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Nach Gebührenerhöhungen und vereinfachtem Kontowechsel Jeder Zehnte wechselt das Girokonto

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Bleiben oder wechseln? Diese Frage stellen sich immer mehr Girokontoinhaber – und entscheiden sich zunehmend für den Wechsel, zeigen Umfrageergebnisse. Kein Wunder, wird das Girokonto doch teurer und geht der Umzug desselben inzwischen leichter vonstatten.
Gebühren Girokonto

Immer mehr Bankkunden wechseln wegen steigender Gebühren ihr Girokonto.

Der Wechsel des Girokontos kommt in Mode. Innerhalb der letzten zwölf Monate hat sich die Zahl der Kontowechsler beinahe verdoppelt, so das Ergebnis einer Yougov-Umfrage unter 3.000 volljährigen Bankkunden*. Jeder Zehnte ist demnach innerhalb des letzten Jahres mit seinem Girokonto zu einer anderen Bank umgezogen. Jeder Zwölfte will das in den kommenden zwölf Monaten nachholen. Etwa doppelt so viele sind noch unentschlossen, liebäugeln aber bereits mit einem Girokontowechsel.

Die Gründe liegen auf der Hand: Immer mehr Banken, insbesondere die mit eigenem Filialgeschäft, bitten ihre Kunden zur Kasse. Vom klassischen Kontoführungsentgelt über steigende Kosten für beleghafte Überweisungen bis hin zu den derzeit viel diskutierten Gebühren für Bargeldabhebungen: Die Geldhäuser erschließen in Anbetracht der derzeitigen Niedrigzinsen neue Ertragsquellen – zum Leidwesen ihrer Kunden. Die müssen das aber nicht ohne Weiteres hinnehmen, erst recht nicht, wo doch der Wechsel des Girokontos seit einem guten halben Jahr leichter von der Hand geht – denn per Gesetz sind die bisherige und die künftige kontoführende Bank seit September letzten Jahres zur Mithilfe beim Kontoumzug verpflichtet.

Noch haben die Filialbanken die Oberhand, …

Allem Gebührenärger zum Trotz halten unzählige Kunden ihrer Bank die Treue. Das zeigte sich zuletzt bei der Postbank: Sie hatte mit ihrer neuen Gebührenordnung im Herbst letzten Jahres für Schlagzeilen gesorgt. Die befürchtete Kündigungswelle blieb aber aus. „Es gab weniger Kündigungen als erwartet“, so das Fazit der größten überregionalen Filialbank des Landes.

Auch die Umfrageergebnisse von Yougov zeigen: Die Mehrheit der Deutschen hält an der Filialbank fest. So führen vier von fünf Bankkunden ihr Hauptkonto dort. Etwas mehr als jeder Zweite hat all seine Konten bei einer Filialbank.


Grund zu bleiben: Jeder dritte Nicht-Wechsler verzichtet laut Umfrage auf den Kontoumzug, weil er bei seiner aktuellen Bank nach eigenen Angaben niedrige Kontoführungsgebühren bezahlt.


… aber die Direktbanken holen auf

Ganz spurenlos geht die zunehmende Wechselbereitschaft der deutschen Kontoinhaber an den Filialbanken aber nicht vorbei. Eine gute halbe Million Kunden hat etwa die Postbank im vergangenen Jahr verloren, die Hälfte davon allein seit Einführung ihres neuen Gebührenmodells. Viele von ihnen zog es zur Direktbank – zu Deutschlands größter Direktbank, um genau zu sein. 370.000 neue Kunden konnte die ING-DiBa 2016 für ihr kostenloses Girokonto gewinnen, darunter auch viele einstige Postbank-Kunden.

Auch hier decken sich die Erfahrungen einzelner Banken mit den Zahlen der Yougov-Umfrage: Jeder achte Kontoinhaber in Deutschland hat demnach inzwischen seine Hauptbankverbindung bei einer Direktbank – im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Anteil von zehn auf dreizehn Prozent gestiegen.


Grund zu wechseln: Als wichtigsten Grund für den Girokontowechsel nannten die Umfrageteilnehmer, dass das Girokonto bei einem anderen Anbietern günstiger sei.


Einen Grund, das Girokonto zu wechseln, werden Bankkunden wohl auch in Zukunft haben. Nach Einschätzung Michael Kemmers sei eine Quersubventionierung des Girokontos so nicht mehr möglich, Banken kehrten vermehrt zu einer verursachergerechten Kostenweitergabe zurück. „Die Zeiten einer Kostenloskultur sind wahrscheinlich schon vorbei“, zitiert das Handelsblatt den Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, dem 200 Kreditinstitute angehören.

* Zeitraum der Umfrage: 7. bis 14. März 2017

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