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Autonomes Fahren

Lesezeit 4 Min.
aktualisiert am 25.06.2020

Welche Assistenzsysteme gibt es?

Derzeit gibt es bereits zahlreiche Fahrerassistenzsysteme, die – teilweise in Kombination – Fahraufgaben übernehmen. Dazu gehören:

Abstand und Geschwingigkeit halten Notbremsen
Berganfahrhilfe/Bergabfahrhilfe Spur halten/verlassen/wechseln
Überholen Parken
Müdigkeitswarner Licht (automatisches Fernlicht, Kurvenlicht, Nachtsicht)
Verkehrszeichenerkennung Abbiegen
ABS & ESP Antriebschlupfregelung (ASR)

5 Stufen des autonomen Fahrens

Der Automatisierungsprozess beim Autofahren ist in fünf „Evolutionsstufen” unterteilt.

Derzeit (Stand Oktober 2019) gibt es bereits Fahrzeuge der Stufe 2 bis 3. Pkw mit „Level 3-Systemen” sind in Deutschland jedoch rechtlich noch nicht genehmigt. Daher sind diese Funktionen noch deaktiviert. Auf Teststrecken hingegen werden bereits Fahrzeuge mit Level 3 bis 5 unter realen Verkehrsbedingungen getestet.

  1. Assistiertes Fahren
  • Der Fahrer beherrscht ständig sein Fahrzeug.
  • Der Fahrer muss den Verkehr ständig im Blick haben.
  • Einzelne Assistenzsysteme unterstützen bei bestimmten Fahraufgaben.

Beispiel Tempomat

Die eingestellte Geschwindigkeit wird gehalten, bis der Fahrer eingreift.

  1. Teilautomatisiertes Fahren
  • Der Fahrer beherrscht ständig sein Fahrzeug.
  • Der Fahrer muss den Verkehr ständig im Blick haben.
  • Unter definierten Bedingungen hält das Fahrzeug die Spur, bremst und beschleunigt.

Beispiel Stauassistent

Beim Fahren im Stau orientiert sich der Wagen am vorausfahrenden Fahrzeug und folgt diesem selbstständig.

  1. Hochautomatisiertes Fahren
  • Der Fahrer darf sich vorübergehend von Fahraufgabe und Verkehr abwenden.
  • In vom Hersteller vorgegebenen Anwendungsfällen fährt der Pkw selbstständig.
  • Der Fahrer muss auf Anforderung durch das System kurzfristig übernehmen.

Beispiel Autobahnfahrt

Auf der Autobahn übernimmt die Technik das Fahren. In Ausnahmesituationen (etwa Baustelle) übernimmt der Fahrer.

  1. Vollautomatisiertes Fahren
  • Der Fahrer kann die Fahrzeugführung komplett abgeben.
  • Das Fahrzeug bewältigt Fahrten auf vielen Strecken völlig selbstständig.
  • Die Passagiere dürfen anderen Tätigkeiten nachgehen.
  • Das System erkennt seine Grenzen so rechtzeitig, dass es regelkonform einen sicheren Zustand herstellt.

Beispiel Innenstadtfahrt

Auch im Stadtverkehr fährt der Pkw autonom.

  1. Autonomes Fahren
  • Die Technik im Auto bewältigt alle Verkehrssituationen.
  • Passagiere sind ohne Fahraufgabe.
  • Fahrten ohne Insassen sind möglich.

Wie funktioniert autonomes Fahren?

 Autonomes Fahren Technik  

GPS: Liefert die „Makro”-Position des Fahrzeuges. Durch Geschwindigkeit (Tacho), Höhenmeter und Beschleunigungsdaten kann die aktuelle Position noch genauer berechnet werden.

Radar: Radiowellen werden eingesetzt, um Gegenstände/Menschen in den toten Winkeln eines Fahrzeuges zu erkennen.

LiDAR: Scanner tasten die Fahrzeugumgebung mit Laserstrahlen ab. So werden die Abstände zu Gegenständen/Menschen rund um das Fahrzeug (360 Grad) gemessen. Die Ortung ist bis zu zwei Zentimeter genau.

Kamera: Durch Vidiokameras (an der Front und am Heck) kann die Straße vor und hinter dem Pkw in Echtzeit dargestellt werden – optimaler Weise in 3D.
Infrarotkameras fangen von den Frontscheinwerfern ausgestrahltes Infrarotlicht auf. Sie erhöhen die Nachtsicht. Das verbesserte Bild wird beispielsweise auf dem Cockpit-Display angezeigt.

Ultraschall: Ultraschall-Sensoren messen die Position von Gegenständen/Menschen in unmittelbarer Fahrzeugnähe. Das sind beispielsweise Bordsteinkanten oder aus-/einparkende Autos.

Die Daten laufen in einem zentralen Fahrzeugcomputer zusammen. Hier werden sie nahezu in Echtzeit verarbeitet, analysiert und in Fahrzeugbefehle umgesetzt.

Außerdem ist das Fahrzeug etwa mit anderen Autos (Car-to-Car-Kommunikation) und Verkehrssystemen (Car-to-X-Kommunikation)vernetzt. So erhält es weitere Informationen über die Verkehrssituation auf der Strecke, beispielsweise Warnungen vor Aquaplaning oder einem Stau.

Notwendig sind leistungsstarke Rechner und moderne Mobilfunktechnik.

Wo gibt es Teststrecken für das autonome Fahren?

Autonome Fahrzeuge werden hierzulande auch im öffentlichen Straßenverkehr getestet.

2019 sind diese Teststrecken für das autonome Fahren hinzugekommen:

  • April 2019: zwei innerstädtische Strecken in Hamburg
  • April 2019: Testgebiet im Dreiländereck Deutschland, Luxemburg, Frankreich
  • September 2019: innerstädtische Teststrecke (Straße des 17. Juni) in Berlin

Welche Vorteile hat ein automatisierter Verkehr?

Zeit
Beim autonomen Fahren können die Passagiere die Fahrzeit frei nutzen.

Komfort
Als Passagier in einem autonom fahrenden Auto ist der Komfort höher.

Umweltschutz
Ein optimierter Verkehrsfluss führt laut dem Verband der Deutschen Automobilwirtschaft (VDA) zu einem geringeren CO2-Ausstoß und damit zu weniger Umweltbelastungen.

Sicherheit
Die allermeisten Verkehrsunfälle passieren aufgrund menschlichen Fehlverhaltens. Steuert die Technik, erhöht sich die Verkehrssicherheit.

Effizienz
Der Verkehr auf den Straßen nimmt zu. Durch vernetztes, autonomes Fahren kann der Verkehrsfluss optimiert werden.

Kosten
Durch weniger Verkehrsunfälle reduzieren sich die sozialen Kosten (beispielsweise durch Arbeitsausfall)

Welche Herausforderungen gibt es?

Bis Autos überall wirklich autonom fahren werden, sind noch einige Herausforderungen zu meistern. Die Systeme müssen unter allen Umständen absolut sicher funktionieren. Dazu müssen auch die notwendigen Bedingungen gegeben sein, etwa die Verkehrsinfrastruktur und die Gesetzgebung.

Autonomes Auto: Wer haftet bei einem Unfall?

Derzeit ist die Haftungsfrage beim Autofahren klar geregelt. Bei einem Unfall haftet der Fahrer. Das ist auch beim automatisierten Fahren so – also bei Pkw mit genehmigten und aktiven Assistenzsystemen an Bord.

Bei autonomen Fahrzeugen gibt es derzeit /(Stand Oktober 2019) noch keine verbindlichen rechtlichen Regelungen. Es ist vorgesehen, dass in Zukunft Pkw-Insassen dann als reine, haftungsbefreite Passagiere gelten.

Bei einem Unfall würde dennoch die Kfz-Versicherung des Autos den Schaden übernehmen. Wäre der Unfall auf einen technischen Fehler des Pkw zurückzuführen, würde der Hersteller in Regress genommen werden.

Antworten auf Ihre Fragen

Ist autonomes Fahren sicherer?

Experten gehen davon aus, dass autonomes Fahren sicherer ist. Denn das größte Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr ist der Mensch – sprich der Fahrer. Allerdings muss die Technik für das autonome Fahren komplett ausgereift sein und möglichst flächendeckend eingesetzt werden.

Wo ist autonomes Fahren erlaubt?

Das autonome Fahren ist in Deutschland derzeit (Stand Juni 2020) nur zu Testzwecken mit Sondergenehmigung möglich.

Wer haftet bei einem Unfall mit einem autonom fahrenden Auto?

Verursacht ein autonom fahrendes Auto einen Unfall, haftet nach derzeitigem Stand zunächst der Eigentümer beziehungsweise Halter. Den Schaden wird daher dessen Kfz-Haftpflichtversicherer tragen. Ist die Technik am Unfall schuld, kann der Versicherer den Autohersteller in Regress nehmen.

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Sascha Rhode

Redakteur Sascha Rhode

Experte für Kfz-Versicherung sowie automobilen Entwicklungen im Pkw- und Motorradbereich.

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