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Krankenkassen: Bis 2040 könnten 50 Milliarden Euro pro Jahr fehlen

München, 27.3.2017 | 17:05 | are

Wegen des demografischen Wandels werden die Ausgaben der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung weiter ansteigen – bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen. Bei einem gleichbleibenden Leistungsniveau und den heutigen Beitragssätzen droht daher eine enorme Finanzierungslücke. Das geht aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hervor.

Taschenrechner und Stethoskop auf RechnungDie Beiträge der Kranken- und Pflegeversicherung könnten langfristig deutlich steigen.
Die Studie des IW sieht damit ein baldiges Ende der aktuell guten Finanzlage der Kassen kommen. Demnach könnte die Finanzierungslücke in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bis 2030 auf knapp 36 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen. Bis 2040 prognostiziert die IW-Studie eine Lücke von 51 Milliarden Euro pro Jahr.
 
In der gesetzlichen Pflegeversicherung erwartet das Institut eine ähnliche Entwicklung: Bis 2030 könnten knapp 8 Milliarden Euro fehlen. Bis zum Jahr 2040 werden es rund 10 Milliarden Euro sein.
 

Alternde Gesellschaft treibt Ausgaben in die Höhe

Der demografische Wandel ist der Hauptgrund für diese Entwicklung. Mit der steigenden Zahl älterer Menschen gibt es auch immer mehr Kranke und Pflegebedürftige. Gleichzeitig sinkt die Zahl der erwerbstätigen Beitragszahler.
 

Beitragssatz müsste auf 19,4 Prozent steigen

Sollte das heutige Leistungsniveau der Kranken- und Pflegeversicherung beibehalten werden, müssten laut der Studie die Beitragssätze deutlich steigen: bei der Krankenversicherung von aktuell 14,6 Prozent auf 19,2 Prozent im Jahr 2040. Die Beiträge für die Pflegeversicherung müssten im gleichen Jahr auf durchschnittlich 3,2 Prozent steigen (aktuell: 2,55 Prozent beziehungsweise 2,8 Prozent für kinderlose Versicherte).

Rechnet man die Arbeitslosen- und Rentenversicherung mit ein, würde das bedeuten, dass langfristig über die Hälfte des Bruttoeinkommens an die Sozialversicherung abgegeben werden müsste. Die Steuern sind dabei noch nicht berücksichtigt. „Diese Zahlen verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf für die Politik“, sagte die Autorin der Studie und Mitarbeiterin des IW Susanna Kochskämper.

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