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Unabhängige Patientenberatung: Vergabe an Privatunternehmen

München, 22.9.2015 | 11:57 | mst

Eine Tochtergesellschaft des Unternehmens Sanvartis übernimmt ab nächstem Jahr die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD). Das hat der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), am Montag mitgeteilt. Die Vergabe sorgt für Kritik.
 

Ärztin mit Patientin im GesprächAb nächstem Jahr wird ein privates Unternehmen die Unabhängige Patientenberatung organisieren.
Unter dem neuen Träger will die UPD ihr Beratungsangebot ausbauen. So soll die Beratung künftig wochentags bis 22 Uhr sowie an Samstagen bis 18 Uhr über eine kostenlose Rufnummer erreichbar sein – deutlich länger als bislang. Zudem soll es persönliche Beratungen an 30 Standorten, wie etwa in Volkshochschulen oder Bürgerbüros, geben. Im Bedarfsfall sollen die Berater sogar zu den Versicherten nach Hause kommen.
 
Laumann wies darauf hin, dass zukünftig ein Auditor über die Einhaltung der Qualitätsmaßstäbe sowie die Unabhängigkeit des Angebots wachen werde. Trotzdem kritisierten Politiker sowie Ärztevertreter die Vergabe an Sanvartis, das bereits für Krankenkassen sowie Pharmaunternehmen arbeitet. Zwei Mitglieder des UPD-Beirats legten aus Protest ihr Amt nieder, darunter Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes.
 

Kritik an der Vergabe an Sanvartis

„Wir bedauern, dass durch dieses Ausschreibungsverfahren bewährte Strukturen zerschlagen werden und viel Kompetenz verloren geht“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider. Es wäre zudem nicht das erste Mal, dass ein Ausschreibungsgewinner die versprochene Leistung schuldig bleibt und man am Ende vor einem Scherbenhaufen stehen würde.
 
Die UPD berät Versicherte der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung. Der Vertrag mit den bisherigen Trägern war ausgelaufen. Bislang hatten der Sozialverband VdK Deutschland, die Verbraucherzentrale Bundesverband sowie der Verbund unabhängiger Patientenberatung die Beratung übernommen. Die gesetzlichen Krankenkassen finanzieren das Angebot ab nächstem Jahr mit jährlich neun Millionen Euro. Die privaten Krankenkassen beteiligen sich mit 630.000 Euro pro Jahr.
 

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