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Verdacht auf Manipulationen: Kliniken und Ärzte fordern Ermittlungen gegen Kassen

München, 11.10.2016 | 12:55 | mst

In einem Interview hatte der Chef der Techniker Krankenkasse (TK) behauptet, die Krankenkassen würden systematisch die Diagnosen von Patienten manipulieren. Die AOK widerspricht, Vertreter von Krankenhäusern und Ärzten fordern Ermittlungen.
 

Vertreter von Krankenhäusern und Ärzten möchten möglichst schnell aufklären, ob bei Diagnosen systematisch manipuliert wird.Vertreter von Krankenhäusern und Ärzten möchten möglichst schnell aufklären, ob bei Diagnosen systematisch manipuliert wird.
In einem Interview hatte der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas behauptet, die Krankenkassen würden Ärzte dazu drängen, schwerwiegendere Diagnosen zu erstellen. Dadurch könnten sie selbst mehr Geld aus dem Risikostrukturausgleich erhalten.
 
Als Reaktion auf die Aussagen von Baas fordern die kommunalen Krankenhäuser nun Ermittlungen. Man erwarte, dass dieser ungeheuerliche Verdacht umgehend staatsanwaltschaftlich aufgeklärt werde, sagte Susann Breßlein, die stellvertretende Vorsitzende des Interessenverbands Kommunaler Krankenhäuser.
 

Breßlein: Kassen zweifeln Abrechnungen der Kliniken an

Es scheine so, dass die Kassen Beitragsmittel in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro jährlich zweckentfremdeten, um sich ungerechtfertigte Zahlungen zu sichern. Es sei besonders zynisch, dass die Kassen gleichzeitig Abrechnungen der Kliniken anzweifeln und ihnen so mehrere Millionen Euro vorenthalten würden.
 

AOK zeigt sich erstaunt

Die AOK weist die Manipulationsvorwürfe ihrerseits zurück. Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands Martin Litsch sagte, dieser Rundumschlag gegen Ärzte, Aufsichten und Krankenkassen erstaune alle. „Tatsächlich geht es dem TK-Chef vor allem um die Diskreditierung des Risikostrukturausgleichs und Verunsicherung auf breiter Front“, so Litsch.
 

Montgomery: Betrügereien schaden der Versorgung

Die Bundesärztekammer (BÄK) fordert eine schnelle Aufklärung der eingeräumten Manipulationen. „Der Gesetzgeber sollte nicht lange zögern und Konsequenzen ziehen. Was wir hier erleben, ist Betrug unter Krankenkassen. Das schädigt die Beitragszahler massiv“, sagte der BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery.
Es sei ein starkes Stück, dass sich ausgerechnet die Kassen selbst korrupt verhalten würden, die den Ärzten bei jeder Gelegenheit vorwerfen würden, korrupt zu sein.
 

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