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AOK-Studie: IGeL-Leistungen vor allem für Besserverdienende

München, 26.2.2019 | 14:06 | msc

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) werden vor allem Patienten mit höherem Einkommen und Schulbildung angeboten. Dies zeigt eine Studie der AOK. Rund drei von vier IGeL-Angeboten stammen von Fachärzten, Allgemeinmediziner bieten solche Selbstzahler-Leistungen seltener an.

Arzt berät älteren PatientenDrei von vier IGeL-Angeboten stammen von Fachärzten
Als IGeL bezeichnet man Diagnose- und Behandlungsmethoden, die nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung abgedeckt werden und vom Versicherten privat gezahlt werden müssen. Ob ein Arzt eine IGeL anbietet, hängt allerdings stark von Einkommen und Schulbildung des Patienten ab. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage mit 2.000 Teilnehmern des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).
 
So wurden 29 Prozent der Kassenpatienten im letzten Jahr eine IGeL angeboten, wovon rund 72 Prozent die Selbstzahler-Leistung annahmen. Bei Befragten mit einem Einkommen von unter 2.000 Euro wurden 22 Prozent angesprochen, bei Personen mit einem Einkommen über 4.000 Euro 35 Prozent. „Ob ein Patient eine IGeL-Leistung angeboten bekommt, hängt weniger vom Alter und dem Gesundheitszustand ab als von seinem Portemonnaie“, sagte Klaus Zok, der Studienleiter des WIdO. Dies lasse am medizinischen Nutzen vieler dieser Leistungen Zweifel aufkommen.

Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung am häufigsten angeboten

Neben sinnvollen IGeL-Leistungen wie Reiseimpfungen werden am häufigsten Ultraschalluntersuchungen zur Krebsfrüherkennung angeboten (26,9 Prozent). Dabei handelt es sich laut WIdO zum Teil allerdings auch um fragwürdige Untersuchungen wie die Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke (14 Prozent)  –  eine Methode der Krebsfrüherkennung, für die es laut Studien keinen Beleg für einen Nutzen gibt.

Etwa elf Prozent der IGeL-Angebote entfallen auf Blutuntersuchungen und Laborleistungen sowie rund zehn Prozent auf Medikamente und Heilmittel. In sieben Prozent der Fälle werden ergänzende Krebsfrüherkennungen an Frauen angeboten. 

Drei von vier IGeL-Angeboten stammen von Fachärzten

72 Prozent aller Zusatzleistungen werden von insgesamt fünf Facharztgruppen angeboten: von Frauenärzten (28 Prozent), Augenärzten (22 Prozent), Orthopäden (13 Prozent), Hautärzten (sechs Prozent) und Urologen (drei Prozent).

Praktische Ärzte und Allgemeinmediziner weisen in nur 19 Prozent der Fälle auf IGeL-Angebote hin. Somit bieten Augenärzte im Durchschnitt siebenmal häufiger Zusatzleistungen an als Allgemeinmediziner, Frauenärzte fast fünfmal so häufig.

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