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Autounfall - was tun?

Lesezeit 7 Min.
aktualisiert am 14.07.2020

Wie sichere ich die Unfallstelle ab?

Autounfall

Zuerst überprüfen Sie, ob Sie und gegebenenfalls weitere Isassen unverletzt sind. Dann sichern Sie die Unfallstelle ab indem Sie:

  • den Warnblinker einschalten
  • die Warnweste anziehen
  • das Warndreieck in angemessenem Abstand aufstellen (je nach Topografie und Verkehrssituation 50 bis 250 Meter von der Unfallstelle entfernt)

Wenn es notwendig ist, bergen und versorgen Sie verletzte Personen (erste Hilfe leisten). ZUsätzlich können Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 und die Polizei unter der Nummer 110 verständigen.

Bei geringen Sachschäden (sogenannten Bagatellschäden) – etwa Kratzern im Lack – kommt die Polizei meist nicht.

Wir raten Ihnen trotzdem, zu einem Unfall immer die Polizei zu rufen, besonders wenn Sie einen Miet- oder Firmenwagen fahren. Zudem ist eine Polizeipräsenz in diesen Fällen notwendig:

  • wenn Personen verletzt wurden
  • wenn es zum Streit mit den Unfallbeteiligten kommt
  • bei Unfallflucht 

Wie dokumentiere ich den Unfall?

Sichern Sie die Beweise vor Ort (Daten von Zeugen aufschreiben, Unfall fotografieren, Unfallsituation mit Kreide aus dem Verbandskasten umreißen).

Notieren Sie sich die Daten aller Unfallbeteiligten (Kennzeichen, Name und Anschrift, Name der Kfz-Versicherung sowie die Versicherungsnummer) sowie von Zeugen.

Füllen Sie noch vor Ort zusammen mit den anderen Unfallbeteiligten einen unterschriebenen Unfallbericht aus (je ein Exemplar für Sie und Ihren Unfallgegner).
Den ausgefüllten Bericht reichen Sie dann bei Ihrem Kfz-Versicherer ein.

Wichtig: Geben Sie kein Schuldanerkenntnis ab. Es ist die Aufgabe der Kfz-Haftpflichtversicherung, Schadenersatzansprüche gegen Sie zu prüfen.

Ist der Unfall aufgenommen, muss die Unfallstelle möglichst schnell für den Verkehr wieder freigeräumt werden. Fahrzeugteile und andere Gegenstände müssen Sie bei leichten Unfällen selbst wegräumen.

Welche Versicherung ist zuständig?

Unabhängig von der Schuldfrage haben Sie die Pflicht, Ihre Kfz-Versicherung umgehend über den Unfall zu informieren, jedoch spätestens binnen einer Woche.

Das betrifft in jedem Fall die Kfz-Haftpflichtversicherung des Fahrzeuges. Verfügen Sie darüber hinaus über eine Kaskoversicherung, benachrichtigen Sie diese ebenfalls.

Der Sachverhalt wird dann geprüft. Die Gesellschaft setzt sich mit der gegnerischen Assekuranz wegen der Schuldfrage auseinander und reguliert den Schadensfall für Sie.

Haben Sie ein Wildtier angefahren, muss auch der zuständige Förster oder Jagdpächter informiert werden.

Was bezahlt die Kfz-Versicherung?

Reparatur:
Grundsätzlich haben Sie die Wahl, ob Sie den Unfallschaden tatsächlich reparieren lassen oder nicht. Lassen Sie ihn richten, wird auch die volle Summe erstattet.

Verzichten Sie auf eine Reparatur oder setzen Sie den Pkw selbst wieder instand, rechnen Sie den Schaden fiktiv ab. Dann erstattet die Versicherung Ihren Schaden anhand einer Fachwerkstatt oder einer vom Gutachter ermittelten Instandsetzungskostenschätzung.

Bei einem Totalschaden bekommen Sie nur die Differenz zwischen dem Wiederbeschaffungswert eines vergleichbaren Fahrzeugs und dem Restwert ausbezahlt.

Mietwagen:
So lange Ihr Auto in der Werkstatt repariert wird, können Sie sich einen Mietwagen nehmen.

Bedingungen: Sie brauchen täglich einen Wagen und fahren mindestens 20 Kilometer am Tag damit. Sie müssen zudem dieselbe Fahrzeugkategorie oder eine niedriger nehmen als Ihr verunfalltes Auto. Außerdem Sie verpflichtet, Angebote (mindestens drei) zu vergleichen und den günstigsten Leihwagen eines örtlichen Vermieters zu nehmen.

Verzichten Sie auf einen Mietwagen und nutzen stattdessen andere Verkehrsmittel, steht Ihnen dafür eine Nutzungsausfallentschädigung zu.

Weitere Aufwendungen:
Darüber hinaus können Sie Kosten geltend machen für:

  • Abschleppen
  • Anwalt
  • Gutachter
  • Fahrzeugentsorgung
  • Pauschalen für Telefon und Porto
  • eventuell Wertminderung des Wagens

Sind Sie durch den Verkehrsunfall verletzt worden, steht Ihnen Schmerzensgeld zu. Auch ein Verdienstausfall, Rentenzahlungen, Heilbehandlungskosten, Reha-Maßnahmen und Pflegekosten können hier eine Rolle spielen.

Können Sie Ihren Haushalt aufgrund der Verletzungen nicht oder nur eingeschränkt bewältigen, haben Sie für diese Zeit einen Anspruch auf eine Haushaltshilfe.

Entschädigt wird anhand der festgestellten Haftungsquote.

Sind Sie am Unfall zu 100 Prozent unschuldig, erhalten Sie auch 100 Prozent Ihrer geltend gemachten Aufwendungen erstattet.

Bei einer 50-prozentigen Schuld beträgt die Entschädigung entsprechend nur 50 Prozent.

Haben Sie eine Kaskoversicherung, kommt diese bei einer Teilschuld Ihrerseits im Rahmen der vertraglichen Vereinbarungen für durch die Versicherung des Unfallgegners nicht übernommene Schäden an Ihrem eigenen Pkw auf.

Wann kann das Auto zur Reparatur?

Hat die Versicherung eine Reparaturkostenübernahme zugesagt, können Sie eine Werkstatt mit der Instandsetzung beauftragen.

Ansonsten kann die Werkstatt auch direkt mit der Versicherung abrechnen. Dafür unterschreiben Sie eine Abtretungserklärung. Vorsicht: Sie tragen dann trotzdem als Auftraggeber das finanzielle Risiko, sollte der Kfz-Versicherer die Rechnung nicht oder nur teilweise begleichen.

Antworten auf Ihre Fragen

Ist ein Gutachten sinnvoll?

Bei einem Bagatellschaden (bis rund 1.000 Euro) reichen der Autoversicherung im Normalfall Fotos der Beschädigungen am Auto sowie ein Kostenvoranschlag einer Kfz-Werkstatt.

Liegt der Schaden voraussichtlich darüber, dürfen Sie als Geschädigter einen Gutachter frei wählen. Sie reichen das Gutachten bei der Gesellschaft des Unfallverursachers ein, diese muss die Kosten übernehmen.

Wer meldet den Unfall?

Einen Autounfall seiner Versicherung melden muss der Unfallverursacher. Ist unklar, wer den Unfall verursacht hat, sollten sich alle Unfallbeteiligten an ihre jeweilige Versicherung wenden und den Schaden melden.

Was zahlt die Versicherung, wenn der Schaden nicht repariert wird?

Einen Schaden müssen Sie nicht reparieren lassen. Sie können den Autounfall auch fiktiv mit der Autoversicherung abrechnen. Das bedeutet, die Versicherung bezahlt den Nettobeitrag der geschätzten Reparaturkosten – ohne Mehrwertsteuer. Grundlage dafür ist beispielsweise ein Kostenvoranschlag einer Kfz-Werkstatt oder ein Gutachten.

Unfall im Ausland

Andere Länder, andere Sitten – das gilt auch bei einem Verkehrsunfall im Ausland. Die Schadensregulierung ist zwar europaweit weitestgehend einheitlich geregelt, nationale Unterschiede bestehen aber nach wie vor, etwa bei den Deckungssummen und dem Leistungsumfang.

Schadensregulierung nach Landesrecht

Bei der Schadensregulierung ist normalerweise das Recht des Landes maßgeblich, in dem sich der Unfall ereignet hat. Aus welchen Staaten die Unfallbeteiligten kommen und wo die Kfz-Versicherer ihre Unternehmenssitze haben, ist in aller Regel irrelevant.

Bei einem Verkehrsunfall im Ausland kommen neben dem Schreckmoment und der ungewohnten Situation meist erschwerend Sprachbarrieren hinzu.

Beachten Sie im Ausland folgende Hinweise:

Europäischer Unfallbericht

Legen Sie vor Fahrten ins Ausland vorsorglich einen europäischen Unfallbericht ins Auto. Das mehrsprachig erhältliche Dokument bekommen Sie beispielsweise über Ihre Kfz-Versicherungsgesellschaft und den Deutschen Büro Grüne Karte e.V. Dies erleichtert die Schadensregulierung. Füllen Sie den EU-Unfallbericht mit dem Unfallgegner aus. In einigen europäischen Ländern sind diese Angaben die alleinige Beurteilungsgrundlage bei der Haftungsfrage.

Polizeiliche Unfallaufnahme

Bestehen Sie auf einer polizeilichen Unfallaufnahme. In einigen Ländern (beispielsweise Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn) ist das polizeiliche Unfallprotokoll die Grundlage für die Schadensregulierung. Lassen Sie sich eine Durchschrift geben und unterschreiben Sie keine unverständlichen Dokumente.

Ärztliches Attest

Suchen Sie bei Verletzungen noch im Reiseland einen Arzt auf und lassen Sie sich ein Attest ausstellen. Damit können Sie später gegebenenfalls Schadensersatz und Schmerzensgeld geltend machen. Ausländische Kfz-Haftpflichtversicherungen erkennen ärztliche Atteste aus Deutschland häufig nicht an.

Kfz-Versicherungsdaten ermitteln

Beachten Sie bei ausländischen Fahrzeugen, dass die Kfz-Versicherung nicht zwangsläufig über das Kennzeichens zu ermitteln ist: So sind die Versicherungsdaten beispielsweise bei in Frankreich und Italien zugelassenen Fahrzeugen auf einer Plakette an der Frontscheibe vermerkt.

Grüne Versicherungskarte

Sie benötigen in einigen Ländern bei einem Verkehrsunfall die Grüne Versicherungskarte als Nachweis, dass Ihr Auto haftpflichtversichert ist: Die Grüne Karte heißt offiziell Internationale Versicherungskarte für den Kraftverkehr und enthält Angaben zu Ihrer Kfz-Versicherung, Ihrem Fahrzeug und Ihnen als Versicherungsnehmer.

Totalschaden

Bedenken Sie, dass bei einem Totalschaden Ihres Fahrzeugs eine Verschrottung vor Ort günstiger als ein Rücktransport nach Deutschland sein kann: Ein Kfz-Sachverständiger sollte das Fahrzeug jedoch zuvor begutachten, um unter anderem den Restwert festzustellen. Wenn Sie einen Kfz-Schutzbrief besitzen, können Sie Ihr Fahrzeug hingegen in der Regel ohne Zusatzkosten zurückbringen lassen.

Kfz-Versicherung informieren

Informieren Sie vorsichtshalber Ihre eigene Kfz-Versicherungsgesellschaft über den Schaden im Ausland. Schicken Sie den Unfallbericht innerhalb von fünf Tagen per Einschreiben mit Rückschein an Ihre Gesellschaft. Selbst wenn Sie nicht schuld sind, kann es sein, dass Ihr Kfz-Versicherer unberechtigte Ansprüche abwehren muss.

Schadenersatz geltend machen

Sie können als Unfallopfer im europäischen Ausland auch in Deutschland Ihre Ansprüche gegenüber dem Unfallgegner beziehungsweise dessen Versicherung geltend machen. Laut der EU-Richtlinie über die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung 2009/103/EG, Art. 29 muss jede ausländische Kfz-Versicherung hierzulande einen Repräsentanten haben, an den Sie mit Ihren Schadensersatzansprüchen treten können. Wer das in Ihrem Fall ist, finden Sie über den Zentralruf der Autoversicherer heraus.

Verkehrsopferhilfe

Sie können sich an die Entschädigungsstelle des Vereins Verkehrsopferhilfe e.V. wenden, wenn zum Beispiel der Unfallgegner im Ausland Fahrerflucht begangen hat und das Fahrzeug binnen zwei Monaten nicht ermittelt werden konnte.

Ansprechpartner und Telefonnummern

  • Europaweite gebührenfreie Notrufnummer 112 für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst
  • Zentralruf der Autoversicherer, Tel. 0049 (0)180/25026, www.zentralruf.de
  • Deutsches Büro Grüne Karte e.V., Tel. 0049 (0)30/20205757, www.gruene-karte.de
  • Verkehrsopferhilfe e.V., Tel. 0049 (0)30/20205000, www.verkehrsopferhilfe.de

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Sascha Rhode

Redakteur Sascha Rhode

Experte für Kfz-Versicherung sowie automobilen Entwicklungen im Pkw- und Motorradbereich.

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