Negativzinsen
- Von 2014 bis 2022 berechneten bis zu 455 Banken in Deutschland ihren Kunden Negativzinsen. Selbst Anfang 2023 gab es immer noch vereinzelt Banken, Sparkassen und Raiffeisenbanken die ihren Kunden Verwahrentgelte oder Minuszinsen in Rechnung stellen. Lesen Sie, warum Banken Negativzinsen berechneten.
- Auf die Zeit der Negativzinsen folgte eine hohe Inflationsrate. Diese hat Einfluss auf Erspartes und sorgt für einen Wertverlust, den Sie mit der richtigen Anlage aufhalten können.
- Tagesgeld oder Festgeld bei Banken im europäischen Ausland können Sparer für Sparer interessant sein, um positive Rendite zu schaffen und nicht mehr, um die ehemaligen Strafzinsen zu vermeiden.
Warum gab es Negativzinsen?

Auch Banken möchten ihr Geld gewinnbringend anlegen. Während der Niedrigzinsphase war das jedoch lange schwierig. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte ihre Leitzinsen zeitweise bis auf 0 Prozent, wodurch auch Kreditzinsen stark fielen.
Zwischen 2014 und 2022 verlangte die EZB zudem einen negativen Einlagenzins von Banken, wenn sie Geld bei ihr parkten. Im September 2019 lag dieser beispielsweise bei –0,5 Prozent.
Viele Banken gaben diese Kosten an ihre Kunden weiter. Deshalb führten einige Institute Negativzinsen oder Verwahrentgelte auf hohe Guthaben ein. Gleichzeitig versuchten sie, Kunden zu anderen Anlageformen wie Wertpapieren oder Fonds zu bewegen.
Seit der Zinswende im Jahr 2022 sind Negativzinsen wieder verschwunden. Gleichzeitig sind die Zinsen am Kapitalmarkt deutlich gestiegen. Im Geldanlage Vergleich finden Sparer viele Angebote für unterschiedliche Laufzeiten.
Freibeträge für Strafzinsen
In der Negativzins-Ära lehnten Banken teilweise sogar die Neueröffnung von Tagesgeldkonten komplett ab. Für Bestandskunden galten dann gewisse Freibeträge, bis zu dem sie keine Negativzinsen berechneten. Diese Freigrenze lag dann zum Beispiel bei 50.000 Euro Guthaben.
Strafzinsen berechnen: so geht's
| Berechnung in zwei Schritten | |
|---|---|
| Schritt 1: | 100.000 Euro / 100 * 0,5 = 500 Euro im Jahr |
| Schritt 2: | 500 Euro / 12 Monate = 41,67 Euro pro Monat |
Eine Bank darf Negativzinsen oder Verwahrentgelte nur mit der aktiven Zustimmung des Kunden einführen. Werden die Bedingungen ohne Einwilligung geändert, ist dies unzulässig. Das gilt auch für andere Preiserhöhungen. Der Bundesgerichtshof entschied 2021, dass Banken Änderungen der Geschäftsbedingungen nicht mehr allein durch das Schweigen der Kunden durchsetzen dürfen (Urteil vom 27. April 2021, Az. XI ZR 26/20).
Was folgte auf die Negativzinsen?
Die Negativzins-Zeiten nahmen 2022 ein Ende, die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte die Zinsen allein von Juli 2022 bis September 2023 zehnmal in Folge. Parallel entwickelte sich zunächst eine ungewöhnlich hohe Inflation in Deutschland. Im August 2023 betrug sie 6,1 Prozent. Dann sank sie stetig wieder und lag im Februar 2026 bei 1,9 Prozent.
Inflation bezeichnet den parallelen Preisanstieg für viele wichtige Konsumgüter und Dienstleistungen. Das betrifft unter anderem Nahrungsmittel und Energiekosten. Mit demselben Geldbetrag erhalten Käufer nun weniger Waren als noch vor einem Jahr, das Geld hat weniger Kaufkraft. Normalerweise bewegt sich die Inflation um zwei Prozent. Ist sie deutlich darüber, verliert Erspartes, das nicht sinnvoll angelegt wird, besonders schnell an Wert.
Geld auf dem Girokonto sparen: Ist das clever?
Wer sein Geld unverzinst auf dem Girokonto lässt, liefert es der hohen Inflation aus und damit einem ungebremsten Wertverlust. Selbst wenn die Zinsen bei Geldanlagen niedriger sind als die Inflationsrate, arbeiten sie dem Verlust entgegen. Sind sie jedoch, wie im unten aufgeführten Beispiel, höher als die Inflationsrate, können sie den Wertverlust mindestens ausgleichen. Eine Fest- und Tagesgeldanlage lohnt sich daher in jedem Fall.
Beispielrechnung: Inflationsauswirkungen mit und ohne Geldanlage | ||
|---|---|---|
| Girokonto mit 0 % eff. p. a. | Festgeld mit 2,30* % eff. p. a. | |
| Geldbetrag | 1.000 € | 1.000 € |
| Inflationsrate 1,9 % | -18,65 € | -18,65 € |
| Zinsertrag auf den Betrag | 0 € | 23 € |
| Wert nach einem Jahr | 981,35 € | 1.004,35 € |
Sicher durch die Inflation mit Geldanlagen
Mit risikoreichen Anlagen wie Aktien lässt sich theoretisch eine höhere Rendite erzielen. Hierzu gehört eine gute Kenntnis des Aktienmarkts und ein starkes Nervenkostüm, denn sie unterliegen einem schwankenden Markt und bieten keine Zinsgarantie. Im schlimmsten Fall ist das investierte Geld weg. Tagesgeld und Festgeld sind sichere Anlagen. Geldbeträge sind in Deutschland durch die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Bank und Kunde geschützt. Auch die meisten ausländischen Banken bieten diesen Schutz, einige gehen freiwillig darüber hinaus. Im CHECK24-Geldanlagevergleich sehen Sie die Einlagensicherung auf den ersten Blick. Beim Festgeld wird immer ein vereinbarter Zinssatz für einen festen Zeitraum garantiert. Beim Tagesgeld ist der Zins zwar variabel, aber auch hier bieten Banken oft eine Zinsgarantie über mehrere Monate an.
Häufige Fragen
Wann wurden die Negativzinsen abgeschafft?
Als die Europäische Zentralbank den Leitzins von Null auf 0,5 Prozent anhob, war die Endzeit von Negativzinsen im Juli 2022 eingeläutet. Die deutsche Tochter der niederländischen ING kündigte als erste Direktbank an, zum 1. Juli die Freibeträge von 50.000 Euro auf 500.000 Euro pro Konto zu erhöhen. Zum 1. August 2022 entfiel dann auch diese Grenze und das Verwahrentgelt für Giro- und Extra-Konten wurde auf 0 Prozent gesetzt. Damit setzte die Direktbank schon frühzeitig ein Zeichen, dem auch die meisten anderen Banken mit der Abschaffung des Verwahrentgelts folgten.
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