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Garantiezins und Höchstrechnungszins in der Renten­versicherung

Der Höchstrechnungszins sinkt ab dem 1. Januar 2022 auf nur noch 0,25 Prozent. Wir erklären, was dies für private Renten­versicherungen bedeutet und was der Unterschied zwischen Garantie- und Höchst­rechnungs­zins ist. Was viele nicht wissen: Der Zinssatz wirkt sich auch auf Risikoversicherungen aus, bei denen überhaupt kein Kapital angespart wird.

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Was sind Garantiezins und Höchstrechnungszins?

Euro-Münzen im Glas - GarantiezinsDer Höchstrechnungszins gibt für klassische Lebens- und Rentenversicherungen vor, welche garantierte Verzinsung die Versicherer ihren Kunden maximal versprechen oder garantieren dürfen. Der Höchstrechnungszins wird umgangssprachlich daher häufig auch als Garantiezins bezeichnet.

Dies ist allerdings nicht ganz korrekt. Denn der Höchstrechnungszins gibt lediglich den maximal erlaubten Garantiezins vor. Die Versicherer können ihre Verträge durchaus mit einem Garantiezins kalkulieren, der unter dem Höchstrechnungszins liegt. Meist übernehmen die Gesellschaften jedoch den Höchstrechnungszins.

Mit dem Garantiezins verzinsen die Versicherer den Sparbeitrag ihrer Kunden – das ist der gezahlte Beitrag abzüglich sämtlicher Kosten für Vertrieb, Verwaltung und den Risikoschutz.

Der Höchstrechnungszins gilt nur für klassische Rentenversicherungen. Er gilt nicht für Fondspolicen, bei denen die Sparbeiträge in Investmentfonds angelegt werden.

Wie wird der Höchstrechnungszins festgelegt?

Der Höchstrechnungszins orientiert sich an der Rendite, die Versicherer für ihre Kapitalanlagen in den kommenden Jahren erwirtschaften können. Dabei werden vor allem Staatsanleihen, staatlich garantierte Anleihen sowie Unternehmensanleihen berücksichtigt.

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) sowie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geben jedes Jahr unabhängig voneinander eine Empfehlung zum Höchstrechnungszins ab.

Das Bundesministerium für Finanzen (BMF) entscheidet auf Grundlage dieser Empfehlungen, ob der Höchstrechnungszins geändert werden sollte. Falls ja, wird die sogenannte Deckungs­rückstellungs­verordnung angepasst.

Wie hoch fällt der Höchstrechnungszins ab 2022 aus?

Der Höchstrechnungszins sinkt ab dem 1. Januar 2022 von 0,9 auf 0,25 Prozent. Damit ist der Höchstrechnungszins seit Juli 1994 konstant gesunken. Damals lag der Zins noch bei vier Prozent.

So hat sich der Höchstrechnungszins entwickelt

Zeitraum Zinssatz
07/1994 – 06/2000 4,00 %
​07/2000 – 12/2003 3,25 %
2004 – 2006 2,75 %
2007 – 2011 2,25 %
2012 – 2014 1,75 %
2015 – 2016 1,25 %
2017 – 2021 0,90 %
ab 2022 0,25 %

Hat die Absenkung des Zinses Auswirkung auf bestehende Verträge?

Grundsätzlich nicht. Für eine Versicherung gilt der Garantiezins, der zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses aktuell war. Diesen Zinssatz garantiert der Versicherer über die gesamte Laufzeit. Bestehende Renten­versicherungen sind daher grundsätzlich nicht von einer Änderung des Garantiezinses betroffen. Die zugesagte garantierte Verzinsung gilt nach wie vor.

Allerdings kann sich die Absenkung des Höchstrechnungszinses bei bestehenden Verträgen auf die Höhe der späteren Rente auswirken. Dies betrifft Tarife, bei denen die monatliche Rente erst zu Rentenbeginn aus dem angesparten Kapital und dem dann gültigen Zinssatz berechnet wird.

Garantierter Rentenfaktor als Sicherheitsbaustein

Wer sichergehen möchte, dass der Mindestwert der späteren monatlichen Rente feststeht, sollte Tarife mit einem garantierten Rentenfaktor auswählen. Bei diesen Tarifen steht bereits zu Vertragsbeginn fest, wie viel monatliche Rente es für jeweils 10.000 Euro angespartes Vermögen mindestens gibt. So zahlt etwa ein Versicherer bei einem Rentenfaktor von 25 und einem Vertragsguthaben von 200.000 Euro eine lebenslange Monatsrente in Höhe von mindestens 500 Euro aus.

Gibt es bis zum Rentenbeginn wieder eine deutlich höhere Inflation oder steigen die Zinsen, kann die monatliche Rente aber auch durchaus höher ausfallen.

Alten Zinssatz noch in 2021 sichern

Wer sich den aktuellen Garantiezins von 0,9 Prozent sichern möchte, sollte noch in 2021 eine klassische Renten­versicherung abschließen. Damit sichert man sich den Zinssatz für die gesamte Laufzeit. Allerdings kann es sein, dass einzelne Anbieter schon deutlich vor dem 31.12. die Kalkulation ihrer Tarife anpassen. Wer eine Police abschließen möchte, sollte daher nicht bis zum letzten Moment warten, sondern rechtzeitig passende Angebote miteinander vergleichen.

Höchstrechnungszins bei anderen Versicherungen

Der Höchstrechnungszins hat auch Auswirkungen auf die Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn die Versicherer bilden aus den Beiträgen einer BU-Versicherung Rückstellungen, mit denen spätere Leistungsfälle finanziert werden.

Bei der Kalkulation darf die Versicherung für diese Deckungsrückstellungen maximal eine Verzinsung in Höhe des Höchst­rechnungs­zinses ansetzen. In der Regel wird auch hier – wie beim Garantiezins – der Höchstrechnungszins übernommen.

Je niedriger der Zins ausfällt, desto höher ist der Beitrag, der für die BU-Versicherung gezahlt werden muss.

Ebenso wirkt sich der Garantiezins auf die Beiträge einer Risikolebensversicherung aus. Auch hier müssen die Versicherer Rückstellungen in Höhe der voraussichtlich anfallenden Leistungen aufbauen. Diese Gelder werden in der Regel mit dem Höchstrechnungszins verzinst.

Sinkt der Zinssatz, fallen für die Rück­stellungen weniger Zinsen an. Es muss für den gleichen Risikoschutz mehr Geld aufgewendet werden: der Beitrag für die Versicherung erhöht sich.

Absenkung wirkt sich nur auf neue Verträge aus

Die Absenkung des Höchst­rechnungs­zinses wirkt sich nur auf neue BU- und RLV-Policen aus. Bestehende Verträge sind davon grundsätzlich nicht betroffen.

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