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Publikationen aus dem Bereich Tagesgeld

Interview mit dem Bankenverband: "Panikmache ist ein schlechter Ratgeber!"

„So zocken Banken Sparer ab!“ – „Die erste Bank verlangt Negativzinsen für Sparguthaben von Privatleuten!“ – so oder so ähnlich lauteten in der Vergangenheit oftmals die Schlagzeilen. Tatsächlich sind Privatanleger aktuell nicht von Negativzinsen betroffen. Doch könnten Minuszinsen in Zukunft zu einer realen Bedrohung für Sparer werden? Und wie sollte das Geld aktuell im Idealfall angelegt werden? CHECK24 hat zu diesem Thema mit dem Bundesverband der Banken gesprochen. | bme

CHECK24: Panikmache oder reale Gefahr: Ist die aktuelle Berichterstattung über die Negativzinsen einiger Banken in den Medien Ihrer Meinung nach angebracht?

Bundesverband der Banken (BdB): Panikmache ist generell ein schlechter Ratgeber. Aber das Thema Niedrigzinsen und Negativzinsen nimmt in den Medien generell und zurecht viel Platz ein, weil es jeden von uns – ob als Sparer, Steuerzahler oder Unternehmen wie insbesondere auch die Banken – betrifft. Deshalb ist es auch richtig, wenn wir uns mit dem Thema ausführlich beschäftigen.

Die Vizepräsidentin der Bundesbank, Claudia Buch, schließt Medienberichten zufolge offenbar nicht aus, dass weitere Banken Negativzinsen auf Einlagen verlangen werden, da der Druck auf die Marge weiter steige. Michael Kemmer (BdB) hingegen sagt, dass deutsche Privatkunden dafür zu stark umworben werden. Was stimmt?

Info:
Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) ist ein eingetragener Verein, wirtschaftlicher Spitzenverband und die Interessensvertretung deutscher Banken. Rund 210 Privatbanken und elf Landesverbände gehören dem Bankenverband an.

Derzeit ist es so, dass Banken und Sparkassen im Euroraum, die einen Liquiditätsüberschuss aufweisen, oftmals gar keine andere Wahl bleibt, als diesen bei der EZB anzulegen. Selbst wenn sie Kredite vergeben wollten – sie finden keine Abnehmer. So können wir auch nicht ausschließen, dass noch weitere Banken für größere Einlagen von Firmenkunden oder institutionellen Anlegern negative Zinsen berechnen werden. Schließlich müssen die Banken selbst, wenn sie das Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) einlegen, einen Strafzins bezahlen. Letztlich bleibt es geschäftspolitische Entscheidung jedes einzelnen Institutes, ob und wie es Einlagen verzinst. Aber für Privatkunden erwarten wir nicht, dass auch sie Entgelte für Einlagen bezahlen müssen, dazu ist der Wettbewerb in Deutschland unter Banken und Sparkassen viel zu stark.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Negativzinsen auch für Privatkunden zur Regel werden?

Letztlich liegen Preise – und damit auch Zinsen – immer in der Entscheidung einer jeden einzelnen Bank. Der Privatkunde muss aber nicht befürchten, dass nun reihenweise Banken „Guthabengebühren“ von ihm verlangen. Dafür ist der Wettbewerb um den Privatkunden in Deutschland zu groß.

Nach Ansicht einiger Rechtsexperten wären Negativzinsen auf bestehende Einlagen nicht rechtskonform. Der Professor für Handels- und Wirtschaftsrecht, Tobias Tröger, etwa beruft sich dabei auf den Paragraf 488 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Sind Negativzinsen für Bestandskunden rechtswidrig?

Es gibt zurzeit eine intensive Diskussion um Negativzinsen. Letztlich liegt die Entscheidung natürlich bei dem jeweiligen Kreditinstitut. Viel wichtiger ist aber, dass wir aufgrund des starken Wettbewerbs in Deutschland derzeit unverändert davon ausgehen, dass es nicht zu negativen Einlagenzinsen für Privatkunden kommen wird.

Angenommen ein Sparer möchte 10.000 Euro seiner Ersparnisse momentan sicher anlegen, zu welcher Anlageform würden Sie ihm raten?

Logo: Bankenverband

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) steht CHECK24 im Interview Rede und Antwort.

Die Anlageentscheidung hängt ganz klar vom Anlagehorizont ab: Wenn der Sparer eine risikofreie Anlage sucht, auf die er kurzfristig zurückgreifen kann, ist Tagesgeld trotz des allgemein sehr niedrigen Zinsniveaus eine geeignete Alternative. Wenn es sich aber um eine längerfristige Anlage handelt und der Anleger keinerlei Risiko eingehen will, kann er sich zwischen Festgeld und verschiedenen festverzinslichen Wertpapieren entscheiden (Sparbriefe, Bundeswertpapiere etc.). Für höhere Renditechancen muss der Anleger aber auch zu höherem Risiko bereit sein. Langfristig haben sich breit streuende Aktienfonds als eine gute Alternative erwiesen, um nicht selbst ein eigenes gemischtes Aktiendepot aufbauen zu müssen. Auch Indexfonds bzw. ETF´s (Exchange Traded Funds) bieten die Möglichkeit, an der Aktienentwicklung – mit höheren Renditechancen - teilzuhaben.

Experten erwarten, dass die von der EZB angestrebte Inflation in Höhe von zwei Prozent im Jahr 2017 erreicht wird. Wird die Niedrigzinsphase vielleicht schon vorher enden?

Entscheidend für die Höhe der Leitzinsen sind die zurzeit besonders niedrige Preissteigerungsrate, die schwache Konjunktur und die sehr hohe Arbeitslosigkeit. Wenn sich an diesen Rahmenbedingungen etwas grundlegend ändert, sollte die EZB mit entsprechenden Zinsanpassungen reagieren. Doch selbst die EZB-Prognosen für das Jahr 2016 sehen für die Inflationsrate im ganzen Euro-Raum noch einen Wert der deutlich unter der mittelfristigen Zielmarke von unter zwei Prozent liegt.

Welche Laufzeit würden Sie Sparern im Hinblick auf die aktuelle Marktlage und künftige Veränderungen bei einem Festgeldkonto empfehlen?

Zurzeit bringen längere Laufzeiten kaum mehr als kürzere, insofern macht dies wenig Unterschied.

Würden Sie Sparern, die auf der Suche nach einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto sind, raten, sich bei Sparzinsen vor allem am Realzins – also dem Guthabenzins abzüglich der Inflationsrate – zu orientieren?

Die psychologische Wirkung von Negativzinsen darf man nicht unterschätzen, aber eigentlich hilft diese Rechnung dem Sparer nur bedingt weiter. Zeiten von negativen Realzinsen gab es schon öfter. Das ist nur viel weniger Menschen aufgefallen. Aber bei einer Inflationsrate von zwei Prozent und Einlagenzinsen von 0,8 Prozent macht der Sparer ebenso Verlust, wie wenn bei einer Inflation von einem Prozent minus 0,2 Prozent für die Einlagen verlangt wird. Als Anlass für ein Überdenken der eigenen Anlagen kann die aktuelle Zinsphase aber sehr wohl dienen. Die Deutschen parken generell sehr große Guthaben auf Girokonten, Tages- oder Festgelder und meiden bei Ihrer Geldanlage jedes Risiko. Damit vergeben wir aber auch Chancen auf höhere Renditen.

Wird sich die Niedrigzinsphase Ihrer Meinung nach in Zukunft deutlicher auf Dispozinsen auswirken?

Interview mit dem Bundesverband der Banken

Interview mit dem Bankenverband: Müssen sich Sparer um Negativzinsen sorgen?

Der Dispozins ist an der Entwicklung eines Index oder Referenzzinssatz gekoppelt. Dieser wird an die aktuelle Marktentwicklung angepasst, indem Zinserhöhungen bzw. -senkungen entsprechend der Entwicklung der vereinbarten Referenzzinssätze an den Kunden weitergegeben werden. Die Banken informieren ihre Kunden detailliert über die Art und Weise der Zinsanpassung, beispielsweise durch Angabe eines Referenzzinssatzes z. B. über den regelmäßigen Kontoabschluss.

Ein Wissenschaftler aus Oxford schlug kürzlich vor, dass die EZB jedem Bürger der Eurozone direkt 500 Euro überweisen sollte. Was halten Sie von dieser Idee?

Dies ist ein theoretisches Gedankenspiel, das auch in der Vergangenheit schon häufiger unter dem Begriff „Helikopter-Geld“ diskutiert wurde. In der Praxis dürfte dieses Konzept mit extrem vielen Problemen verbunden sein. Das wird schon allein daran deutlich, dass mit Sicherheit Stimmen aufkommen werden, die höhere Beträge fordern. Und warum sollte man einen solchen „ökonomischen Zaubertrick“ auch nur einmal anwenden? Im Endeffekt wird die Ausdehnung der Geldmenge zu einer hohen Inflation führen und die Glaubwürdigkeit der europäischen Zentralbank enorm beeinträchtigen.

(Stand: 11.November 2014)

Das Interview von CHECK24 mit dem Bankenverband zeigt ganz klar: Um Negativzinsen müssen sich Privatanleger derzeit keine Sorgen machen. Doch auch die Inflation wird oftmals als Bedrohung für die Ersparnisse wahrgenommen. CHECK24 hat deshalb im Oktober 2014 eine 40 Monate umfassende Zinsanalyse durchgeführt und dabei festgestellt, dass die Tagesgeld-Bestzinsen bei CHECK24 seit Juni 2011 mit Ausnahme von zwei Monaten immer über der Inflationsrate in Deutschland lagen. Fazit: Mit den richtigen Tagesgeldkonten kann man die Inflation also nicht nur schlagen, sondern sogar Guthabenzinsen erwirtschaften – ohne dabei auf Flexibilität oder Sicherheit verzichten zu müssen.

Hinweis: Trotz gewissenhafter Recherche kann die Richtigkeit und Aktualität der Angaben nicht garantiert werden.