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Interview Mastercard - Teil 2

In einem aktuellen Gesetzesentwurf fordert die EU-Kommission, die Interbankenentgelte, die beim Einsatz von Giro- und Kreditkarten fällig werden, einheitlich zu begrenzen. CHECK24 hat einen Kreditkarten-Experten dazu befragt, wann Interbankenentgelte fällig werden und wer diese Gebühren bezahlt. Im zweiten Teil des exklusiven Interviews mit CHECK24 verrät Jürgen Uthe, der stellvertretende Deutschlandchef von Mastercard, wer seiner Vermutung nach am meisten unter den Konsequenzen der geplanten Deckelung leiden wird. | asz

CHECK24: Für welche Zahlungen (online, im Laden, Transaktionen) soll die Deckelung der Gebühren gelten? Ab wann können Verbraucher mit einer Deckelung der Gebühren rechnen?

Jürgen Uthe: Laut Entwurf soll die Deckelung für alle Verbraucherkartenzahlungen in Betracht kommen, also sowohl für online Transaktionen, als auch Bezahlungen im Laden. Der Verordnungsvorschlag der EU-Kommission zur Regulierung der Interbankenentgelte könnte im kommenden Jahr von Europaparlament und Rat angenommen werden. Die Deckelung der Gebühren soll danach in Kraft treten. Es ist jedoch mehr als unwahrscheinlich, dass die Kunden tatsächlich etwas von den sinkenden Interbankenentgelten spüren werden. Denn dafür müssten die Einsparungen von den Händlern auch an die Kunden weitergegeben werden.

CHECK24: Welche Konsequenzen hätte die Deckelung der Kreditkartengebühren für deutsche Verbraucher?

Jürgen Uthe: Wir glauben, dass eine Regulierung der Interbankenentgelte dazu führen wird, dass die Kosten für Kartenzahlungen steigen. Bargeldloses Zahlen wird auch nach einer Regulierung der Interbankenentgelte mit erheblichen Kosten für die Banken verbunden sein. Die Geldinstitute werden deshalb gezwungen sein, neue Quellen zu erschließen.

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In diesem Zusammenhang möchte ich gerne auf die Erfahrungen in Spanien verweisen. Hier wurden die Interbankenentgelte von 2006 bis 2010 reguliert. Diese Periode sollte helfen, den Konsumenten 800 Millionen Euro zu einzusparen. Laut einer Studie der spanischen Universität Rey Juan Carlos hatte die Regulierung jedoch negative Konsequenzen für die Konsumenten: Effekte waren der Anstieg der Gebühren für Karteninhaber um insgesamt 2,4 Milliarden Euro, ein 50%-iger Anstieg von jährlichen Gebühren für Standard-Kreditkarten, erhöhte Gebühren für andere Bereiche wie z.B. bei Überziehung, das Gleichgewicht des spanischen Kartenzahlungsmarkts wurde durcheinandergebracht und der Wettbewerb reduziert.

Der Verbraucher wird versuchen diese Kosten zu umgehen. Es droht der vermehrte Einsatz von Bargeld, genau das was die internationale Gemeinschaft mit Blick auf die Themen Geldwäsche, Schwarzgeld und Steuerhinterziehung zu unterbinden versucht.

Zudem wird die Innovationsfähigkeit leiden. Betrug ist eines der großen Probleme bei Kartenzahlungen. Zahlungsdienstleister forcieren deswegen kontinuierlich die Sicherheit im bargeldlosen Zahlungsverkehr. Erhebliche Summen werden eingesetzt, um die technologische Entwicklung voranzutreiben. Eine erzwungene Senkung der Interbankenentgelte wird dazu führen, dass weniger Mittel für diese Zwecke zur Verfügung stehen – mit negativen Folgen für die Sicherheit. Diesen Effekt kann doch niemand wirklich wollen.

CHECK24: Welche Auswirkungen könnte die Deckelung der Gebühren auf den Handel haben? Werden sich die Produktpreise dadurch für den Verbraucher verändern?

Jürgen Uthe: Der Handel würde, wie das Beispiel Spanien belegt, profitieren und seine Gewinne maximieren. Ich gehe nicht davon aus, dass die Verkaufspreise gesenkt würden, obwohl ein niedrigeres Interbankentgelt zu entrichten sein wird.

CHECK24: Gibt es Unterschiede zwischen den Auswirkungen der Gebührendeckelung im Online Handel und im Laden?

Jürgen Uthe: Auf den ersten Blick nicht. Das bereits erwähnte Absinken der Innovationsfähigkeit kann aber dauerhaft zu enormen Sicherheitsproblemen im Online-Handel führen. Die Mittel werden fehlen um innovative, sichere und zukunftsfähige Bezahlsysteme zu entwickeln. Die Sicherheit für den Verbraucher bliebe ggf. auf der Strecke. Das kann politisch nicht wirklich gewollt sein.

CHECK24: Laut der EU-Kommission soll es durch den Gesetzesentwurf auch für Kreditkarteninhaber Vorteile bei Bezahlungen mit der Karte im Internet geben. Inwiefern glauben Sie, dass die Sicherheit und Nutzung von Internet-Zahlungsdiensten durch das geplante Gesetz verbessert wird?

Jürgen Uthe: Mastercard arbeitet stets an der Entwicklung von intelligenten Sicherheitslösungen. Auch hier gilt, dass hierfür Investitionen benötigt werden und eine Gebührendeckelung hier wichtige Investitionsanreize für die Banken reduziert. Ähnlich ist es mit den Innovationen und neuen Dienstleistungsangeboten, die der Gesetzesentwurf der EU-Kommission liefern soll: Innovationen entstehen nur dann, wenn sie auch wirtschaftlich vernünftig und finanzierbar sind. Nur dann werden Banken hierin investieren. Eine Gebührendeckelung steht notwendigen Investitionsanreizen entgegen.

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