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Anschlussfinanzierung

Florian Reichert
Bei vielen Immobilienkäufern nähert sich in den kommenden Jahren das Ende der ersten Sollzinsbindung. Wer vor zehn Jahren eine Baufinanzierung abgeschlossen hat, begegnet heute einem höheren Zinsniveau als damals. Das muss jedoch kein Grund zur Sorge sein, denn der für die Anschlussfinanzierung benötigte Darlehensbetrag ist in der Regel niedriger als bei der Erstfinanzierung. Zudem kann ein Bankenwechsel die Konditionen verbessern. In jedem Fall ist ein erneuter Vergleich ratsam, um auch für die nächste Phase der Finanzierung das beste Angebot abzuschließen.

Florian Reichert,
Geschäftsführer bei CHECK24


Ab wann ist eine Anschlussfinanzierung sinnvoll?

Da es bei Baufinanzierungen um hohe Summen geht, ist das Darlehen nach der Sollzinsbindung üblicherweise noch nicht abbezahlt. Hier kommt eine Anschlussfinanzierung zum Tragen.

Es ist sinnvoll, sich möglichst früh mit dem Thema Anschlussfinanzierung auseinanderzusetzen. Sie haben nach zehn Jahren Laufzeit ein Sonderkündigungsrecht für Ihre Baufinanzierung – unabhängig von der Sollzinsbindung. Bereits fünf Jahre vor Ablauf Ihrer Zinsbindung können Sie ein sogenanntes Forward-Darlehen abschließen. Damit sichern Sie sich den Zinssatz zum Zeitpunkt des Abschlusses. Spätestens zum Ende Ihrer Sollzinsbindung müssen Sie sich mit einer Anschlussfinanzierung auseinandersetzen. Damit Sie sich die optimalen Konditionen sichern können, sollten Sie aber mindestens zwölf Monate vorher einen Blick auf die Zinssituation werfen und Angebote vergleichen.

Möglichkeiten zur Anschlussfinanzierung bei Check24 je nach Restlaufzeit

Anschlussfinanzierung: Die wichtigsten Fristen

Eine Kündigung während der Sollzinsbindung ist nicht vorgesehen. Es gibt jedoch Fristen, zu denen Sie sich mit dem Thema Anschlussfinanzierung beschäftigen sollten:

  • ab fünf Jahre vor Ende der Sollzinsbindung: Prüfen Sie regelmäßig die Zinslage und sichern Sie sich einen guten Zins mit einem Forward-Darlehen.
  • ab einem Jahr vor Ende der Sollzinsbindung: Sie haben ab jetzt die Möglichkeit, eine Anschlussfinanzierung abzuschließen und sollten regelmäßig Angebote vergleichen.
  • ab drei Monaten vor Ende der Sollzinsbindung: Die Bank macht Ihnen ein Angebot zur Prolongation. Spätestens jetzt sollten Sie alternative Angebote prüfen.

Anschlussfinanzierung: Vergleich in drei Schritten

  1. Daten eingeben

    Geben Sie Ihr Vorhaben, die Immobilienart und den Marktwert des Objekts in der Vergleichsmaske ein und starten Sie den Vergleich.

  2. Online-Beratung

    Nutzen Sie zusätzlich zum Angebotsvergleich die kostenlose Beratung durch unseren Partner Interhyp.

  3. Finanzierung abschließen

    Reichen Sie alle Unterlagen für Ihre Wunschfinanzierung digital ein und schließen Sie das Darlehen ab.


Wie beeinflusst der Zinssatz meine Anschlussfinanzierung?

  1. Höhere Zinslage

    Sind die Zinsen seit dem Abschluss Ihrer Baufinanzierung gestiegen und liegen über Ihrem bisherigen Sollzins? Diese Ausgangslage ist nicht ideal und der erste Gedanke könnte sein, dass es am besten ist, auf sinkende Zinsen zu warten. Erkundigen Sie sich über die Zinsprognosen bei unserem Partner Interhyp. Besteht die Möglichkeit, dass die Zinsen weiter steigen, ist Abwarten keine gute Strategie. Nutzen Sie eher die Chance, sich den aktuell höheren, aber noch akzeptablen Zinssatz zu sichern, bevor sich die Konditionen weiter verschlechtern. Zeigen die Prognosen hingegen einen Rückgang der Zinsen an, kann sich etwas Geduld finanziell lohnen.

  2. Niedrigere Zinslage

    Sind die Zinsen nach Abschluss Ihrer Baufinanzierung gesunken und Ihre Zinsbindung läuft bald aus, ist das die günstigste Situation für eine Anschlussfinanzierung. Sobald es möglich ist, sollten Sie sich frühzeitig die Zinsen sichern. Ist laut Expertenmeinung jedoch damit zu rechnen, dass die Zinsen noch weiter sinken, kann es sich lohnen, noch abzuwarten. Behalten Sie auch in diesem Fall die Zinsprognosen im Blick, um den optimalen Zeitpunkt für die nächste Finanzierungsrunde abzupassen.

  3. Ähnliche Zinslage

    Zum Zeitpunkt Ihrer Anschlussfinanzierung entsprechen die aktuellen Hypothekenzinsen ungefähr dem Sollzins Ihrer bestehenden Finanzierung. Auch hier sollten Sie sich den Rat unseres Partners Interhyp einholen, die einschätzen können, wie sich die Bauzinsen künftig entwickeln werden. Wenn die Prognosen auf steigende Zinsen hindeuten, sollten Sie zügig handeln, um sich die derzeitigen Konditionen für die Laufzeit Ihrer Anschlussfinanzierung zu sichern. Zeigen die Vorhersagen hingegen einen Abwärtstrend, kann es sinnvoll sein, noch etwas zu warten, um von einem niedrigeren Zinssatz in der nächsten Finanzierungsrunde zu profitieren.


Beispielrechnung: So viel sparen Sie mit einer guten Anschlussfinanzierung

Schon geringe Zinsunterschiede haben hohe Auswirkungen auf die Gesamtkosten Ihrer Anschlussfinanzierung. Bei einem Zinsunterschied von 0,5 Prozent, einer Restschuld von 140.000 Euro, einer Sollzinsbindung von zehn Jahren und einer monatlichen Rate von 900 Euro, können die Darlehenskosten stark voneinander abweichen.

Finanzierung 1 Finanzierung 2
Sollzins 3,0 % 3,5 %
Anfängliche Tilgung 4,72 % 4,22 %
Zinskosten 31.238 € 37.572 €
Restschuld 63.790 € 70.081 €

Beispielrechnung: So stark nützt Ihnen das Einbringen von Eigenkapital

Wenn Sie Eigenkapital in Ihrer Anschlussfinanzierung einplanen, reduziert sich die Höhe des Kredits. Dies bringt gleich mehrere Vorteile mit sich: Zum einen können Sie den Kredit schneller tilgen und dadurch Zinskosten einsparen. Zum anderen verringert sich der Finanzierungsbedarf im Verhältnis zum Wert der Immobilie. Dies belohnt die Bank meist mit einem günstigeren Zinssatz.

Wie viel Sie sparen können, veranschaulicht folgende Beispielrechnung unter der Annahme, dass Sie eine Restschuld von 140.000 Euro haben, der Sollzins der Anschlussfinanzierung für zehn Jahre festgesetzt ist und Sie monatlich eine Rate von 1.000 Euro aufbringen.

Ohne Eigenkapital Mit Eigenkapital
Eigenkapital - 30.000 €
Sollzins 3,2 % 3 %
Zinskosten 31.639 € 18.873 €
Zinsersparnis - 12.820 €

Anschlussfinanzierung abschließen: Darauf sollten Sie achten

Bei der Wahl einer Anschlussfinanzierung sind die Zinsen zwar ein zentraler Faktor, doch es gibt weitere wichtige Punkte, die Sie berücksichtigen sollten.


Welche Möglichkeiten habe ich bei der Anschlussfinanzierung?

Prolongation

Wenn Ihre Sollzinsbindung ausläuft, bevor Sie den Kredit vollständig zurückgezahlt haben, kann die Bank Ihnen etwa drei Monate vorher eine Verlängerung des Darlehens vorschlagen, die sogenannte Prolongation. Ihr bisheriger Finanzierungsvertrag behält seine Gültigkeit, lediglich Sollzins und Zinsbindung werden neu festgelegt.

Vorteile

  • Einfach: Zeitsparender Abschluss, da nur die Prolongation bestätigt werden muss.
  • Ohne Nebenkosten: Keine Grundbuch- und Notarkosten, da der Vertrag weitergeführt wird.
  • Keine Bonitätsprüfung: Die Bank verlängert den Vertrag basierend auf dem bisherigen Vertrauensverhältnis.

Nachteile

  • Höhere Gesamtkosten: Kein Angebotsvergleich, entsprechend eher hohe Zinsen.
  • Unflexibel: Kaum Spielraum für weitere Optionen wie Sondertilgungen oder Tilgungsanpassungen.
  • Nicht optimiert: Ihre aktuelle Lebenssituation wird nicht berücksichtigt.

Umschuldung

Bei einer Umschuldung verlängern Sie nicht den bestehenden Vertrag bei der bisherigen Bank, sondern schließen einen neuen Vertrag bei einem anderen Kreditinstitut ab. Mit dem neuen Darlehen zahlen Sie die Schulden bei der alten Bank zurück. Eine Umschuldung ermöglicht Ihnen die Anpassung der Anschlussfinanzierung an Ihre aktuelle Lebenssituation. Sie können alle Punkte des Vertrags neu definieren und Angebote vergleichen, um den besten Zinssatz zu erhalten.

Vorteile

  • Günstig: Sie können Angebote vergleichen und das günstigste für die Anschlussfinanzierung auswählen.
  • Flexibel: Sie können mit dem neuen Vertrag Sondertilgungen und Tilgungssatz verhandeln.
  • Darlehenssumme verringern: Im Zuge der Umschuldung können Sie so viel der Restschuld aus Eigenkapital tilgen, wie Sie möchten oder können. Dadurch wird das neue Darlehen niedriger.

Nachteile

  • Planung: Mehr Aufwand als eine Prolongation, da Sie für die Umschuldung frühzeitig alternative Angebote vergleichen müssen.
  • Nebenkosten: Die Grundschuld muss an den neuen Kreditgeber abgetreten werden. Hier entstehen Grundbuch- und Notarkosten, die aber deutlich unter denen der erstmaligen Eintragung der Grundschuld liegen.

Forward-Darlehen

Mit einem Forward-Darlehen können Sie sich günstige Zinsen bis zu fünf Jahre im Voraus – vor Ablauf der Sollzinsbindung – sichern. Sollten die Zinssätze während Ihrer Sollzinsbindung stark fallen, können Sie entsprechend darauf reagieren. Das Forward-Darlehen können Sie bei der bisherigen oder einer neuen Bank abschließen.

Vorteile

  • Reaktion: Sie können auf die Zinsen am Markt reagieren und sich frühzeitig einen besonders günstigen Zinssatz sichern.
  • Sicherheit: Nach Abschluss des Forward-Darlehens müssen Sie sich keine Gedanken mehr über steigende Zinsen machen.

Nachteile

  • Kosten: Sie zahlen für die Sicherung des Zinssatzes meist einen Zinsaufschlag.
  • Abnahmepflicht: Der Vertrag ist bindend. Sollten die Zinsen nach Abschluss sinken, können Sie nicht darauf reagieren.

Häufige Fragen zur Anschlussfinanzierung

Bei einer Anschlussfinanzierung können Kosten entstehen, wenn Sie das Darlehen umschulden oder ein Forward-Darlehen abschließen.

  • Umschuldung: Die Grundschuld muss an das neue Kreditinstitut abgetreten werden. Dafür fallen Notar- und Grundbuchkosten an. In manchen Fällen übernimmt die neue Bank diese Kosten.
  • Forward-Darlehen: Für die frühzeitige Sicherung des Zinses kann die Bank einen Zinsaufschlag verlangen. Dieser ist in der Regel umso höher, je weiter im Voraus Sie den Vertrag für das Forward-Darlehen abschließen. Viele Banken verlangen aber zwölf Monate vor Ablauf der Sollzinsbindung keinen Aufschlag.

Die Anschlussfinanzierung Ihres regulären Baudarlehens ist unabhängig vom KfW-Kredit. Wie Ihre Baufinanzierung können Sie das KfW-Darlehen zum Ende der Zinsbindung, spätestens aber zehn Jahre nach Vollauszahlung, ablösen oder prolongieren. Sie erhalten aber dann nicht mehr die günstigen Förder-Konditionen. Wenn das Förderdarlehen zusammen mit der Zinsbindung Ihrer Baufinanzierung ausläuft, können Sie beide Kredite in einer Anschlussfinanzierung zusammenzufassen.

Um einen Bausparvertrag als Alternative zum Anschlussdarlehen nutzen zu können, muss dieser zum Ende der Sollzinsbindung zuteilungsreif sein. Ob es sinnvoll ist, mit dem Bauspardarlehen die bisherige Baufinanzierung abzulösen, hängt vom Zinssatz ab. Haben Sie den Bausparvertrag zu einem günstigeren Zinssatz abgeschlossen, als Sie bei einer Umschuldung aktuell erhalten würden, lohnt sich das Bauspardarlehen.

Ein Bausparvertrag kann also eine Alternative zu einem Forward-Darlehen sein. Sie müssen ihn dann aber bereits sieben bis acht Jahre vor Ende der Sollzinsbindung zu einem günstigen Zinssatz abschließen. Die exakte Zuteilungsreife eines Bausparvertrags lässt sich zudem nicht genau planen, so dass eventuell eine Zwischenfinanzierung nötig wird.

Mit Eigenkapital können Sie die Darlehenssumme, die sie mit einer Umschuldung zum Zweck der Anschlussfinanzierung aufnehmen, verringern. Dies lohnt sich in doppelter Hinsicht: Zum einen können Sie das Darlehen schneller zurückzahlen und sparen dadurch Zinskosten und zum anderen benötigen Sie im Verhältnis zum Objektwert eine geringere Summe von der Bank. Das wiederum honoriert die Bank mit einem besseren Zinssatz.

Eine Anschlussfinanzierung kann, genauso wie die ursprüngliche Baufinanzierung, nur in Ausnahmefällen gekündigt werden. Müssen Sie die Immobilie verkaufen, ist in der Regel eine Kündigung möglich. Innerhalb der ersten 14 Tage nach Vertragsabschluss gilt eine Widerrufsfrist, von der Sie Gebrauch machen können, ohne dafür Strafgebühren zu zahlen. Zudem haben Sie zehn Jahre nach Abschluss Ihrer Anschlussfinanzierung ein Sonderkündigungsrecht.