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Vom Niedrigzins keine Spur Die dreisten Dispo-Tricks der Banken

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Wer derzeit einen Ratenkredit oder eine Baufinanzierung abschließt, kann leicht von den historisch niedrigen Zinsen profitieren. Die Dispozinsen haben sich dagegen kaum verändert. Immerhin sollten die Banken seit vergangenem Jahr ihre Dispozins offen kommunizieren. Doch damit halten es die Institute ganz unterschiedlich.
Dispozinsen

Wie der Dispozins zustande kommt, ist bei einigen Banken reichlich unklar.

9,78 Prozent zahlen deutsche Bankkunden im Mittel für die Überziehung ihres Girokontos. Gegenüber dem Vorjahr ist der mittlere Dispozins damit gerade mal um 0,13 Prozentpunkte zurückgegangen. Das hat die Zeitschrift Finanztest beim Vergleich der Konditionen von insgesamt 1.433 Banken festgestellt. Besonders viel verlangen demnach häufig die regionalen Institute. Die höchsten Zinsen von 13 Prozent aufwärts finden sich allesamt bei regionalen Genossenschaftsbanken. Besonders günstig sind die Dispozinsen dagegen oftmals bei Direktbanken.

Auch wenn sich bei den Zinsen insgesamt wenig geändert hat, ist es für die Bankkunden mittlerweile nachvollziehbarer geworden, wie die jeweils aktuellen Dispozinsen ihrer Bank zustande kommen. Denn mit dem 2016 in Kraft getretenen Zahlungskontengesetz, sind die Gelhäuser verpflichtet, die Höhe der Zinsen im Internet klar, eindeutig und auffallend auszuweisen. Bereits seit 2010 müssen Verbraucher nachvollziehen können, wie und wann sich die Zinsen ändern. Das regeln die Banken meist über eine Zinsanpassungsklausel, bei der sich der jeweils aktuelle Dispozins an einem Referenzwert orientiert. Häufig wählen sie dafür den Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) oder der 3-Monats-Euribor, also Zinssätze, zu denen sie sich selbst Geld leihen – entweder von der Zentralbank oder von anderen Geschäftsbanken.

Doch transparent sind die Verzeichnisse laut Finanztest längst noch nicht bei allen Banken, wie die folgenden Beispiele zeigen:
  • Bei fünf der überprüften Institute war der Zinssatz für die Tester überhaupt nicht ersichtlich. Bei anderen fand sich der Dispozins unter Stichworten wie „Wohnimmobilienkreditrichtlinie Girokonto“ oder „Wunschkredit“. Bei einer Bank fanden sie die Angabe statt im Preisaushang lediglich über die Google-Suche.
  • Doch selbst mit der entsprechenden Klausel im Preisverzeichnis ist oft längst nicht auf dem ersten Blick klar, wie der Dispozins zustande kommt. Einige Banken bilden die Höhe ihrer Dispozinsen offenbar nach dem Muster „Referenzzinssatz plus Aufschlag von x Prozent“ ab.
  • Bei anderen hängt der Dispozins von der Bonität der Kunden ab.
  • Ein weitere Variante, die eigene Festlegung zu umgehen: Einige Banken senken den Dispozins nicht mehr, sobald der Referenzzins in den negativen Bereich rutscht.
  • Dass selbst bei negativem Referenzzins der Dispozins noch steigen kann, zeigt etwa der Fall der Frankenberger Bank. Diese hatte seit der letzten Untersuchung ihren Dispozins um knapp zwei Prozent erhöht, in dem sie einfach die entsprechende Klausel geändert hat. Aus dem Aufschlag von acht Prozent auf den Referenzzins wurden kurzerhand zehn Prozent.

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