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Ende der Gratiskultur bei Girokonten Sparkassen-Präsident rechnet flächendeckend mit Kontogebühren

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Abheben am Automaten bleibt kostenlos, aber für die Kontoführung werden künftig wohl alle Bankkunden zahlen müssen. Das prophezeit Georg Fahrenschon, Präsident des Sparkassenverbandes.
Georg Fahrenschon Pressefoto Sparkasse

Aus Sicht von Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon ist das kostenlose Girokonto bald Geschichte.

Als die Postbank heute vor zwei Wochen ein neues Gebührenmodell für Girokonten ankündigte, war das Aufsehen groß. Doch bald könnten ähnliche Ankündigungen weiterer Banken Normalität werden. Damit rechnet zumindest Georg Fahrenschon, Präsident des Sparkassen-Verbandes. „Ich erwarte, dass es in einigen Jahren praktisch nirgendwo mehr kostenlose Girokonten geben wird“, sagte Fahrenschon der Bild-Zeitung von diesem Freitag. Geldautomaten sollten Bankkunden allerdings auch in Zukunft nutzen können, ohne dafür zu bezahlen.

Bisher sind die Kunden vieler Banken gewohnt, dass sie für die Kontoführung, für Überweisungen, das Einrichten von Daueraufträgen und ähnliche Leistungen nichts bezahlen müssen. Diese „Gratis-Kultur“ habe die Postbank einst mitbegründet, sagte Susanne Klöß, Produkte-Vorstand der Postbank. Mittlerweile hätten sich allerdings die Bedingungen am Markt völlig verändert. Ein Girokonto koste die Banken Geld und werde bisher oft quersubventioniert – damit müsse Schluss sein.

Ein Sprecher der Postbank nennt es laut Zeit Online sogar „einen Fehler der Banken“, dass diese ihren Kunden überhaupt kostenlose Girokonten angeboten haben. Dadurch sei der Eindruck entstanden, diese Leistung könne es auf Dauer kostenlos geben. Auch die Hypovereinsbank hat in diesem Sommer ihr kostenloses Girokonto abgeschafft. Nur noch Kunden bis 26 Jahre bezahlen nichts, alle anderen seither mindestens 2,90 Euro im Monat.

Sparer stellen sich schon auf Negativzinsen ein

Mit Kontogebühren versuchen Banken, einen Teil ihrer wegbrechenden Einnahmen wieder einzuspielen. Durch den seit Längerem niedrigen Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) nehmen die Banken bei Krediten deutlich weniger Zinsen ein als früher. Gleichzeitig zahlen sie für Gelder, die sie bei der EZB über Nacht parken, seit mehr als zwei Jahren Negativzinsen. Derzeit liegt der Zinssatz, die sogenannte Einlagefazilität, bei -0,4 Prozent. Die Banken haben diese Ausgaben bisher nur in Ausnahmefällen an ihre Kunden weitergegeben. Bei der Raiffeisenbank in Gmund am Tegernsee müssen Kunden mit mehr als 100.000 Euro Guthaben auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto seit Anfang September Strafzinsen von 0,4 Prozent bezahlen.

Bisher beteuern Bankenvertreter, ein solcher Schritt sei die Ausnahme und werde Kunden bis auf weiteres nicht in der Breite treffen. Glauben schenkt die Mehrheit der Bankkunden diesen Aussagen allerdings nicht. Zwei von drei Anlegern in Deutschland halten es laut einer Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment für möglich, dass Banken die Negativzinsen der EZB an ihre Privatkunden weiterreichen werden. 

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