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Zahnlücke

Eine Zahnlücke ist für manche Menschen charmantes Understatement, für andere optischer Makel. Aus Kindheitstagen bekannt, beispielsweise durch Zahnverlust, hat die Zahnlücke im Erwachsenenalter andere Ursachen. Wir erklären, ob Sie „Mut zur Lücke“ beweisen dürfen oder die Zahnlücke behandeln lassen sollten.

Zahnlücke behandeln oder ertragen?

Spätestens ab dem sechsten Lebensjahr gehören Zahnlücken bei Kindern zum üblichen Erscheinungsbild. Die ersten Milchzähne fallen in unregelmäßiger Reihenfolge aus, die bleibenden Zähne rücken erst langsam nach. Auch kann es sein, dass der Kiefer schneller wächst, als das Milchgebiss ausfällt. All das ist physiologisch normal und stellt keinen Grund für eine Behandlung dar. Selbst im Falle eines beim Spielen oder durch einen Sturz verlorenen Zahns wird die entstandene Lücke selten durch eine vorübergehende Prothese ersetzt.


Die Zahnlücke im Erwachsenenalter ist zunächst ein ästhetischer Hingucker. Prominente wie Madonna, Brigitte Bardot oder Samuel L. Jackson stehen zu ihrer Zahnlücke und haben aus ihr ein Markenzeichen gemacht. Andere Menschen betrachten ihre Zahnlücke als Schönheitsfehler. Ob eine Lücke zwischen den Zähnen als Trend oder Makel betrachtet wird, liegt im Ermessen des Einzelnen.

Nur in seltenen Fällen muss eine Zahnlücke behandelt werden. Das ist immer dann der Fall, wenn sich eine Lücke auf die regelrechte Stellung der Nachbarzähne auswirkt. Auch bei Biss- oder Sprechproblemen, wie zum Beispiel einem Lispeln, sollte die Zahnlücke kieferorthopädisch korrigiert werden.

Unabhängig von der Notwendigkeit zur Behandlung ist bei einer Zahnlücke wichtig, besonderen Wert auf die richtige Zahnpflege und Mundhygiene zu legen. Der Grund: In Zahnzwischenräumen lagern sich leicht Bakterien ab, die Plaque bilden, aus der schließlich eine Karies entstehen kann. Je größer die Lücke, desto höher das Risiko.

Ursachen

Eine Zahnlücke bei Erwachsenen bildet sich meist erblich bedingt. Wenn der Kiefer durch sein Wachstum größer wird, als die Zähne sich entwickeln, entstehen automatisch größere Zwischenräume. In einigen Fällen werden einzelne Zähne aufgrund genetisch bedingter, fehlender Zahnanlage gar nicht entwickelt.

Eine genetische Besonderheit einer Zahnlücke ist das Diastema. Es tritt besonders häufig zwischen den mittleren Schneidezähnen des Oberkiefers auf.

Das „echte Diastema“ wird durch ein Problem des Lippenbändchens (Frenulum mediale) ausgelöst: Ist es zu tief angelegt, wächst es zwischen die Schneidezähne und rückt diese auseinander. Von einem „unechten Diastema“ spricht der Zahnarzt, wenn der Grund für die Lücke zu kleine oder fehlende seitliche Schneidezähne sind.

Natürlich können Zahnlücken beim Erwachsenen auch durch Zahnverlust entstehen, zum Beispiel durch einen Unfall oder aufgrund von Zahnerkrankungen wie Karies oder Parodontose. In diesen Fällen ist die Zahnlücke größer und sollte zahnmedizinisch oder kieferorthopädisch behandelt werden.

Häufigkeit von Zahnlücken

CHECK24 untersuchte in einer Auswertung die Verteilung von Zahnlücken im Bundesgebiet. Demnach traten Zahnlücken am häufigsten bei Kunden in Sachsen-Anhalt auf. Im Mittelfeld lagen Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Kaum Zahnlücken fanden sich bei Kunden im Bundesland Hamburg.

Wann sollte eine Zahnlücke behandelt werden?

Ein regelrechtes, gesundes Gebiss funktioniert in seinem Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer. Die Zähne der oberen und unteren Zahnreihen berühren sich in definierten Bereichen. Jeder Zahn besitzt mindestens einen gegenüberliegenden, punktuellen Kontakt. Dies ist wichtig für den Kauvorgang und um eine übermäßige Abnutzung einzelner Zahnoberflächen zu vermeiden.

Ist eine Zahnlücke vorhanden, fehlen die Kontaktpunkte. Je nach Ort und Ausprägung versuchen die Zähne, die Lücke eigenständig zu korrigieren. Das ist möglich, da Zähne in bestimmten Grenzen flexibel sind. Diese ungewollte Anpassung führt allerdings zu möglichen Fehlstellungen und fehlerhaften Kontakten der Zähne sowie Fehlbildungen des Gebisses.

Dauerhafte Veränderungen wirken sich im Laufe der Zeit auf das Kiefergelenk aus. Betroffene leiden unter Schmerzen im Gesicht sowie Kopfschmerzen und, in bestimmten Fällen, einem Tinnitus. Im Schlaf kommt es zu Zähneknirschen, was im Laufe der Zeit zu einem Verschleiß an Zahnschmelz führen kann. Hinzu kommen muskuläre Verspannungen der Kaumuskulatur mit ebenfalls schmerzhaften Symptomen.

Nicht zuletzt können Zahnlücken auch zu Sprechproblemen führen. Die Aussprache fällt bei bestimmten Buchstaben oder Lautkombinationen schwer, manche Betroffene entwickeln auch ein Lispeln.

Mögliche Folgen einer unbehandelten Zahnlücke:

  • Fehlstellungen des Gebisses
  • Fehlbildungen einzelner, benachbarter Zähne („verlängerter Zahn“)
  • Verspannungen der Kaumuskulatur
  • Kopfschmerzen
  • Trigeminusneuralgie (Schmerzen im Bereich eines für die Versorgung von Teilen des Gesichts zuständigen Hirnnerven)
  • Tinnitus
  • Fehlstellungen des Kiefergelenks
  • Probleme beim Sprechen

Mögliche Therapien

Während das Milchgebiss ständigen Veränderungen unterliegt ist die Situation beim Erwachsenen eine völlig andere: Eine vorhandene Zahnlücke schließt sich nicht von selbst. Die jeweilige Therapie ist abhängig von Art und Ausprägung der Zahnlücke.

Eine Möglichkeit ist die Korrektur der Zahnlücke durch eine Zahnspange. Diese wird entweder fest eingesetzt oder kommt als herausnehmbare Spange meistens nachts zum Einsatz. Letztere wird von vielen Erwachsenen bevorzugt, da für sie die Zahnspange ein noch größeres, ästhetisches Problem darstellt als die Zahnlücke selbst.


Eine Alternative sind Zahnschienen, die von immer mehr Zahnarztpraxen angeboten werden. Sie besitzen mehrere Vorteile: Die Behandlung einer Zahnlücke mittels Zahnschiene ist praktisch unsichtbar und wirkt sich kaum auf das Sprechvermögen aus. Zudem sind nur vergleichsweise wenige Kontrolltermine beim Zahnarzt nötig.

Für den Verschluss kleinerer Zahnlücken eignen sich Verblendschalen. Zu bedenken ist, dass diese in bestimmten Abständen erneuert werden müssen.

Implantate oder Prothesen kommen bei größeren Zahnlücken zum Einsatz. Es handelt sich um einen chirurgischen Eingriff, denn die künstlichen Ersatzzähne werden im Kiefer verschraubt.

Um eine Zahnlücke mittels Brücke zu schließen, bedarf es gesunder Nachbarzähne. Die Technik wird vor allem bei Zahnlücken zwischen den Backenzähnen angewandt. Das Zahnfach bleibt bei der Behandlung offen. Es wird sich mit der Zeit schließen, was eine Veränderung des Kieferknochens zur Folge hat.

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