Sie sind hier:

TK-Innovationsreport 2017: Teure neue Arzneimittel ohne echte Innovation

München, 20.9.2017 | 13:54 | are

Es kommen immer mehr neue Arzneimittel auf den Markt: Im Jahr 2014 waren es 32 Präparate. Während die Kosten für diese Medikamente geradezu explodieren, haben sie meist keinen Zusatznutzen.

Viele Tabletten liegen auf Euro-Geldscheinen.Wie bereits in den letzten Jahren steigen die Preise für neue Medikamente immer weiter an.
Das geht aus dem aktuellen Innovationsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Mit einem Ampel-System werden in dem alljährlich erscheinenden Report neue Arzneimittel bewertet. Erstmals wurde dabei kein einziges Medikament mit der Bestnote „grün“ bewertet. 17 Präparate erhielten die Bewertung „gelb“ und die restlichen 15 fielen mit einer roten Ampel durch.
 
Die Gründe dafür sind die geringen Zusatznutzen sowie die hohen Preise. Demnach reichen die Kosten neuer Therapien teilweise bis zu über einer Million Euro pro Patient. Eine einzelne neue Tablette kann bis zu 700 Euro kosten.
 

Deutliche Kritik an der Pharmaindustrie

„Auch wenn es in einigen Bereichen Fortschritte gab, zeigt uns die Gesamtbewertung, dass die Industrie zu sehr darauf bedacht ist, hohe Preise einzufordern, statt wirklich innovative Arzneimittel zu entwickeln“, sagte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.
 
Bereits im Innovationsreport des letzten Jahres hatten die Autoren eine Verdoppelung der Medikamentenpreise festgestellt. Aktuell sind die Preise noch einmal um rund 70 Prozent gestiegen.
 
Baas forderte die Politik daher auf, diesen Ausgabenanstieg zu bremsen – etwa mit einer Anhebung des Herstellerrabatts von sieben auf zehn Prozent.
 

Potenzial von Biosimilars stärker nutzen

Um die Kosten zu senken, appellieren die Autoren des Reports außerdem, verstärkt günstige Nachahmer-Präparate (Biosimilars) einzusetzen. Für die Zulassung von Biosimilars würden die gleichen strengen Regeln wie für teure biologische Arzneimitteln gelten. Der Austausch der originalen Arzneimittel durch Biosimilars sei daher unproblematisch. 

Weitere Nachrichten zum Thema Gesetzliche Krankenversicherung