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Abgeltungssteuer: Alle Infos zum Thema

Auf Kapitalerträge fällt eine Abgeltungssteuer an

Seit dem 1. Januar 2009 werden Kapitalerträge in der Bundesrepublik mit der sogenannten Abgeltungssteuer versteuert, bei der es sich um eine Form der Einkommensteuer handelt. Der Steuersatz beträgt 26,38 Prozent (Stand: 2016). 25 Prozent davon machen die tatsächliche Abgeltungssteuer aus. Auf diese wird zusätzlich der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 Prozent fällig. Dazu kommt gegebenenfalls eine Kirchensteuer.

Die Abgeltungssteuer wird von den Banken direkt an das Finanzamt abgeführt. Steuerfrei bleiben allerdings Kapitaleinkünfte in Höhe von 801 Euro pro Jahr für Alleinstehende und 1.602 Euro für Verheiratete. Um diesen Sparer-Pauschbetrag geltend zu machen, müssen Anleger ihrer Bank einen Freistellungsauftrag für Kapitalerträge erteilen. Die Institute stellen die Abführung der Steuer dann so lange ein, bis die steuerfreie Obergrenze erreicht ist.

Die Abgeltungssteuer fällt auf sämtliche Kapitalerträge an. Dazu gehören in erster Linie:

  • Zinsen, die Sparer durch Tagesgeld, Festgeld oder andere Sparanlagen erwirtschaften
  • Dividenden – beispielsweise aus Aktien, GmbH-Anteilen oder Genossenschaftsanteilen
  • Erträge aus Zertifikaten – zum Beispiel Fonds, Währungen oder Rohstoffe
  • Wertzuwachs beim Verkauf von Investmentanteilen oder Aktien – die Gewinnspanne gilt als Wertzuwachs

Berechnungsbeispiel ohne Berücksichtigung der Kirchensteuer

Berechnungsbeispiel
Single Verheiratet
Summe der Anlage 100.000 €
Zinsen 3,50%
Ertrag aus Zinsen p.a. 3.500,00€
Sparerfreibetrag 801,00 € 1.602,00 €
Versteuerungspflichtig 2699,00 € 1898,00 €
Abgeltungssteuer 25% 674,75 € 474,50 €
Solidaritätszuschlag 5,5% 37,11 € 26,10 €
Steuerabzüge gesamt 711,86 € 500,60 €

Die Abgeltungssteuer ersetzt die Kapitalertragsteuer

Die Abgeltungssteuer soll eine bundesweit einheitliche Versteuerung von Kapitaleinkünften gewährleisten. Vor ihrer Einführung galt die Kapitalertragsteuer (KESt), die auf dem Einkommensteuergesetz (EStG) basierte. Zu dieser Zeit wurden die Kapitaleinkünfte mit dem persönlichen Steuersatz besteuert. Um dies zu gewährleisten, mussten Sparer ihre Erträge in der Einkommensteuererklärung angeben – Aus dieser wurde dann der persönliche Steuersatz ermittelt.

Für Zinsen betrug die Kapitalertragsteuer 30 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Dividenden wurden mit 20 Prozent und stille Beteiligungen mit 25 Prozent besteuert. Jeder Kapitalertrag musste in der Steuererklärung einzeln angegeben werden, was einen hohen Aufwand darstellte. Auch vor der Einführung der Abgeltungssteuer gab es einen Freibetrag. Dieser wurde als Sparer-Freibetrag bezeichnet.

Das sind die Vorteile der Abgeltungssteuer

Die Angabe der Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung ist nun freiwillig und nur noch dann nötig, wenn das rechtzeitige Einreichen eines Freistellungsauftrags versäumt wurde. Bankkunden sind folglich nicht mehr gezwungen, sich vertieft mit den steuerlichen Aspekten ihrer Kapitalanlagen auseinanderzusetzen. Da sämtliche Kapitalerträge einheitlich besteuert werden – während vorher einige steuerpflichtig waren und andere nicht bzw. nur zum Teil – vereinfacht die Abgeltungssteuer die korrekte Steuerabfuhr erheblich. Anleger, deren Steuersatz zuvor höher als 25 Prozent lag, profitieren ganz besonders von der Änderung.

Auch global gesehen bietet die Abgeltungssteuer den Vorteil, dass Deutschland als Finanzmarktplatz an Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit gewinnt. So profitieren internationale Investoren beispielsweise von der anonymen Besteuerung im Quellland. Im internationalen Vergleich ist der Abgeltungssteuersatz zudem durchaus wettbewerbsfähig.

Höchstsätze auf private Zinserträge in anderen Ländern laut Bundesfinanzministerium

Staaten Höchstsatz in % Bemerkungen
Spanien 27% 21% bis 6.000 € Gewinn aus Anlagekapital, 25% zwischen 6.001 € und 24.000 €, ab 24.000 € 27%
Belgien 15% Abgeltungssteuer mit der Möglichkeit zur Einkommensteuerveranlagung; Freibetrag von 1.830 €
Tschechien 15% Abgeltungssteuer
Bulgarien - -
Ungarn 16% Abgeltungssteuer
Dänemark 51,5% Ist zugleich der Einkommensteuerspitzensatz
Vereinigtes Königreich 50% Ist zugleich der Einkommensteuerspitzensatz
Estland - -
Zypern 15% Zinsen sind steuerbefreit; jedoch unterliegen sie einer Verteidigungsabgabe von 15%
Slowenien 20% Zinsgewinne bei einer EU-ansässigen oder inländischen Bank haben einen Freibetrag von 1000 €; Abgeltungssteuer
Finnland 30% Abgeltungssteuer
Slowakei 19% Abgeltungssteuer
Frankreich 24% Einkommensteuerveranlagung wenn nicht zu einer Pauschalbesteuerung optiert wird
Schweden 30% Abgeltungssteuer
Griechenland 10% Abgeltungssteuer
Rumänien 16% Abgeltungssteuer
Irland 30% Abgeltungssteuer
Portugal 26,5% Abgeltungssteuer mit Options zur Einkommensteuerveranlagung
Italien 20% Abgeltungssteuer
Polen 19% Abgeltungssteuer
Lettland 10% Abgeltungssteuer
Österreich 25% Abgeltungssteuer mit Option zur Einkommensteuerveranlagung
Litauen - -
Niederlande - Auf reale Kapitalerträge keine Einkommensteuer; Steuersatz von 30% auf einen fiktiven Ertrag von 4% des Reinvermögens; Vermögensfreibetrag von 21.139 €
Luxemburg 10% Werbungskostenpauschale von 25 €; Freigrenze 250 €; Abgeltungssteuer
Malta 15% Abgeltungssteuer mit Option zur Einkommensteuerveranlagung
Spanien 27% 21% bis 6.000 € Gewinn aus Anlagekapital, 25% zwischen 6.001 € und 24.000 €, ab 24.000 € 27%
USA (Stadt und Staat New York) 43,25% Einkommensteuerspitzensatz
Japan 20% Abgeltungssteuer
Schweiz (Zürich) 39,97% Einkommensteuerspitzensatz

Quelle: http://www.bundesregierung.de/Content/Infomaterial/BMF/2013-04-15-wichtigste-steuern-vergleich-2012_292890.html

Hinweis: Trotz gewissenhafter Recherche kann die Richtigkeit und Aktualität der Angaben nicht garantiert werden.