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Interview mit Hans-Bernhard Beykirch, Vizepräsident von Visa Deutschland über die Zukunft des Bezahlens

Visa ist eine der größten und bekanntesten Kreditkartengesellschaften weltweit. Seit dem Börsengang von Visa Inc. im Jahr 2007 ist Visa Europe eigenständig und hat seinen Sitz in London sowie weitere Dependencen in ganz Europa. Hans-Bernhard Beykirch, Vizepräsident von Visa Deutschland, stand CHECK24 im Interview Rede und Antwort. Beykirch räumt im Gespräch mit den größten Irrtümern über die Kreditkartengesellschaft Visa auf und spricht über die Bezahlmethoden der Zukunft wie etwa Mobile Payment oder die digitale Brieftasche.| bme

Interview mit Hans-Bernhard Beykirch (Vizepräsident Visa Deutschland)

CHECK24: Schön, dass Sie sich Zeit für ein Interview genommen haben, Herr Beykirch. Am Anfang eine sehr allgemeine Frage: Was ist Visa?

Beykirch: Die typische Antwort auf diese Frage wäre: Visa ist ein US-amerikanisches Kreditkartenunternehmen. Dieser Satz enthält allerdings drei Fehler:

Erstens sind wir nicht amerikanisch, wir sind Visa Europe mit Sitz in London. Punkt 2: Wir sind auch kein Unternehmen, sondern ein Mitgliedsverband. Unsere Vereinsmitglieder sind ungefähr 3.600 Banken in Europa, davon knapp die Hälfte aus Deutschland.

Info: Kreditkartenmarkt in Deutschland
Visa: 16,7 Millionen
Mastercard: 16,1 Millionen
American Express: 1,5 Millionen
DinersClub: 50.000
34,3 Millionen Kreditkarte im Umlauf

Hierzulande gibt es einen stark fragmentierten Bankenmarkt, durch das Drei-Säulen-System mit Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Banken.

Der dritte Fehler in diesem Satz ist das Thema Kreditkarte. Von den Karten, die wir in Europa ausgeben sind mittlerweile 80 Prozent Debitkarten. Davon sind mittlerweile über 25 Millionen als V PAY Karten in Deutschland ausgegeben.

CHECK24: Worin besteht das Geschäftsmodell von Visa?

Beykirch: Das wichtigste bei unserem Geschäftsmodell ist Kundenvertrauen und Akzeptanzreichweite. Das Geschäftsmodell von Visa funktioniert relativ einfach. Wir leben gegenüber dem Konsumenten vom Vertrauen in die Marke Visa.

Und für Banken gilt: Die Institute, die Visa nutzen wollen, müssen Mitglieder von Visa Europe sein. Um Mitglied zu werden, muss ein Unternehmen entsprechend der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie als Zahlungsdienstleister registriert sein. Ist ein Unternehmen in diesem Rahmen Visa Mitglied geworden, kann es Visa Karten ausgeben oder Händlerverträge abschließen. In unserem Rechenzentrum buchen wir dann Transaktionen von beispielsweise einer spanischen Händlerbank zu der deutschen Bank des Kartenemittenten.

CHECK24: Was ist aktuell Ihr Ziel?

Beykirch: Die Welt verändert sich ganz massiv. Derzeit werden kontaktlose, mobile und neue online Bezahlverfahren eingeführt.

Zum einen ist es Wunsch der Händler, die Zahlung an der Kasse zu beschleunigen. Der zweite Punkt ist, dass die Kartenzahlung auch für Kleinbetragszahlungen stärker genutzt wird. Bei größeren Beträgen hat sich die Visa-Karte als Zahlungsmittel längst etabliert.

Aus diesem Grund arbeiten wir aktuell an der Einführung des kontaktlosen Bezahlens. Hier wird die Karte nur noch an das Terminal gehalten und innerhalb weniger Sekunden kann man so Beträge bis zu 25 Euro ohne Eingabe einer PIN oder der Unterschrift bezahlen. Mittlerweile sind in Deutschland ca. 35.000 Terminals entsprechend ausgerüstet.

Kontaktlose Bezahlung und Mobile Payment:
"Am Ende des Tages muss der Kunde der Zahlmethode vertrauen."

Kreditkarten Terminal

Anhalten – Dranhalten- Bezahlen so die Idee der kontaktlosen Bezahlung per Kreditkarte, die in Sekundenschnelle funktioniert.

CHECK24: Überall funktioniert es jedoch noch nicht problemlos. Woran liegt das?

Beykirch: Das kontaktlose Bezahlen ist eine neue Technologie, wie beispielsweise die Chipeinführung vor ein paar Jahren. Das Kassenpersonal muss geschult werden, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Wir haben die Händler mit Flyern für das Kassenpersonal unterstützt: Diese können im internen Bereich der Läden genutzt werden, um das Kassenpersonal zu schulen.

CHECK24: Mobile Payment funktioniert ebenfalls kontaktlos. Können Sie diese Zahlweise näher erklären?

Beykirch: Genau wie bei der kontaktlosen Visa Karte funktioniert auch mobiles Bezahlen mit der gleichen Technologie, der Near Field Communication, kurz NFC genannt. Vereinfacht ausgedrückt wird hierbei die Visa Karte in das Handy integriert. Deshalb ist auch im Handy ein Hardware-Baustein verbaut, das sogenannte Secure Element. Dieses kann auf der SIM-Karte sitzen oder im Smartphone integriert sein.

CHECK24: Was muss der Kunden tun, wenn er per Smartphone bezahlen möchte?

Beykirch: Bei unserem Partner Vodafone funktioniert es so: Sie registrieren sich bei Vodafone auf der Webseite. Dann wird Ihnen ein Sticker zugeschickt, den Sie auf´s Handy kleben. Im Anschluss laden Sie die App herunter und starten sie. Dabei sollten Sie die App mit einem PIN-Code schützen. Sobald Sie den PIN-Code eingegeben haben, sehen Sie Ihr verfügbares Guthaben, das können Sie dann auch per Überweisung, Kreditkarte oder Lastschrift aufladen. Denn zunächst mal ist der NFC-Sticker eine Prepaid-Kreditkarte – in Zukunft werden Sie auch andere Kreditkarten dort hinterlegen können.

CHECK24: Wer haftet im Betrugsfall oder wenn das Handy verloren geht?

Beykirch: Wenn beim mobilen oder kontaktlosen Bezahlung Betrug stattfindet, gelten die üblichen Regeln wie bei der Kreditkarte auch. Das Handy sollte natürlich im Verlustfall gesperrt werden. Wenn ich das Handy also verliere, hat jemand, der es in die Hände bekommt theoretisch die Möglichkeit, einige wenige Beträge unter 25 Euro zu bezahlen. Deswegen gilt: Das Smartphone bei Verlust schnell sperren lassen. In der Regel haftet dann die Bank und nicht der Verbraucher.

"Es wird immer Menschen geben, die beim Bargeld bleiben."

CHECK24: Bei der kontaktlosen Bezahlung per Kreditkarte hält man die Karte einfach an das Terminal. Beim kontaktlosen Bezahlen per Smartphone sind viele weitere Schritte nötig: Das Handy muss entsperrt, die App gestartet und entriegelt werden. Wo also liegt der Vorteil von Mobile Payment?

Beykirch: Mobiles Bezahlen funktioniert identisch wie kontaktloses Bezahlen. Es ist schnell und einfach. Viele Kunden möchten einfach per Smartphone bezahlen. Es gibt viele Menschen, die den ganzen Tag ein Smartphone in der Hand haben und die viel damit machen, ihr Leben und ihre Arbeit darüber organisieren und die auch gerne damit bezahlen möchten. Diesen Menschen bieten wir die Möglichkeit.

Es wird aber immer Menschen geben, die beim Bargeld bleiben und welche, die gerne weiter mit der Bankkarte bezahlen wollen, weil das für sie bequem ist. Es gibt Menschen, die nutzen eine Kreditkarte, weil sie sich z.B. im internationalen Umfeld bewegen. Für jeden gibt es ein entsprechendes Angebot. Mobiles Bezahlen bietet eine weitere Alternative, Sie wählen einfach die Bezahlmethode aus, die Sie präferieren.

Mobile Payment

Mobile Payment: Die kontaktlose Bezahlung mit dem Smartphone hat auch Kritiker, wie beispielsweise den Technologie-Experten und T3N-Autor Maik Klotz.

CHECK24: Auch im Bereich einer eigentlich altgedienten Zahlweise, der Zahlung per Girokarte, gibt es eine Neuerung: Die V PAY Karte. Was ist daran so besonders?

Beykirch: Wir sind mit V PAY vor einigen Jahren im deutschen Markt mit weniger als einer Million Karten gestartet, jetzt sind bereits 25 Millionen V PAY Karten in Deutschland ausgegeben. Wir wollen diese Zahl in den kommenden Jahren noch weiter ausbauen. Die V PAY Karte kann im Handel nur mit Chip und PIN genutzt werden. Das ist gerade bei Debitkarten wichtig, dadurch sinkt das Betrugsrisiko für den Kunden. Das ist bei Bankkarten deutlich relevanter als etwa bei Kreditkarten, denn hier wird das Geld direkt vom Gehaltskonto abgebucht. Zwar bekommt der Kunde das Geld dann ja erstattet, aber der Schock ist im ersten Moment natürlich erst einmal groß. Die V PAY Karte haben wir zusammen mit Banken erstellt, Hauptdesignmerkmal war es eben, das Betrugsrisiko zu minimieren. Da der Magnetstreifen nicht für die V PAY Zahlung genutzt werden kann, ist die Karte zurzeit nur in Europa einsetzbar und beispielsweise nicht in Ländern wie den USA.

Mehr Betrugsfälle und Onlineshopping: Das sind die größten Herausforderungen für Visa

CHECK24: Immer mehr Verbraucher kaufen Ihre Produkte über das Internet. Welche Herausforderungen kommen hier auf das Unternehmen Visa zu?

Beykirch: Das Problem in Deutschland ist bisher: Sie können vom Girokonto faktisch nicht in einer vernünftig, gesicherten Weise im Internet bezahlen. Das liegt u.a. daran, dass man die Kartennummer der Girokarte bei den meisten Internethändlern nicht eingeben kann, denn diese ist 19-stellig und nicht 16-stellig.

Mit der Kreditkarte hingegen kann man sehr gut im Internet bezahlen. Der Vorteil ist beispielsweise, dass im Falle eines Händlerbetrugs der Kunde das Geld zurückgebucht bekommt. Der Kunde ist geschützt, wenn die Ware gar nicht, falsch oder defekt geliefert wird. Der Kunde muss sich zunächst an den Händler wenden. Wenn der Händler nicht reagiert, kann sich der Kunde an den Emittenten seiner Karte richten. Aber gerade im grenzüberschreitenden Handel sollte auch der Kunde auf die Seriosität des Angebots achten. Wenn beispielsweise eine Rolex 50 Euro kostet, sollte sich der Verbraucher schon fragen, ob das sein kann und im Zweifelsfall davon Abstand nehmen.

CHECK24: Zum ersten Mal seit vier Jahren stieg die Zahl der Betrugsfälle bei Kreditkarten wieder an, wie die EZB im Februar berichtete. Was tut Visa dagegen?

Beykirch: Wir erweitern ständig unsere Produktpalette und führen noch in diesem Jahr V.me by Visa in Deutschland ein. V.me by Visa ist die digitale Geldbörse von Visa. Damit wollen wir nicht nur die Zahlung per Kreditkarte im Internet noch stärker absichern, wir wollen damit auch letztendlich die Debitkarte in einem gesicherten Verfahren ins Internet bringen. Was natürlich bedeuten würde, dass bei einer V.me by Visa-Transaktion die gleichen Käuferschutz-Regeln und Sicherheitsregeln gelten wie sie heute bereits bei Visa Kreditkarten gelten. Der Kunde registriert sich und kann dann seine Karten einstellen, das kann beispielsweise auch die Mastercard oder American Express Card sein.

CHECK24: Was ist der Vorteil von V.me by Visa?

Beykirch: Grundsätzlich hat der Kunde den Vertrag für die V.me Wallet mit seiner Bank – nicht mit einem Drittanbieter, den er kaum kennt. Außerdem erfährt der Händler bei einem Onlineeinkauf mit V.me by Visa niemals die Kartennummer des Kunden. Der Händler bekommt ein sogenanntes Einmaltoken, nur für diese eine Transaktion. Damit erhält der Händler die Zahlungsgarantie, aber nicht die Kartennummer. So wird der gesamte Zahlungsverkehr sicherer. V.me by Visa wurde bereits in England, Frankreich, Spanien eingeführt. In Polen und Irland gehen wir gerade in den Markt und Deutschland wird im Spätsommer dieses Jahres folgen.

Mobile Payment

Wenn es nach Visa geht, zahlen Kunden künftig im Internet mit der digitalen Brieftasche V.me.

CHECK24: Wo genau sind die Daten online gespeichert?

Beykirch: Die Daten liegen zentral in unserem Rechenzentrum in der Nähe von London. Wenn eine Bank sagt, ich möchte die Daten gerne selbst bei sich im Rechenzentrum speichern, wäre auch dies möglich. Die meisten der Banken, die V.me by Visa eingeführt haben, entscheiden sich jedoch dafür, die Daten bei uns zu belassen. Wir betreiben für V.me by Visa ein Risikomanagementsystem, um betrügerische Transaktionen weiter zu erschweren.

Wie das Risikomanagementsystem das Bezahlen sicherer macht

CHECK24: Wie funktioniert dieses Risikomanagementsystem?

Beykirch: Das Risikomanagementsystem funktioniert folgendermaßen: Die Eingabe des Passworts ist bei einer normalen Transaktion völlig ausreichend. Beispielsweise, wenn man einen Blumenstrauß für 30 Euro im Internet bestellt. In so einem Fall sagt das System direkt: niedriges Risiko, Passwort reicht aus.

Wenn aber beispielsweise der Kunde eine Digitalkamera für 500 Euro kauft, wäre das ein höheres Risiko. Aber im Grunde sagen wir dem Kartenherausgeber: Diese Transaktion ist ein hohes Risiko. In so einem Fall würden die meisten Banken dann zusätzlich das Passwort von Verified by Visa abfragen.

Mobile Payment

Die Infografik zeigt, was passiert, wenn der Kunde an der Kasse per Kreditkarte zahlt.

Das ist auch der Grund, warum sich viele Emittenten dafür entscheiden, die Daten bei uns zu belassen und das Risikomanagement über uns zu machen. Denn bei uns fließen ja sehr viel mehr Daten aus allen Ländern Europas zusammen. Wir machen damit faktisch das Bezahlen im Internet noch einen Schritt sicherer – auch fühlbar sicherer für den Kunden. Denn am Ende des Tages muss der Kunde dieser Zahlungsmethode vertrauen.

CHECK24: Welche Konkurrenten haben Sie bei diesem Verfahren?

Beykirch: Konkurrenz mit der gleichen Funktionalität gibt es nicht. Der Vorteil von V.me by Visa ist das Risikomanagement und das wir dem Händler keine echte Kreditkartennummer übertragen, sondern nur einen Einmaltoken. Aus Sicherheitssicht kann unser Produkt demzufolge sehr viel. Zudem sieht der Kunde alle Transaktionen auf einen Blick

CHECK24: Ein sehr aktuelles Thema sind die Interbankenentgelte: Von Mastercard hat man sehr viel gehört (siehe hierzu das Interview mit Jürgen Uthe). Visa hat sich im Gegensatz dazu eher im Hintergrund gehalten. Woran liegt das?

Beykirch: Natürlich wären unsere Mitgliedsbanken von der Regulierung auch betroffen, so wie sie vor einigen Wochen im Europäischen Parlament diskutiert wurde – die zweite Lesung fehlt ja noch. Mehr kann ich an dieser Stelle dazu nicht sagen.

CHECK24: Am Ende noch eine persönliche Frage: Wie zahlen Sie persönlich am liebsten?

Beykirch: Ich zahle bevorzugt mit Kreditkarte, mittlerweile auch gerne kontaktlos.

CHECK24: Vielen herzlichen Dank für das Interview, Herr Beykirch.