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Interview Mastercard - Teil 1

Die geplante Deckelung der Interbankenentgelte beim Einsatz von Kreditkarten und Girokonten hat in den vergangenen Wochen für viel Aufsehen und Verunsicherung bei Verbrauchern gesorgt. Wir haben einen Experten für Finanzen und Kreditkarten zu diesem aktuellen Thema befragt: Jürgen Uthe, den stellvertretenden Deutschlandchef von Mastercard. Im ersten Teil unseres Interviews erklärt Herr Uthe, was unter Interbankenentgelte zu verstehen ist und erklärt die geplanten Änderungen der EU-Kommission. | asz

CHECK24: Was sind Interbankenentgelte?

Jürgen Uthe: Das Interbankenentgelt ist eine Gebühr, die von der Bank des Einzelhändlers für jede ausgeführte elektronische Zahlung an die Bank des Kartennutzers abgeführt wird. Sie reduzieren die Kosten für die Verbraucher, treiben Innovationen voran und erlauben es den Händlern, die Vorteile von Kartenzahlungen zu nutzen, ohne eigene Systeme etablieren zu müssen.

CHECK24: Wer zahlt aktuell die Interbankenentgelte, wenn Verbraucher mit der Kreditkarte im Internet oder im Laden bezahlen?

Jürgen Uthe: Die Bank des Händlers bezahlt das Interbankenentgelt an die Bank des Kunden. Diese garantiert dem Händler, dass er die zu bezahlenden Beträge auch wirklich erhält. Auch, wenn z.B. das Konto des Kunden keine ausreichende Deckung aufweisen sollte.

Jürgen Uthe

Jürgen Uthe
Stellvertretender Deutschland-
Chef von Mastercard

CHECK24: Verdient auch die herausgebende Kreditkarten-Gesellschaft durch die Interbankenentgelte?

Jürgen Uthe: Nein. Die Kreditkartengesellschaften verdienen keinen Cent am Interbankenentgelt. Mastercard verdient sein Geld mit Gebühren für die Nutzung der Marke, die Bereitstellung der Infrastruktur und die Verarbeitung und Verrechnung der Transaktionen. Diese Kosten tragen die dem Netzwerk angeschlossenen Banken.

CHECK24: Was fordert die EU-Kommission in ihrem aktuellen Gesetzesentwurf?

Jürgen Uthe: Die EU-Kommission fordert eine erhebliche Senkung der existierenden grenzüberschreitenden und später auch inländischen Interbankenentgelte. Der Entwurf der EU-Regelung sieht eine Deckelung der Interbankenentgelte auf 0.2% und 0.3% des Transaktionsbetrags für Debit- beziehungsweise Kreditkartenzahlungen vor. Zudem fordern die Politiker eine Harmonisierung und erhebliche Änderung einiger Regeln, die derzeit das optimale Funktionieren des Kartenzahlungssystems garantieren.

CHECK24: Die bisherigen Gebühren-Regulierungsvorschläge seitens der EU-Kommission richteten sich ausschließlich an Visa und Mastercard – warum wird American Express nicht im Zusammenhang mit der Regulierung von Kreditkartengebühren genannt?

Jürgen Uthe: Der derzeitige Vorschlag zielt leider nur auf sogenannte 4-Parteienmodelle ab. Andere Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel das 3-Parteienmodell von American Express oder Hybridmodell von Paypal sollen nicht reguliert werden. Dies würde zur Wettbewerbsverzerrung führen. Grundsätzlich sind wir der Ansicht, dass es keinerlei Regulierung bedarf. Falls es allerdings zu einer Anpassung kommen sollte, müssen alle Marktakteure gleichbehandelt werden.

CHECK24: Im Gegensatz zu VISA stellt sich Mastercard offensiv gegen den aktuellen Plan, die Gebühren für den Einsatz von Kreditkarten zu deckeln – warum?

Jürgen Uthe: Wir sind der Meinung, dass diese Deckelung negative Auswirkungen für die Verbraucher haben wird und dieses hat sich bereits in anderen Ländern (z.B. Spanien oder Australien) gezeigt, in denen derartige Regulierungen erlassen wurden.

CHECK24: Die Jahresgebühr, die für die Nutzung einer Kreditkarte fällig wird, wird von der herausgebenden Bank, nicht von der Kreditkartengesellschaft, festgelegt. Inwieweit kann Mastercard sich für seine Kunden einsetzen, falls die Banken die Jahresgebühren für Ihre eigenen Kreditkarten aufgrund des neuen EU-Gesetzes in der Tat anheben?

Jürgen Uthe: Mastercard setzt sich bereits im Vorfeld dafür ein, darauf aufmerksam zu machen, dass hier die Kosten des Handels letztlich auf den Verbraucher abgewälzt werden könnten. Es kann nicht im Sinne des Handels sein, dass moderne Zahlungsverkehrsinstrumente unattraktiv für Verbraucher werden. Deswegen muss auch der Handel seinen Beitrag zum Gesamtsystem leisten.

Im zweiten Teil des Interviews erklärt Jürgen Uthe, welche Änderungen aufgrund des Gesetzesvorschlages der EU-Kommission auf jeden einzelnen Kreditkartenbesitzer zukommen könnten und welche möglichen Effekte die Änderungen auf Verkaufspreise haben.