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"Mobile Payment löst ein Problem, das nicht existiert."

Die Kreditkartengiganten MasterCard und Visa kämpfen aktuell um die Schlüsselposition im Mobile Payment-Geschäft und investieren vermehrt in diesen Bereich. Beide Unternehmen wollen die Bezahlung per Smartphone und Near Field Communication vorantreiben. Der Technologie-Experte Maik Klotz beschäftigt sich seit langem mit dem Thema Mobile Payment. Im Gespräch mit CHECK24 findet er deutliche Worte zu den Schwachstellen dieser Technologie und erklärt wie die Zukunft von Mobile Payment aussehen könnte. | bme

Interview mit Technologie-Experte Maik Klotz über die Zukunft von Mobile Payment

CHECK24: Herr Klotz, was benötige ich als Kunde, wenn ich kontaktlos per Smartphone mit der NFC-Technologie bezahlen möchte?

T3N-Autor Maik Klotz T3N-Autor Maik Klotz Maik Klotz: Vorweg, Mobile Payment hat zunächst nichts mit NFC zu tun. Es gibt verschiedene Technologien um Mobile Payment umzusetzen, eine davon ist NFC. Gerade die Mobilfunkanbieter setzen beim Bezahlen mit dem Smartphone auf NFC. Deutschlandweit verfügbar ist heute nur die Smartpass Lösung von Vodafone oder mPass von O2. Um kontaktloses Bezahlen via NFC mit dem Smartphone zu nutzen, benötigt man neben einer neuen SIM-Karte auch ein Android-Smartphone, dass NFC unterstützt. Beides bekommt man von seinem Mobilfunkanbieter.

CHECK24: Kann jedes nicht-NFC-fähige Smartphone aufgerüstet werden?

Maik Klotz: Nein. Ein Smartphone kann nicht mit NFC aufgerüstet werden. Alternative ist ein spezieller NFC-Sticker, wie er von beispielsweise mPass angeboten wird. Dieser Sticker, der auf das Smartphone geklebt wird, ist aber prinzipiell nichts anderes als eine Kreditkarte mit NFC-Funktion. Der Sticker kann natürlich auf jeden beliebigen Gegenstand geklebt werden.

CHECK24: Beim Smartphone wird eine bestimmte SIM-Karte benötigt, auf der das für die Zahlungen benötigte Secure Element hinterlegt ist. Können Sie das genauer erklären?

Maik Klotz: Das Secure Element ist ein kleiner besonders geschützter Bereich auf der SIM-Karte. Das Secure Element kann aber auch direkt auf dem Gerät oder auf einer speziellen SD-Karte abgelegt sein. Die SIM-Karte ist die von den Mobilfunkanbietern bevorzugte Variante. Auf dem Secure Element können Anbieter von Debit- und Kredit-Karten, Couponing- und Loyalty-Programmen, die erforderlichen Daten verschlüsselt ablegen. Mit Hilfe einer speziellen Smartphone-App kann der Anwender auf diese Daten zugreifen und diese verwalten.

CHECK24: Was ist der Vorteil von Mobile Payment – beispielsweise gegenüber der kontaktlosen Bezahlung per Kreditkarte?

Maik Klotz: Als Vorteil wird gerne angeführt, das Smartphone habe man immer dabei. Das ist natürlich richtig. Die Geldbörse hat man aber heute auch noch immer dabei, alleine wegen der Ausweispflicht in Deutschland. Anwender haben ja nicht nur EC- oder Kreditkarten in der Geldbörse. Dementsprechend ist das Argument nicht sonderlich belastbar. Als weiterer Vorteil werden gerne Mehrwertdienste ins Feld geführt, die aber bisher einzig aus Kundenbindungsprogrammen bestehen. Weitere Mehrwertdienste gibt es nicht. Auch das Thema Geschwindigkeit wird gerne genannt. Schaut man sich den Bezahlprozess im Detail an, dann schneiden gerade die Bezahl-Apps schlechter ab als die kontaktlose Zahlung mit der Kreditkarte. Aus Anwendersicht gibt es heute keinen Vorteil mit seinem Smartphone zu zahlen.

CHECK24: Ist die kontaktlose Bezahlung per Smartphone theoretisch auch ohne App denkbar?

Maik Klotz: Ja, kontaktloses Zahlen über NFC funktioniert auch dann, wenn das Smartphone nicht angeschaltet ist. Bei Mobile Payment mit Bezahl-Apps ist das nicht möglich.

Darum kommt Mobile Payment in Deutschland nur langsam voran.

CHECK24: Die Zahlung per NFC und Smartphone kommt in Deutschland nur langsam voran. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Info: Near Field Communication
Möglich macht die kontaktlose Bezahlung per Kreditkarte oder Smartphone die sogenannte Near Field Communication, kurz NFC. Diese Technologie stellt eine Weiterentwicklung der Radio Frequency Identification dar. Die Daten werden über kurze Strecken von wenigen Zentimeter per Funk übertragen. Das Besondere: Die Übertragung findet nur in dem genormten Frequenzbereich von 13,56 MHz statt, die maximale Übertragungsrate liegt bei 424 kBit pro Sekunde.
Maik Klotz: Am fehlenden Anwendungsfall. Es ist ja nicht so, dass man im stationären Handel nicht bezahlen kann. Knapp 60 Prozent der Deutschen bezahlen bar, der Rest mit EC oder Kreditkarte. Bezahlen mit dem Smartphone ist eine weitere Möglichkeit, die man nutzen kann aber eben nicht muss und die auch per se keinen Vorteil mit sich bringt. Dazu kommt eine starke Fragmentierung im Mobile Payment. Es gibt nicht die "eine" Lösung, sondern sehr viele. Das verwirrt den Anwender. Auch das Thema Datenschutz spielt eine Rolle. Die Anwender sind sich nicht sicher was mit Ihren Daten geschieht. Hier fehlt es an Transparenz und Aufklärung. Letztendlich aber die Frage auf die Antwort, warum man mit dem Smartphone überhaupt bezahlen soll. Das hat auch primär auch nichts mit NFC zu tun, sondern betrifft alle Lösungen.

CHECK24: MasterCard und Visa gaben erst kürzlich bekannt, weiter in Mobile Payment zu investieren. MasterCard übernahm deshalb den Spezialisten C-Sam – Visa vermeldete in Spanien den größten mobilen und kontaktlosen Zahlungsservice in Europa geschaffen zu haben. Gehen die Unternehmen damit den richtigen Weg?

Maik Klotz: MasterCard und Visa schaffen wichtige Voraussetzungen damit mobiles Bezahlen überhaupt möglich wird. Die Kreditkartengesellschaften sind, anders als die deutschen Banken, relativ aktiv und versuchen, zum Teil auch gemeinsam, das mobiles Bezahlen nach vorne zu bringen.

CHECK24: Europaweit gibt es etwa 1,3 Millionen Terminals, die die kontaktlose Bezahlung per Smartphone ermöglichen – in Deutschland 35.000. Wie viele Menschen zahlen tatsächlich schon mit ihrem Handy?

Maik Klotz: Genaue Zahlen sind mir nicht bekannt. Man kann aber davon ausgehen, dass es homöopathische Mengen sind. Das hat Gründe: 35.000 Akzeptanzstellen hören sich viel an, die verblassen aber in Bezug auf die 650.000 aktiven Terminals, die es in ganz Deutschland gibt. Auch gab es bisher noch keine nennenswerte Lösung die kontaktloses Bezahlen über das Smartphone ermöglichte. mPass oder die Vodafone Wallet Smartpass ist ja gerade erst am Anfang. Bei den alternativen Lösungen, den Bezahl-Apps wie sie zum Beispiel bei Edeka, Netto oder Rewe zum Teil zum Einsatz kommen, sieht es ähnlich schlecht aus.

"Die kontaktlose Bezahlung per Smartphone macht das Leben der Kunden aktuell nicht einfacher."

CHECK24: Sie sagen Mobile Payment löst keine Probleme, sondern schafft neue. Warum?

Smartphone Mobile Payment: Die Zahlung per Smartphone. Maik Klotz: Mobiles Bezahlen im stationären Handel ist ein komplexer Vorgang. Die Kartenzahlung besteht heute aus zwei Schritten, bei kontaktlosem Zahlen mit der Karte nur noch aus einem einzigen. Um mit dem Smartphone zahlen zu können, muss sich der Anwender bei einem der Anbieter registrieren und sich dazu oftmals bereit erklären, dass die personenbezogenen Daten analysiert werden dürfen, oftmals sogar der Warenkorb. Dazu kommt, dass es nun eine weiteren Geldstrom gibt, der zur fehlenden Übersicht beiträgt. Der reine Bezahlvorgang verlangt dem Anwender auch einiges ab, gerade beim Einsatz von Bezahl-Apps. Da es kaum Mehrwerte gibt, wird das Leben nicht einfacher. Das muss nicht so bleiben, ist aber der aktuelle Status Quo. Die angestrebte Mobile Wallet mancher Anbieter, die die komplette Geldbörse ersetzen will, also alle verfügbaren Karten abbilden soll, könnte zu einer größeren Akzeptanz führen. Hier darf man aber nicht vergessen, wie komplex es sein wird, beispielsweise die Krankenkassenkarte oder gar den Personalausweis in eine solche Wallet zu bekommen. Kurzum: Mobile Payment ist heute keine Killer-Anwendung.

CHECK24: Der ehemalige Abba-Musiker Björn Ulvaeus lebte ein Jahr ohne Bargeld und zahlte nur per Kreditkarte. Sie versuchten zwei Wochen im Selbstversuch per Mobile Payment zu zahlen: Was ist ihr Fazit? Wo klappte der Einkauf und wo nicht?

Maik Klotz: Schweden ist ein Kreditkartenland. Dort forciert man seitens der Regierung sogar bargeldlose Bezahlarten. In England ist es sehr ähnlich, dort kann man auch überall mit der Kreditkarte zahlen. Ich habe speziell kontaktloses Zahlen oder das Bezahlen mit Bezahl-Apps getestet. Mein Fazit in einem Satz: Mobile Payment löst ein Problem welches nicht existiert. Der Einkauf funktionierte damals nirgends wirklich gut. Seit dem hat sich einiges getan und kontaktloses Zahlen funktioniert immer besser. Dazu brauche ich aber kein Smartphone.

CHECK24: MasterCard plant sogenannte In-App-Käufe per MasterPass zu ermöglichen. Sehen Sie das als Konkurrenz zum herkömmlichen Mobile Payment?

Maik Klotz: Der Begriff der In-App-Käufe ist in dem Zusammenhang verwirrend, bei MasterPass geht es um die Möglichkeit im mCommerce den Bezahlprozess leichter zu gestallten. Etwas was dringend notwendig war. Paypal hat diesen Prozess ja seit geraumer Zeit optimiert und auch Unternehmen wie Stripe haben sich dem Thema angenommen. Eine direkte Konkurrenz sehe ich derzeit nicht. Dazu müsste es überhaupt erst einmal so etwas wie ernstzunehmende mobile Bezahlverfahren am POS geben. Was es aber zeigt, ist etwas anderes, Anbieter die erfolgreiche Bezahlprozesse im Netz haben, werden diese versuchen in den stationären Handel zu bringen. Mobile Payment könnte mit "Payment in the Cloud" übersprungen werden. Bezahlt wird dann in Zukunft an der Kasse nur noch mit dem Account, ganz ohne Karte oder Smartphone.

"Es wird sich eine Lösung durchsetzen, die dem Anwender einen Mehrwert bietet."

CHECK24: BLE wird oft als NFC-Killer bezeichnet. Können Sie unseren Lesern die Unterschiede der beiden Technologien erklären?

Maik Klotz: Der Vergleich hinkt in mehrerlei Hinsicht. Die technologische Grundlage ist eine völlig andere und auch der Anwendungsfall. NFC kommt vor allem beim kontaktlosen Bezahlverfahren zum Einsatz und hat eine Reichweite von nur wenigen Zentimetern. BLE (Bluetooth Low Energy) ist zusammen mit entsprechenden Transmittern, sogenannten Beacons, vor allem für die Indoor-Navigation oder aber als Marketing-Instrument denkbar. So kann man Kunden beim Betreten des Ladens persönlich begrüßen oder aber gezielt zu bestimmten Produkten führen. Theoretisch ist auch das Abwickeln von Transaktionen denkbar, aber zum einen gibt es hier, anders als bei NFC, noch keine fertigen Lösungen und zum anderen ist BLE auch deutlich angreifbarer als NFC.

CHECK24: Wie beurteilen Sie die künftige Entwicklung: Wird sich am Ende – ähnlich wie bei Blu-ray und HD DVD nur eine Technologie durchsetzen? Oder können die beiden doch relativ unterschiedlichen Technologien BLE und NFC parallel existieren und Lösungen für unterschiedliche Probleme bieten?

Maik Klotz: Es wird sich nicht eine Technologie durchsetzen, sondern eine Lösung, die dem Anwender einen Mehrwert bietet. Diese Lösung kann je nach Anwendungsfall dann auf verschiedenen Technologien aufsetzen. Ob das Smartphone dabei überhaupt eine Rolle spielen wird, muss sich zeigen. Klar ist sicher, dass sich die Art und Weise wie wir in Zukunft bezahlen, ändern wird. Ob das dann noch Mobile Payment ist wird sich zeigen. Denkbar das wir in 5 bis 10 Jahren biometrisch bezahlen, z.B. mit dem Fingerabdruck.

CHECK24: Während Android-, Windows-, und Blackberry-Smartphones NFC unterstützen macht Apple scheinbar keine Anstalten auch im iPhone diese Technologie zu integrieren. Wie erklären Sie sich das? Welche Rolle spielt das iBeacon-Patent von Apple in diesem Zusammenhang?

Maik Klotz: Für Apple steht der Anwender an erster Stelle. So lange es keinen Anwendungsfall gibt macht Apple an dieser Front auch nichts. Ich gehe davon aus, dass mobiles Bezahlen auch für Apple ein Thema ist, nur eben noch nicht im Moment. Ein auf iBeacon bzw. BLE basierendes Verfahren liegt nahe, aber es sind noch viele Fragen zu klären, allen voran das Thema Sicherheit. Sollte aber Apple ein eigenes Bezahlverfahren bringen, kann man davon ausgehen, dass der Fingerprint-Sensor eine Rolle spielen wird und auch Passbook ob man auf iBeacon setzt wird sich zeigen.

Info: Mobile Payment

Mobile Payment ist die Zahlung mit dem Smartphone zum Beispiel über die Technik Near Field Communication, kurz NFC. Dabei werden die Zahldaten verschlüsselt über einen Abstand von wenigen Zentimetern per Funk an das Terminal übertragen. Dranhalten und in Sekundenschnelle bezahlen – das ist die Idee. Mobile Payment steckt noch in den Kinderschuhen, entsprechend ungenau ist aktuell die Definition dieses Begriffes. Experten treffen meist drei Unterscheidungen:

  • Mobile Payment im mComerce. Bei der Bestellung im Internet wird im Zuge des Bestellprozesses bezahlt.
  • Peer-2-Peer Zahlungen: Eine Rechnung wird beispielsweise mit einer Online-Banking-App bezahlt oder ich überweise jemanden Geld.
  • Mobile Payment am POS oder auch Proximity Payment. Im stationären Handel wird mit dem Smartphone bezahlt. Wird in Deutschland von Mobile Payment gesprochen, bezieht man sich meist auf diese Definition und meint die Zahlung per Smartphone und NFC-Technik.

Die Anbieterzahl von Mobile Payment ändert sich ständig. Aktuell (Stand März 2014) sind etwa 30 Anbieter im Markt unterwegs, die allesamt ein eigenes Verfahren anbieten und untereinander inkompatibel sind.