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Krankenhaus-Report 2018: AOK fordert Zentralisierung von Kliniken

München, 19.3.2018 | 16:40 | are

In Deutschland werden zahlreiche schwere Operationen in Krankenhäusern durchgeführt, die solche Eingriffe nur selten vornehmen. Die Sterblichkeitsrate ist dabei höher als in spezialisierten Zentren. Das geht aus dem Krankenhaus-Report 2018 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, der am Montag vorgestellt wurde.

Arzt überprüft Infusion im OP.Kliniken, die auf bestimmte Operationen spezialisiert sind, haben laut dem Krankenhaus-Report der AOK höhere Erfolgsquoten.
Die Autoren des Reports stellten die aktuelle Versorgungslage am Beispiel einer Darmkrebsoperation dar. Demnach liegt das Risiko, bei einer Kolonkarzinom-Operation schon in der Klinik zu sterben, in nicht spezialisierten Krankenhäusern um 21 Prozent höher als in zertifizierten Zentren.

Rund ein Viertel der Operationen wird in Kliniken durchgeführt, die weniger als 18 Mal pro Jahr einen solchen Eingriff vornehmen. Ein weiteres Viertel findet in Kliniken statt, die zwischen 18 und 33 Mal operieren.

Dürften diese Leistung nur noch zertifizierte Zentren oder Kliniken erbringen, die mindestens 50 Darmkrebs-OPs im Jahr durchführen, blieben von 1.000 Krankenhäusern nur noch 385 übrig. Für die Patienten hätte das längere Anfahrtswege zur Folge – im Schnitt würden sie sich von acht auf 16 Kilometer verdoppeln. „Mit Blick auf die Therapiequalität und die Überlebenschancen sollten diese Fahrstrecken allerdings kein Thema sein“, sagte Jürgen Klauber, der Herausgeber des Reports.   
 

Zentralisierung auch für Notfälle

Auch bei weiteren Eingriffen sehen die Autoren des Reports die Notwendigkeit einer Zentralisierung – etwa bei Hüftprothesenoperationen oder sogar in der Notfallversorgung. So wäre es aus ihrer Sicht notwendig, Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt nur in Krankenhäuser mit einer Herzkathetereinheit einzuliefern und dort zu behandeln.

Von den fast 1.400 Krankenhäusern, die Patienten mit Herzinfarkten behandelten, würden aktuell weniger als 600 eine solche Einheit aufweisen. Bei der Behandlung von Schlaganfällen sehe die Situation ähnlich aus.

Zentralisierung auch wegen Personalmangel

Ein weiteres Argument für die Zentralisierung von Kliniken zeigt sich laut den AOK-Experten im Pflegepersonalmangel. „Wir haben nicht genügend Personal, um alle heute existierenden Klinikstandorte so auszustatten, dass sinnvolle Personalanhaltszahlen oder Personaluntergrenzen gut umgesetzt werden können“, sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands Martin Litsch. Dieses Personal werde auch nicht kurzfristig auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sein.

Der Wunsch, Krankenhausstrukturen in Deutschland zu zentralisieren, ist alles andere als neu. Bereits im vergangenen Jahr forderte Litsch eine Verschärfung der sogenannten Mindestmengenregelung in der stationären Versorgung.

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