muss. Anstelle dieses Problem endlich zu lösen, will die Kassenärztliche Vereinigung die Patienten bestrafen. Was für eine irrige Idee!“, sagte Lauterbach der Zeitung.
 
Viele Patienten könnten gar nicht selbst entscheiden, ob es sich um einen Notfall handele oder mehr Zeit für eine Behandlung bleibe. Man solle nicht den Versuch unternehmen, die Patienten zu erziehen.
 
Der SPD-Politiker schlägt daher vor, dass in den Notaufnahmen auch niedergelassene Ärzte arbeiten sollten. Diese könnten Fälle behandeln, bei denen keine Notfallbehandlung notwendig sei.
 
Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hatte vorgeschlagen, dass Patienten, die mit Bagatellbeschwerden eine Notaufnahme aufsuchen, eine Gebühr zahlen sollten. Das sei in vielen Ländern Europas längst üblich.
 

Auch AWO lehnt eine Gebühr ab

Auch Sozialverbände kritisierten den Vorstoß des Chefs der Kassenärzte. So lehnt die Arbeiterwohlfahrt (AWO) eine Gebühr für die Notaufnahme entschieden ab. „Die Höhe von 50 Euro würde nur dazu führen, dass sozial ohnehin schon benachteiligte Menschen sich einen Notaufnahmebesuch nicht leisten können“, sagte Brigitte Döcker, Mitglied des AWO-Vorstands.
 
Statt von Patienten eine Gebühr zu verlangen, sollten die Öffnungszeiten der Arztpraxen verlängert werden. „Niemand, der einen niedergelassenen Arzt findet, der ihn behandelt, geht ohne Not in die Notaufnahme“, erklärte Döcker.

Weitere Nachrichten zum Thema Gesetzliche Krankenversicherung