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Trotz Niedrigzins und realem Verlust Der deutsche Sparer hat fast 15.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto

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Es wirkt wie ein Widerspruch in sich: Während die Zinsen aufs Tagesgeld in den letzten Jahren gesunken sind, haben die Deutschen immer mehr Geld auf ihr Tagesgeldkonto eingezahlt. Doch ganz grundlos tun sie das nicht.
Frau hält Sparschwein

Trotz Niedrigzinsen zahlen die Deutschen fleißig aufs Tagesgeldkonto ein.

Die Niedrigzinsen halten die Deutschen nicht vom Sparen ab. Im Schnitt hat jeder von ihnen rund 14.900 Euro auf dem Tagesgeldkonto deponiert, 3.500 Euro zusätzlich in Festgeld angelegt, weitere 7.100 Euro schlummern pro Kopf auf Sparbuch und Co. – allesamt Produkte, auf die es derzeit allenfalls niedrige Zinsen gibt. Die Commerzbank-Tochter Comdirect, die diese Zahlen veröffentlicht hat, spricht mit Blick aufs Tagesgeld von einem „Sparparadoxon“ – und zwar deshalb, weil die Tagesgeldeinlagen in den letzten Jahren trotz sinkender Zinsen gestiegen sind.

So haben deutsche Sparer seit 2008 ihre Ersparnisse auf dem Tagesgeldkonto jährlich um elf Prozent aufgestockt, damit aber nach Abzug der Inflationsrate zunehmend Minus gemacht. Im Mittel der letzten neun Jahre lag die negative Rendite bei 0,61 Prozent. Bei einem Anlagebetrag von 14.900 Euro etwa entspricht das einem Verlust von rund 91 Euro in einem Jahr. Bleibt die Frage: Warum nehmen die Deutschen scheinbar bereitwillig reale Verluste in Kauf?

Verfügbarkeit ist wichtiger als Zins

Der Grund dafür ist laut Comdirect vor allem in dem Wunsch der Deutschen zu finden, jederzeit auf ihr Geld zugreifen zu können. Sicher: Stehen einmal zusätzliche Ausgaben ins Haus, ist das finanzielle Polster auf dem Tagesgeldkonto sofort griffbereit. Und wenn sich doch einmal eine bessere Zinsalternative auftut, können Sparer ihr Geld schnell und flexibel umschichten.

Die Studienautoren mahnen jedoch, Anleger sollten sich überlegen, welchen Teil ihrer Spareinlagen sie tatsächlich liquide halten wollten. Denn „der Preis für diese schnelle Verfügbarkeit ist mittel- bis langfristig ein realer Verlust des Vermögens.“ Was nicht gerade als Rücklage für Engpässe dient, sollten Sparer für den langfristigen Vermögensaufbau verwenden, rät Comdirect-CEO Arno Walter. Langfristiger Vermögensaufbau: Das heißt für ihn, einen Teil des Ersparten zum Beispiel in Wertpapiere anzulegen, die zuweilen eine höhere Rendite versprechen.

Mit dieser Ansicht steht Walter nicht allein da. Viele Banken raten ihren Kunden wegen des Zinstiefs inzwischen dazu, ihre Anlagestrategie zu überdenken. Björn Andersen von der Consorsbank etwa erklärte unlängst im Interview mit CHECK24, Kunden sollten nicht nur mit Tagesgeld sparen, sondern dieses nur als einen Bestandteil ihres Investitionsportfolios betrachten. Denn mit Tagesgeld lasse sich nicht fürs Alter vorsorgen.

Sicherheit geht vor Rendite

Und doch scheuen sich viele deutsche Sparer davor, ihr Geld in Wertpapiere zu investieren. Das zeigt auch ein Blick auf die Zahlen der Comdirect: So stehen den 14.900 Euro an Tagesgeldeinlagen pro Sparer nur 3.500 Euro an Wertpapierinvestments gegenüber – und das, wo es doch laut Banken hier wesentlich bessere Erträge zu erwirtschaften gibt.

Diese Zahlen verdeutlichen einmal mehr, worum es dem deutschen Sparer wirklich geht – und das sind nicht so sehr die Erträge, als vielmehr die Sicherheit. So erkennt auch die Bundesbank, die die Geldvermögensbildung in Deutschland beobachtet, eine klare „Präferenz für liquide und risikoarme Anlagen“ – und beides bietet Tagesgeld. Eine Forsa-Studie gelangte im Frühjahr zu einem ähnlichen Schluss – ihr zufolge machen 80 Prozent der deutschen Sparer ihr Sparverhalten gar nicht von den Zinsen abhängig.

Verfügbar und sicher, aber nicht unnötig auf Kosten der Ersparnisse

Die Zinsen gänzlich vernachlässigen sollten Sparer dennoch nicht. Zugegeben: Hohe Zinsgewinne, mit denen sie die Inflation ausgleichen, können Tagesgeldsparer derzeit nicht erwarten. Sehr wohl aber können sie die Verluste begrenzen.

So zeigen die Zahlen der Comdirect: Gerade in den letzten Monaten, in denen die Inflation in Deutschland wieder angezogen hat, hat der durchschnittliche Tagesgeldsparer zeitweise einen aufs Jahr gerechneten realen Verlust von zwei Prozent eingefahren. Im Gegensatz dazu haben Sparer, die sich den jeweils höchsten Tagesgeldzins im CHECK24 Vergleich sicherten, zu keiner Zeit mehr als 1,20 Prozent Verlust gemacht (siehe Tabelle). Das belegt der Sparerindex des Vergleichsportals, der monatlich den besten Zinssatz im Tagesgeldvergleich der Inflationsrate in Deutschland gegenüberstellt.

Sparerindex: Tagesgeldzinsen auf CHECK24 versus Inflation
Monat Maximaler Tagesgeldzins p.a. Inflation in Deutschland p.a. Maximale reale Rendite p.a.
Juni 2017 1,07 % 1,60 % -0,53 %
Mai 2017 0,90 % 1,50 % -0,60 %
April 2017 1,00 % 2,00 % -1,00 %
März 2017 1,00 % 1,60 % -0,60 %
Februar 2017 1,00 % 2,20 % -1,20 %
Januar 2017 1,10 % 1,90 % -0,80 %

In fünf der letzten sechs Monate lag der maximale Zinssatz demnach bei einem Prozent oder sogar darüber – das ist deutlich mehr als die meisten Banken ihren Kunden aktuell auf ihre täglich fälligen Einlagen zahlen. So sind Zinsen von wenigen Hundertstel Prozent inzwischen gang und gäbe.

Kurzgefasst: Nur, weil ein Sparer die Verfügbarkeit und Sicherheit von Tagesgeld schätzt, bedeutet das noch nicht, dass er sich mit jedwedem realen Verlust abfinden muss. Er kann gegensteuern, indem er sich auf dem Markt nach besserverzinsten Konten umsieht.

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