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Erst ab 2019: Reform des Pflege-TÜVs verzögert sich

München, 11.10.2017 | 11:59 | are

Die Kritik am aktuellen Bewertungssystem für Heime und Pflegedienste ist seit Jahren groß. Eine Reform des Pflege-TÜVs tritt allerdings später in Kraft als geplant. Das sagte der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenversicherung (MDS) Peter Pick der Frankfurter Rundschau. 

Bewohner eines Altenheims sitzen zusammen.Weil nötige Informationen fehlen, haben viele Deutsche Angst, nicht das richtige Pflegeheim zu finden.
Demnach wird der neue Pflege-TÜV für Pflegeheime voraussichtlich 2019 eingeführt. Für ambulante Dienste gilt das neue Bewertungssystem erst ab 2020. Das ist jeweils ein Jahr später als ursprünglich geplant. Der gesetzlich vorgegebene Zeitplan zur Erarbeitung des neuen Systems war laut Peter Pick vom MDS nicht zu halten.

Für die Entwicklung des neuen Qualitätsprüfungssystems sind die Betreiber der Pflegeheime sowie die Pflegekassen zuständig.
 

Drei Säulen statt Pflegenoten

Bisher erhalten Heime und Pflegedienste nach einer Überprüfung Pflegenoten, mit denen die Qualität der Einrichtung oder des Dienstes bewertet wird. Dieses System steht allerdings in der Kritik, da die Noten vorhandene Missstände nicht aufdecken und die Zustände beschönigen würden.

Das neue Prüfungssystem soll laut Pick ohne Noten auskommen und auf drei Säulen basieren. Erstens müssen Heime künftig Ergebnisindikatoren veröffentlichen – beispielsweise die Gewichtsverläufe der Bewohner, da diese auf Probleme bei der Nahrungsaufnahme hinweisen könnten. Die Qualitätskontrollen des Medizinischen Dienstes vor Ort sind die zweite Säule des Bewertungssystems. Drittens müssen Heime in Zukunft konkrete Angaben etwa darüber machen, welche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sie bieten und ob Haustiere erlaubt sind.

Diese Informationen sollen in einem offiziellen Portal übersichtlich dargestellt und erläutert werden, sagte Pick.
 

Lauterbach: Gesundheitsminister Gröhe muss handeln

Anlässlich der Verzögerung forderte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auf, sofort zu handeln.

„Allein in diesem Jahr kommen hunderttausende Pflegebedürftige dazu. Wie soll man denen erklären, dass sie deshalb kein geeignetes Heim finden können? Das ist nicht akzeptabel“, sagte er den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft.

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