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Krankenhaus-Report: Fast jedes zehnte Krankenhaus von Insolvenz bedroht

München, 22.6.2017 | 11:45 | mst

Das Wirtschaftsinstitut RWI hat am Mittwoch seinen Krankenhaus-Report vorgestellt. Die wirtschaftliche Lage vieler Kliniken bleibt schlecht. In einigen Regionen gibt es zu viele kleine Häuser und zu wenig Spezialisierung.
 

Chirurg im OP-SaalDie wirtschaftliche Lage der deutschen Kliniken bleibt schwierig.
Im Jahr 2015 war mit neun Prozent fast jedes zehnte Krankenhaus in Deutschland von der Insolvenz bedroht. Das geht aus dem aktuellen „Krankenhaus Rating Report“ des Wirtschaftsinstituts RWI hervor. Bei zwölf Prozent war die Ertragslage im „gelben“, bei 79 Prozent im „grünen“ Bereich.
 
Damit hat sich die wirtschaftliche Lage im Vergleich zu 2014 leicht verschlechtert. Die Ertragslage ist laut RWI praktisch unverändert: 21 Prozent der Krankenhäuser schrieben 2015 einen Jahresverlust.
 

Den Kliniken fehlen jedes Jahr 2,6 Milliarden Euro

Nach Angaben des RWI verfügen die deutschen Kliniken immer noch über zu wenig Kapital. Das Institut geht davon aus, dass den Häusern jedes Jahr insgesamt 2,6 Milliarden Euro fehlen. Berücksichtige man den vorhandenen Investitionsstau, sei die Finanzierungslücke noch größer.
 
Bei der wirtschaftlichen Lage zeigt sich ein Ost-West-Gefälle. In den ostdeutschen Bundesländern war die Lage 2015 am besten. Am schwierigsten war sie dagegen in Bayern, Niedersachsen, Bremen, Hessen sowie Baden-Württemberg.
 
Nach Auswertung des RWI ist die Lage in einigen Regionen immer noch ungünstig. Es gebe zu viele kleine Einrichtungen, eine zu hohe Dichte an Kliniken und zu wenig Spezialisierung. Der Krankenhausstrukturfonds scheint jedoch gut angenommen zu werden.
 
75 Prozent der Anträge beim Fonds entfielen auf Konzentrationsmaßnahmen, 22 Prozent auf den Abbau von Kapazitäten. Der Fonds wurde 2016 eingerichtet und soll 2018 wieder auslaufen.
 

RWI: Krankenhausstrukturfonds nach 2018 fortführen

Das RWI regt an, den Strukturfonds auch über das Jahr 2018 hinaus fortzuführen. Um eine ideale Krankenhausstruktur in Deutschland zu erreichen, benötige man voraussichtlich rund zwölf Milliarden Euro. Das Geld sollte aus Steuermitteln von Bund und Ländern kommen.
 
Die Zahl der Krankenhausbetten fiel 2015 erstmals unter die Marke von 500.000. Die Zahl der Kliniken reduzierte sich um 1,2 Prozent auf 1.956, die durchschnittliche Verweildauer der Patienten auf 7,3 Tage. Gleichzeitig nahm die Zahl der Krankenhausbehandlungen um 0,5 Prozent leicht zu.

Für den Krankenhaus-Report wurden 506 Jahresabschlüsse von Kliniken aus dem Jahr 2014 sowie 201 Abschlüsse aus 2015 ausgewertet.

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