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Strafzinsen auf private Bankeinlagen Deutsche Sparer stellen sich auf Negativzinsen ein

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Zwei Drittel der Sparer in Deutschland rechnen damit, dass sie auf ihre Bankguthaben künftig Strafzinsen zahlen werden. Wie begründet ist diese Befürchtung und welche Konsequenzen ziehen Sparer daraus?
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Vom Minizins zum Minuszins: Deutsche Sparer rechnen mit negativen Zinsen auf private Bankguthaben.

63 Prozent der deutschen Anleger halten es für möglich, dass Banken die Negativzinsen an ihre Privatkunden weiterreichen werden. Neun Prozent sind sich dahingehend sogar sicher. Vor allem ältere Sparer rechnen mit Strafzinsen: Während unter den 50- bis 59-Jährigen 66 Prozent davon ausgehen, dass sie künftig Zinsen zahlen müssen, wenn sie ihr Geld bei der Bank deponieren, liegt der Anteil bei den 30- bis 39-Jährigen sieben Prozentpunkte niedriger.

Zu diesen Ergebnissen gelangt die Fondsgesellschaft Union Investment in einer aktuellen Umfrage, die sie vom 1. bis 9. August vom Marktforschungsinstitut Forsa durchführen ließ. Schon einen Tag nach der Umfrage wurden die Sparer in ihrer Angst vor Negativzinsen bestätigt: Am 10. August kündigte die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee an, ab September auf alle privaten Tagesgeldeinlagen und Girokontoguthaben über 100.000 Euro „Verwahr-Entgelt“ in Höhe von 0,4 Prozent zu erheben. Bis dato hatte lediglich die im thüringischen Altenburg beheimatete Skatbank Strafzinsen von vermögenden Sparern gefordert.

Obwohl kleine Sparer bislang verschont bleiben, sorgen auch sie sich immer mehr um ihre Ersparnisse. Fakt ist: Je länger das aktuelle Zinsniveau anhält, desto schwieriger wird die Ertragslage für deutsche Banken und desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit negativer Zinsen auf Sparguthaben. Und was die Zinsentwicklung anbelangt, zeigen sich die Deutschen wenig optimistisch.

Nur die wenigsten Sparer rechnen mit steigenden Zinsen

45 Prozent der deutschen Sparer sehen sich als Leidtragende der Niedrigzinsen. Ihrer Einschätzung nach wird sich daran so schnell auch nichts ändern. 72 Prozent der von der Union Investment befragten Anleger rechnen in naher Zukunft mit einem gleichbleibenden Zinsniveau, 17 Prozent gehen sogar davon aus, dass sich die Zinsen weiter zu ihrem Nachteil entwickeln werden. Nur neun Prozent glauben an ein Ende der Niedrigzinsphase und hoffen auf steigende Zinsen.

Folgen der Niedrigzinsen: Tagesgeld wird für Sparer unattraktiv

Die geringen Renditen, die Sparer aktuell mit klassischen Geldanlagen erwirtschaften können, fordern ihren Tribut: Tagesgeld hat in den vergangenen Jahren deutlich an Beliebtheit verloren. Der Umfrage zufolge halten derzeit nur 19 Prozent der deutschen Anleger die täglich verzinsten Einlagen für attraktiv. Seit 2010 – dem Jahr, in dem die Union Investment begann, in ihrer Studie auch die Beliebtheit verschiedener Geldanlagen zu ermitteln, hat dieser Wert nie niedriger gelegen. Als deutlich lukrativer schätzen die Deutschen den Umfragewerten nach eine Immobilie (75 Prozent), ebenso wie Investments in Gold (57 Prozent), Aktien (38 Prozent) und Fonds (30 Prozent) ein.
„Die niedrigen Zinsen kommen jetzt langsam im Geldbeutel der Anleger an. Sie merken, dass sie nicht mehr vorankommen, wenn sie auf die vertrauten Instrumente setzen“, begründet Giovanni Gay, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft, die Ergebnisse.

Tagesgeld muss jedoch gar nicht so unrentabel sein. Das belegt der Sparerindex, den CHECK24 monatlich ermittelt. Demnach erhielten Neukunden, die im Juli ein Tagesgeldkonto über das Vergleichsportal abschlossen, bis zu 1,15 Prozent Zinsen p.a. auf ihre Einlagen – nach Abzug der Inflation erzielten sie aufs Jahr gerechnet noch eine reale Rendite von 0,75 Prozent. Dem Tagesgeld wegen niedriger Zinsen oder aus Angst vor Minuszinsen abschwören müssen Anleger also nicht – ihre Strategie ändern womöglich schon. Denn nur mit einem regelmäßigen Wechsel ihres Sparkontos können sie sich auf Dauer die besten Konditionen sichern.
 
Im Auftrag von Union Investment ermittelt das Marktforschungsinstitut Forsa seit 2001 in vierteljährigen Abständen das Anlegerverhalten in Deutschland. Für die aktuelle Auswertung wurden vom 1. bis 9. August insgesamt 500 Personen im Alter von 20 bis 59 Jahren befragt, die mindestens eine Geldanlage besitzen.

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