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Bertelsmann-Stiftung: Deutsche werden immer häufiger am Rücken operiert

München, 19.6.2017 | 10:52 | are

Zwischen 2007 und 2015 ist die Zahl der Rückenoperationen um 71 Prozent auf 772.000 Eingriffe gestiegen. Auffällig dabei: Je nach Wohnort wird bis zu 13-mal häufiger operiert als andernorts. 

Arzt und Patientin schauen auf Röntgenaufnahme von Wirbelsäule.Rückenoperationen werden je nach Wohnort unterschiedlich häufig durchgeführt.
Das geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Untersucht wurden die drei häufigsten Arten von Operationen wegen Rückenschmerzen.

Eine dieser Operationen ist die Versteifung der Wirbelsäule. Demnach kommt es je 100.000 Einwohner durchschnittlich zu 89 Versteifungsoperationen. In Fulda waren es dagegen 239. Das sind 13-mal so viele wie etwa in Frankfurt an der Oder.

2015 gab es insgesamt 611.000 Klinikaufenthalte wegen Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens. 
 

200.00 Menschen wegen Rückenschmerzen im Krankenhaus

Allein wegen der häufigen Diagnose Rückenschmerzen wurden im Jahr 2015 insgesamt 200.000 Menschen in einem Krankenhaus behandelt. 2007 lag die Zahl noch bei 116.000 Behandlungen – eine Steigerung um 73 Prozent.
 
Auch hier werden die Versorgungsunterschiede immer größer. Während in Heidelberg 58 von 100.000 Menschen wegen Rückenschmerzen stationär behandelt werden, sind es in Osterrode am Harz 919 Personen. Die Mehrzahl dieser Patienten erhält dabei weder eine Schmerztherapie noch einen operativen Eingriff.
 

Experten fordern mehr Transparenz in der Gesundheitsversorgung

Die Autoren der Studie sehen mehrere Gründe für die regionalen Unterschiede bei Rückenoperationen. So würden sich die Organisation der Versorgung sowie die Vorgehensweise bei Diagnostik und Therapie von Rückenleiden regional stark unterscheiden.
 
„Es braucht dringend mehr Transparenz über die Gesundheitsversorgung vor Ort, um Über- oder Unterversorgung zu vermeiden“, sagte Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Experten der Stiftung fordern zudem die Entwicklung medizinischer Leitlinien und eine umfassendere Patientenberatung.

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