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Stiftung Warentest zieht Bilanz Girokontowechsel funktioniert einfach, aber noch nicht schnell genug

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Mit einem Girokontowechsel können Bankkunden viel Geld sparen – doch gelingt der Umzug des Kontos mit den neuen digitalen Wechselservices wirklich so einfach wie vielfach beworben? Praxistests geben Aufschluss.
Der Girokontowechsel mit einem Kontowechselservice funktioniert einfach, aber noch nicht schnell genug.

Funktionieren Kontowechselservices so gut wie sie sollten oder muss sich der Kunde letzten Endes doch um alles selbst kümmern?

Tim Sukitz* führte zwei Jahre lang ein Konto bei der Hypovereinsbank. Mit deren Leistungen war er zufrieden, dennoch wechselte er vor drei Monaten zur DKB. Der Grund: Einige seiner Freunde haben ihr Konto bereits zu der Direktbank umgezogen und sparen sich seit dem Wechsel ein nettes Sümmchen. Der Vergleich mehrerer Angebote festigte seinen Entschluss und zeigte, dass das Konto der DKB seine wichtigsten Ansprüche erfüllt. Als sogenannter Aktivkunde** zahlt Sukitz nichts für die Kontoführung, das Abheben von Bargeld und den Einsatz der Kreditkarte im In- und Ausland. Doch vor dem Wechsel graute ihm: „Wenn mir meine Freunde nicht erzählt hätten, dass das mittlerweile alles digital funktioniert, wäre ich wahrscheinlich zu faul gewesen“, gibt der Münchner zu.
 
Alles digital: Seit 18. September letzten Jahres müssen Bankkunden, die mit ihrem Girokonto zu einer anderen Bank umziehen wollten, ihre Zahlungspartner – etwa Arbeitgeber, Vermieter, Vereine, Stromversorger oder Telekommunikationsanbieter – nicht mehr selbst über die neue Kontoverbindung informieren. Das neue Zahlungskontengesetz verpflichtet beide am Wechsel beteiligten Banken, ihre Kunden beim Umzug zu unterstützen. Bei Sukitz klappte das – allerdings nicht vollständig reibungslos. Ähnliche Erfahrungen machten vor Kurzem auch Tester der Stiftung Warentest.
 

Der Kontowechselservice ist nicht immer kostenlos
Wie Finanztest berichtet, kostet der Service bei der Nürnberger Sparkasse 14,90 Euro. Sie verlangt nur dann kein Entgelt, wenn der Kunde die Schreiben an seine Zahlungspartner selbst druckt und verschickt. Der Kontowechselservice von CHECK24 ist hingegen kostenlos. Mit ihm kann das Konto bequem von zuhause aus umgezogen werden – schnell, sicher und gebührenfrei.

In einer stichprobenartigen Untersuchung fanden sie heraus, dass der Kontowechsel trotz der digitalen Kontowechselservices, die viele Geldhäuser bereits anbieten, noch nicht so schnell und einfach funktioniert wie vom Gesetzgeber gewünscht. Wie dem Mitte Mai im Verbrauchermagazin Finanztest veröffentlichten Onlinebericht zu entnehmen ist, war bei keiner der drei zufällig getesteten Banken der Wechsel innerhalb der vorgeschriebenen Zeit möglich. Einmal war technisches Versagen die Ursache dafür, einmal Unsicherheit aufseiten der Tester und einmal war die Schuld bei den Zahlungspartnern zu suchen. Auch das digitale Unterschreiben der Informationsschreiben funktionierte in einem Fall nicht problemlos.

Schwachstellen: Die häufigsten Probleme beim Kontowechsel

Aus Sicht von Sukitz klappte der Kontowechsel „schneller als gedacht“, allerdings stieß auch er an einigen Stellen auf Probleme. Nach der Kontoeröffnung nutzte er den Kontowechselservice der DKB. „Dafür habe ich mich in mein neues Konto eingeloggt und wurde dann aufgefordert, mich auch mit den Zugangsdaten meines alten Kontos anzumelden“, berichtet er. Eine Liste seiner Lastschriften, Daueraufträge und Geldeingänge der letzten 13 Monate wurde angezeigt. „Dort habe ich angeklickt, welche davon umgezogen werden sollen, habe elektronisch unterschrieben und um den Rest haben sich dann die Banken gekümmert“, so Sukitz. Unter diesen Rest fällt das Verschicken der Informationsschreiben per Post an die Zahlungspartner, aber auch das Einrichten der Daueraufträge im Onlinebanking des neuen Instituts.

Dreimal hatte Sukitz Probleme: Der KFZ-Steuerbehörde und dem Amt, das sich um die Auszahlung des Elterngeldes für seine drei Monate alte Tochter kümmert, musste er seine neue IBAN und BIC selbst mitteilen. Auch bei Amazon musste er selbstständig seine Kreditkartendaten ändern – darauf hat ihn die Bank allerdings hingewiesen. Letzteres ist auch einer der Punkte, die die Stiftung Warentest als verbesserungswürdig ansieht. Als weitere Zahlungspartner, denen Kunden ihre neue Bankverbindung selbst mitteilen müssen, nennt sie etwa Paypal und Ebay. Positiv merken die Tester an, dass die Bank den Kunden darauf in der Regel aufmerksam macht.
 
Verbesserungsbedarf sieht Finanztest darüber hinaus vor allem bei diesen Punkten:
  • In der Zahlungsübersicht werden nicht nur regelmäßige Lastschriften (zum Beispiel der Einzug der Miete) aufgelistet, sondern auch einmalige (zum Beispiel, wenn der Kunde mit der Girocard in einem Geschäft bezahlt hat). Für Bankkunden wäre es einfacher, wenn nur regelmäßige Abbuchungen in der Liste erscheinen würden.
  • Daueraufträge sollten sich einfacher auf das andere Konto übertagen lassen.
  • In der Auflistung der Daueraufträge, Geldeingänge und Lastschriften fehlen zum Teil die Adressen der Zahlungspartner. In so einem Fall muss der Kunde diese dann entweder im Internet suchen oder seine alten Verträge hervorkramen.
  • Manchmal akzeptieren Zahlungspartner die gescannte Unterschrift auf den Informationsschreiben nicht. In so einem Fall muss der Kunde noch einmal schriftlich bestätigen, dass sich die Kontoverbindung geändert hat.

Fazit der Stiftung Warentest zu den digitalen Wechselservices

Das Fazit der Stiftung Warentest lautet insgesamt: Acht Monate nach der Einführung des Gesetzes gibt es zwar noch Verbesserungsbedarf, aber im Großen und Ganzen ist der Kontowechsel für Bankkunden bereits einfacher geworden. Dieser Eindruck deckt sich mit Sukitz‘ Erfahrung: „Der Kontowechselservice hat bei mir gut funktioniert. Ich konnte das alles von zuhause aus machen.“ Dass der Wechsel heute auf diesem Weg möglich ist, geht auf das Zahlungskontengesetz zurück, das im vergangenen September in Kraft getreten ist. Es besagt, dass die beteiligten Banken für den Umzug zwölf Geschäftstage Zeit haben. Das Gute dabei für den Kunden: Sollte etwas schiefgehen, haften die Geldhäuser. Sukitz wollte sich allein darauf nicht verlassen. Lange sei er sich nicht ganz sicher gewesen, ob wirklich alles geklappt hat. Deshalb habe er sicherheitshalber drei Monate lang beide Konten parallel geführt. „Aber derzeit sieht es nicht so aus, als wäre ein Zahlungsauftrag vergessen worden. Daher werde ich mein altes Konto Ende Mai kündigen.“
 
Damit hat Tim Sukitz einen Schritt getan, vor dem immer noch viele Deutsche zurückschrecken. In puncto Girokonto gelten sie als Wechselmuffel. Doch wenn Gebührenerhöhungen oder gar Strafzinsen ins Spiel kommen, zeigen sich laut einer repräsentativen Umfrage der ING-DiBa immerhin zwei von fünf Bankkunden wechselbereit. Die Hälfte der Deutschen fragt in so einer Situation zunächst bei der eigenen Bank nach einem günstigeren Kontomodell. Nur jeder Zwölfte unternimmt bei einer Kostensteigerung gar nichts. Für Sukitz und seine Freunde war das allerdings keine Option, erst recht, weil der Wechsel mittlerweile keinen großen Verwaltungsaufwand mehr mit sich bringt.

So hat Finanztest getestet

Finanztest hat drei Testpersonen ihr onlinegeführtes Girokonto mithilfe eines digitalen Kontowechselservices zu einem neuen Onlinekonto umziehen lassen. Die getesteten Banken wurden per Zufallsprinzip ausgewählt. Gewechselt wurde von der Sparkasse Leipzig zur DKB, der Förde Sparkasse zur Berliner Sparkasse und der Hypovereinsbank zur Comdirect Bank.

Beim Wechsel von der Hypovereinsbank zur Comdirect Bank erschien keine Übersichtsliste aller Zahlungen. Gegenüber Finanztest bestätigte ein Mitarbeiter der Comdirect Bank, dass es auch in der Vergangenheit schon Probleme beim Wechsel von der Hypovereinsbank gegeben habe. Bei der Berliner Sparkasse wusste eine Mitarbeiterin nicht, dass Geldhäuser auch dann zur Hilfestellung verpflichtet sind, wenn der Kunde keinen digitalen Wechselservice in Anspruch nehmen möchte. In diesem Fall war der Umstieg auf den digitalen Service notwendig.


* Name von der Redaktion geändert
** Als Aktivkunde gilt bei der DKB, wer ab dem 1. Dezember 2017 über einen monatlichen Geldeingang von mindestens 700 Euro verfügt. Der Mindestbetrag pro kostenloser Bargeldabhebung mit der Kreditkarte beträgt 50 Euro.
 

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