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Minuszinsen aufs Tagesgeld Hamburger Volksbank liebäugelt mit Strafzinsen

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Was 2016 noch ein Randphänomen war, könnte 2017 Mode werden: Erstmals stehen in einer deutschen Großstadt Strafzinsen für private Sparer auf dem Plan.
Hamburg Speicherstadt

Hamburg: Verbraucher aus der Hansestadt müssen sich womöglich auf Strafzinsen gefasst machen.

Die Hamburger Volksbank zieht Negativzinsen auf die Tagesgeldkonten privater Sparer in Betracht. Das berichtet das Hamburger Abendblatt. Konkret prüfe das Geldhaus die Einführung eines Zinssatzes von -0,20 Prozent p.a. auf Einlagen ab einer halben Million Euro, wie die Genossenschaftsbank gegenüber der Zeitung in Aussicht stellt.

Bislang gibt es den Strafzins also nur in der Theorie – sollte das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden, so würden betroffene Kunden jedoch rechtzeitig informiert und über Alternativen aufgeklärt, versichert die Hamburger Volksbank.

Strafzinsen erreichen deutsche Metropolen

Zum Ende des Jahres 2015 zählte die Hamburger Volksbank 114.807 Kunden. Die Spareinlagen aller Anleger der Genossenschaftsbank summierten sich seinerzeit auf 371 Millionen Euro, so der Geschäftsbericht für das Jahr 2015.

Die Hamburger Volksbank mag nicht zu den größten Geldhäusern Deutschlands zählen und in Anbetracht einer Untergrenze von 500.000 Euro dürfte der ins Auge gefasste Strafzins nur wenige Kunden betreffen. Dennoch: Erstmals würden Strafzinsen damit auch für Privatkunden in einer Großstadt der Republik Realität.

Bislang hatten ausschließlich kleine Regionalbanken Strafzinsen im Privatkundengeschäft eingeführt, namentlich die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee, die Volksbank Stendal und die Skatbank aus dem thüringischen Altenburg. So werden in Gmund und Stendal seit Herbst 2016 0,40 Prozent Zinsen ab einer Einlagenhöhe von 100.000 Euro fällig. Bei der Skatbank sind Strafzinsen schon seit 2014 gang und gäbe, allerdings erst ab 500.000 Euro Guthaben. Nach bislang 0,25 Prozent jährlich werden auch hier neuerdings 0,40 Prozent pro Jahr fällig.

Einen Sonderfall stellt die Volks- und Raiffeisenbank Niederschlesien dar. Sie verlangt keine Zinsen im engeren Sinne, dafür aber ab dem ersten Cent eine Kontoführungsgebühr von fünf bis 50 Euro, je nach Einlagenhöhe – real also ebenfalls negative Zinsen, die im Gegensatz zu Gmund, Stendal und Altenburg auch kleine Sparer betreffen.

Auch die Sparkassen betreten nach und nach das Negativzins-Territorium

Die Hamburger Sparkasse, kurz Haspa, plant derzeit ebenfalls die Einführung von Negativzinsen – allerdings nur für Geschäftskunden. Am anderen Ende Deutschlands sieht es ähnlich aus: Ab April werden bei der Stadtsparkasse München Einlagen von Firmenkunden und institutionellen Anlegern ab einer Höhe von 250.000 Euro mit -0,40 Prozent p.a. verzinst.

Im Privatkundengeschäft der Sparkassen sind Negativzinsen indes noch nicht angedacht. Dass private Sparer jedoch auf Dauer verschont bleiben, hatte Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon schon im April 2016 in Zweifel gestellt. Der Grund: die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Notenbank verlangt bereits seit Mitte 2014 Zinsen auf die Einlagen der Euro-Geschäftsbanken und hatte den Einlagesatz seither mehrfach gesenkt – zuletzt im März 2016 auf -0,40 Prozent. Dass die EZB in absehbarer Zeit einen neuen Kurs einschlägt und den Zinssatz wieder anhebt, scheint vorerst unwahrscheinlich. Die Ertragslage deutscher Banken bleibt also bis auf Weiteres schwierig – und Strafzinsen bei weiteren Geldhäusern, mitunter auch den Sparkassen, rücken näher.

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